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Großräschens Ankerplatz liegt noch trocken

Die Hafenkante hat am Sonntag Hunderte Schaulustige angezogen. Mit Bürgermeister Thomas Zenker (vorn) ging es los zur Hafen-Erkundung.
Die Hafenkante hat am Sonntag Hunderte Schaulustige angezogen. Mit Bürgermeister Thomas Zenker (vorn) ging es los zur Hafen-Erkundung. FOTO: Hegewald/uhd1
Großräschen. Der Hafengrund ist noch trocken. Maritimes Flair ist in Großräschens neuem Filetstück trotzdem schon zu spüren. Beim Hafenkantenfest hatten Einwohner und Gäste Gelegenheit, sich über den Baufortschritt zu informieren und Seeluft zu schnuppern. Uwe Hegewald

Es ist kurz vor 14 Uhr, als sich Herta und Karlheinz Svadlenka zur über 70-köpfigen Besuchergruppe gesellen, die am Hafenrundgang mit Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) teilnehmen will. "Bei der Premiere im Vorjahr waren wir auch schon dabei", so das Rentner-Ehepaar aus Hoyerswerda. Sie erfahren während der Hafen-Runde, dass der See frühestens 2018/19 geflutet ist und der Wasserstand von heute 94,5 Metern auf maximal 101 Meter über N.N. ansteigen wird. Für die 120 Boots-Liegeplätze liegen bereits 160 Anträge vor. "Insgesamt werden es elf Millionen Euro sein, die wir in den Hafen und seinem Umfeld investieren", erzählt der Bürgermeister. Besonders stolz ist er auf die barrierefreie Ausrichtung der Anlagen und auf die weitsichtige Entscheidung einer Bodenbevorratung. Rund 500 Hektar habe sich die Kommune gesichert, um bei Bedarf neue Projekte anschieben zu können, so das Stadtoberhaupt. "Neue Wohngebiete können erschlossen werden, selbst der Bau eines Hotels ist nicht ausgeschlossen", kündigt er an. Inzwischen ist die ehemalige Dürer-Straße zur Hafenstraße umbenannt worden, die auch den zukünftigen Strandbereich tangiert. Mit 800 Metern Länge und 20 bis 40 Metern Breite böte er ausreichend Platz für Wasser- und Sonnenanbeter.

"Bemerkenswert, was sich hier entwickelt", zeigt sich Karlheinz Svadlenka beeindruckt. Ein wenig habe er einst bei der Ufergestaltung sogar selbst mit Hand angelegt. "Damals, als Mitarbeiter der BUL Sachsen, haben wir die Böschung für den Weinhang gestaltet", erzählt er.

Der Bürgermeister lobt beim Rundgang Mut und Engagement privater Investoren, wie Sebastian Wolschke. Er gilt als der "Erfinder" und Motor des Großrä schener Hafenkantenfestes. "Schon möglich, dass unsere Veranstaltung später nur noch Hafenfest genannt wird. Aber noch haben wir nur eine öffentlich zugänglicheHafenkante", begründet der Inhaber von "Haus Vier".

Beim ersten Hafenkantenfest im Herbst des Vorjahres hatte sich das neue Radlerhotel noch als Baustelle präsentiert. "Schön wäre es, wenn am ‚Haus Vier' noch eine sichtbare Ziffer angebracht wird", empfiehlt das Rentner-Ehepaar aus Sachsen. "Besucher, die erstmals anreisen, wissen nicht, wo die Häuser Eins bis Vier zu finden sind", gibt Karlheinz Svadlenka einen kleinen Tipp. Mit seiner Frau will er die Entwicklung an Großräschens Hafenkante auf jeden Fall weiter verfolgen und beim dritten Fest wieder dabei sein.

Auf der Hafenbühne, die einem Amphitheater gleicht, soll im nächsten Juni ein musikalischer Paukenschlag gesetzt werden. Großräschen ist 2017 Gastgeber der Fanfaronade, einem Stelldichein renommierter Spielmannszüge aus ganz Deutschland. Das große Abschlussbild wird - wo sonst - im Hafen inszeniert.

Noch liegt Großräschens Ankerplatz allerdings trocken. Für den Großräschener Carneval Club erst recht ein Grund, seine "Wilde Ilse" an der Hafenkante in Stellung zu bringen. Am Sonntag war sie weit und breit das einzige Schiff. Karnevalspräsident Maik Rätzel nutzte die Gelegenheit, um Werbung für die anstehenden Sessions-Höhepunkte der Großräschener Narren unters Volks zu bringen.

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In der Wohnanlage "Hafenkante" standen die Türen weit offen. Investor Cajus Richter präsentierte die ersten weißen Stadtvillen im Rohbau. "25 der insgesamt 31 Eigentumswohnungen sind vergeben. Zwei weitere Familien haben heute ernsthaftes Interesse signalisiert", resümiert er. Wie der Hamburger Investor mit Oberlausitzer Wurzeln mitteilt, kommen 40 Prozent der Käufer aus Großräschen oder Nachbarorten. Weitere 20 Prozent entfallen auf Interessenten aus der Region zwischen Senftenberg und Cottbus sowie auch auf Personen, die den hektischen Großstädten Berlin und Dresden entfliehen wollen. "Beim Rest handelt es sich um ehemalige Großräschener, die in die alte Heimat zurückkehren wollen", erklärt Richter.