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| 02:44 Uhr

Grünewald: Arztbesuch nach Schulbusfahrt

Wenn der Schulbus in Grünewald stoppt, ist er bereits mit Kindern aus Hohenbocka und Sella restlos überfüllt.
Wenn der Schulbus in Grünewald stoppt, ist er bereits mit Kindern aus Hohenbocka und Sella restlos überfüllt. FOTO: Rasche/str1
Grünewald/Ruhland. Die morgendlichen Schulbusfahrten von Grünewald nach Guteborn sind aus Elternsicht eine Katastrophe. Nach heftiger Kritik zum Bus-Chaos mit verletzten Kindern hat Landtagsabgeordnete Gabi Theiss (SPD) alle Beteiligten am Runden Tisch versammelt. Jetzt schaltet sich Staatssekretär Martin Gorholt ein. Andrea Budich

Niederschmetternd und ernüchternd - so lässt sich das Ergebnis des Runden Tisches aus Sicht der betroffenen Eltern und Großeltern zusammenfassen. Auf der einen Seite bleibt die Kritik der Elternschaft unverändert bestehen. Das morgendliche Bus-Chaos kann sich die "diensthabende" Oma Roswitha Winkler aus Hermsdorf nicht länger mit anschauen. Die Zustände im überfüllten Bus mit Erst- und Zweitklässlern sind aus ihrer Sicht unzumutbar. Zum Jahresende ist bei einer Kurvenfahrt ein stehendes Kind sogar am Bein verletzt worden und musste anstatt die Schule den Arzt aufsuchen. Vor den Sicherheitslücken will die engagierte Oma, die ihre Enkelinnen zum Schulbus bringt, nicht länger die Augen verschließen und pocht vehement auf Nachbesserung. "Muss erst etwas Schlimmes passieren, bis wir endlich erhört werden", fragt sie beim Runden-Tisch-Gespräch. Mutter und Grünewalds Bürgermeisterin Ute Schmatloch findet es zudem unverantwortlich, dass der Gesetzgeber sagt, alles sei in bester Ordnung. Die Forderung der Eltern nach einem zweiten Bus oder zumindest einem Busbegleiter bleibt daher auf dem Tisch.

Auf der anderen Seite steht die klare Faktenlage, die nachweisbar klarmacht: Rechtlich gesehen ist mit der heftigst kritisierten Linie 611 alles in Butter. Die vom Landkreis mit der Schülerbeförderung beauftragte Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz nimmt die Argumente und Sorgen der Eltern sehr ernst. Um das Problem nachhaltig zu entschärfen, kann der Leiter des Südbrandenburger Nahverkehrs, Thomas Schmidt, den Betroffenen dennoch nichts anbieten. "Es besteht im Moment kein Handlungsbedarf, es gibt keinen Grund zum Reagieren", sagt er klipp und klar. Er bezieht sich dabei auf die Ergebnisse der jüngsten Schülerzählung. Danach gab es an zehn Zähltagen im November zwischen drei und 14 stehende Kinder im Bus. Da jedoch neben den 38 Sitzplätzen auch 59 Stehplätze im Standardlinienbus zur Verfügung stehen, sei noch genügend Platzreserve vorhanden. Auch die Elternkritik bezüglich der fehlenden Anschnallpflicht entschärft er. Sobald die Stehplätze genutzt werden, darf der Linienbus außerhalb geschlossener Ortschaften nicht schneller als 60 Stundenkilometer fahren. Nach dem bundesweit geltenden Personenbeförderungsgesetz und der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft) sind Stehplätze zur Schülerbeförderung vorgesehen und zugelassen. "Wir sind also die falschen Adressaten der Kritik", bleibt Thomas Schmidt hart.

Unzufrieden mit dem Ausgang, hat SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Theiss nach dem Runden Tisch Staatssekretär Martin Gorholt als Bevollmächtigten des Landes Brandenburg beim Bund eingeschaltet. "Der nach bundesweit geltenden Beförderungsrichtlinien organisierte Schulbusverkehr läuft auch in anderen Bundesländern nicht rund", weiß Theiss. Sie will daher so lange nicht locker lassen, bis eine vernünftige Lösung gefunden ist.

Oma Roswitha Winkler indes dauert das zu lange. Damit ihre Enkelinnen Gina und Greta sicher zur Schule nach Guteborn kommen, setzt sie sich jetzt selbst hinters Lenkrad.