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| 15:44 Uhr

Seifenkostenrennen
Großräschener Seifenkisten-Piloten nutzen Heimvorteil

Seifenkistenrennen in Großräschen FOTO:
Großräschen. In zwei Kategorien rollen sie bei ihrem Heimrennen zum Sieg.

Extravagant, skurril, spartanisch, aber auch technisch ausgefeilt und so manches Mal verdammt schnell waren am Samstag die Seifenkisten in Großräschen unterwegs. Wie der zum Lausitzer Seifenkisten-Papst erhobene Hans-Joachim Wittkowski erzählt, gehört die rund 550 Meter lange „Rennbahn Marienstraße“ zu den landschaftlich attraktivsten in Deutschland.

Der Großräschener, den die Fahrerszene kurz „Hansi“ nennt, beteiligt sich seit vielen Jahren an nationalen und internationalen Seifenkistenrennen. Schwiegertochter Kristin bestätigt seine Aussage: „Wer die Rampe hinunter kommt, dem öffnet sich der Wald und er fährt entlang des Großräschener Sees in ein Spalier von Zuschauern hinein. Das ist schon eine bewegende Sache.“

Kristin Wittkowski selbst hat keinen Fahrervertag bekommen, aber Ehemann Jan, Tochter Lena Josephine (11) und der erst eineinhalb-jährige Sohn Luc Lennard. „Im Seitenwagen von Papa Jan erlebt er heute seine Rennfahrer-Premiere“, teilt die immer noch etwas aufgeregte Mutter mit, obwohl das Thema Seifenkiste in der Großräschener Rennpapstfamilie Wittkowski den Alltagsrhythmus mitbestimmt.

„Ohne Hansi, seine vielen Helfern und unterstützende Genossen meiner Partei würde es diese Veranstaltung wohl nicht geben“ sagt Wolfgang Roick. Der SPD-Landtagsabgeordnete ist aktives Mitglied der Rennleitung, die noch während der Probeläufe etwas vollzieht, was im Rennsport wohl seinesgleichen sucht: Als ein Pilot den Zielstrich nicht aus eigenen Kraft erreicht, wird die pinkfarbene Linie rund 80 Meter zurückverlegt; inklusive elektronischer Zieleinrichtung, Wettbewerbsbüro und Zuschauertribüne (Bierzelt-Garnituren). Udo und Maria Vettermann aus Schönberg (bei Meerane) hilft das nicht wirklich. Mit ihrem märchenhaften Fahrzeug erreichen die Gäste aus Sachsen nur mit zusätzlichem Schub das Ziel. Das Vater-Tochter-Gespann trägt sich ohnehin mit dem Gedanken, in der Disziplin „Tollste Kiste“ zu punkten. Die Blicke der Zuschauer ziehen beide allemal auf sich, als es mit einem rollenden Brunnen, Froschkönig und Prinzessin die Marienstraße hinuntergeht. Die Vettermanns können aber auch anders: Gymnasiastin Maria ist amtierende Vizemeisterin der AK14-17 des Mitteldeutschland-Cups (MDC). „In diesem Jahr habe ich im tschechischen Korab einen zweiten Platz erreicht und bei anschließenden Wettläufen zwei Siege eingefahren“, so die Prinzessin, die bei klassischen Wertungsläufen eine „grüne Mamba“ steuert. Überhaupt beweisen Seifenkisten-Erbauer bei der Namenswahl ihrer Boliden Einfallsreichtum: „Sausewind“, „Puzzlebox“, „Rakete“ oder „Ikarus“ pressen mit der Formel „Masse mal Beschleunigung“ jede verfügbare Kraft auf den Asphalt. So auch „Erpe-Queen“ – ein Mississippi-Raddampfer-Modell, das auf einen Seifenkisten-Rahmen geschraubt wurde. Ohne Dampfer geht in der Seestadt Großräschen nichts mehr.

Platzierungen:

Kategorie „Mini“: Jan und Luc Wittkowski (Barzig), Hansi Wittkowski  (alle drei Großräschen) mit Copilotin Jasmin Kauer (St. Egidien) bei den Doppelsitzern. In der Klasse „Kids“; Fabian Bieder (Nieschütz), bei den „Teenies“ Henriette Krüger (Neuenhagen) und bei den Erwachsenen Hannah Bieder (Nieschütz). In der Wertung „Tollste Seifenkiste“ siegten Udo und Maria Vettermann mit ihrem rollenden Märchen vom Froschkönig vor Nicky Hensel (Lebusa) in seinem Dampfer und Lars Krüger (Neuenhagen) in einer fahrenden Zinkbadewanne.

Seifenkistenrennen in Großräschen FOTO:
(uhd)