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| 19:02 Uhr

Naturschutz
Der Welkteich braucht Wasser

 Das Welkteich-Gebiet benötigt nach dem Dürrejahr 2018 viel Wasser.
Das Welkteich-Gebiet benötigt nach dem Dürrejahr 2018 viel Wasser. FOTO: LR
Grünewalde. Das Naturschutzgebiet bei Grünewalde soll feuchter werden. Dagegen verschwindet das Wasser vom Sportplatz. Von Torsten Richter-Zippack

Eigentlich ist es ganz einfach: Im Naturschutzgebiet (NSG) Welkteich fehlt Wasser. Auf dem nahen Grünewalder Sportplatz gibt es temporär dagegen zu viel vom Nass, zuletzt im Jahr 2017. Mehr noch: In regenreichen Zeiten war der Radweg vom Denkmal zum Sportplatz öfter überschwemmt. Inzwischen hat die Stadt Lauchhammer ein 300 Meter langes Teilstück angehoben, sodass Überflutungen der Trasse kein Thema mehr sind.

„Das Wasser muss also in den Welkteich“, sagt der Grünewalder Ortsvorsteher Reinhard Lanzke. Das 110 Hektar große Gebiet umfasst die Relikte der ehemaligen Teichwirtschaft Mückenberg. Hinzu kommen alte Absetzbecken aus der Braunkohlenwirtschaft sowie größere Waldflächen, die vor allem aus Kiefern, Eichen und Birken bestehen. Aufgrund eines großen Nährstoffangebotes sind die Wasserflächen weitgehend zugewachsen. Mehr noch: Im Dürrejahr 2018 war das Gebiet im Großen und Ganzen trocken gefallen. Ans Wasser gebundene Tiere und Pflanzen mussten um ihr Leben kämpfen.

Um solche Zustände zukünftig zu vermeiden, haben die Naturschützer Maßnahmen erarbeitet, wie das NSG Welkteich auf Dauer erhalten werden kann. Schließlich steht das Areal unter dem Schutz der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH), der Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union. „Der Zustand des jeweiligen Gebietes darf sich nicht verschlechtern“, erklärt FFH-Expertin Nora Kremtz vom Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft.

Daher ist am Welkteich dringender Handlungsbedarf vonnöten. Konkret heißt dies, dass das Wasser im Naturschutzgebiet gehalten werden solle. Dafür müssten unter anderem entwässernde Gräben verschlossen und defekte Ablaufbauwerke (Mönche) in Ordnung gebracht werden. Darüber hinaus, so sagt Kremtz, könnte ein Überlauf vom Welkteich zum benachbarten Schneidemühlgraben das Wasser in regenreichen Zeiten abführen. Dadurch könne ein nasser und damit nicht nutzbarer Sportplatz in Grünewalde vermieden werden.

Ein Problem gibt es allerdings: und zwar den Biber. Die Art fühlt sich am Welkteich wohl. Durch ihren Dammbau kommt allerdings das Wasser anderenorts heraus als erwartet. Da Biber durch das Naturschutzrecht streng geschützt sind, müssen sie geduldet werden.

Was den dichten Schilfgürtel anbetrifft, wäre eine punktuelle Mahd vonnöten, empfehlen die Naturschützer. Dafür gebe es Spezialfahrzeuge. Mehr als 30 bis 40 Prozent des Röhrichts dürften aber nicht verschwinden. Schließlich, so argumentieren die Naturschützer, diene der dichte Schilfgürtel vielen Tieren als Brut- und Rückzugsraum. Besonders geschützte Arten im Welkteichgebiet sind unter anderem Fischotter, Kammmolch und Rotbauchunke. Ebenso leben dort Schwarzspechte, Große Rohrdommeln und Kraniche.

In den Eichenwäldern, die das NSG im Nordosten und Osten begrenzen, wird geraten, der Natur ihren Lauf zu lassen. Allerdings sollten fremdländische Baumarten entnommen werden. „Gerade bei der Spätblühenden Traubenkirsche ist dies ein schwieriges Unterfangen, weiß Anneke Dierks vom Berliner Büro Myotis, das den Managementplan für das NSG erarbeitet hat. Die aus Nordamerika stammenden Gehölze besitzen eine hohe Regenerationskraft und treiben immer wieder neu aus. Dr. Siegfried Thomas, Vorsitzender des Grünewalder Heimatvereins, merkt an, dass sich durch die künftige Regulierung des Wasserstandes im Gebiet durchaus auch andere Baumarten einstellen könnten.

Nach Angaben von Nora Kremtz sollen die Maßnahmen im Welkteich-Gebiet nach dem Jahr 2020 umgesetzt werden. Entsprechende Förderprogramme stünden bereit, bestätigt sie.