Nein, in die Haut der Juroren will an diesem Kulturtag für Großräschen keiner stecken. Zu ausgewogen präsentiert sich das Feld der Künstler. "Es gibt heute nur Gewinner", stellt Sozialarbeiter und Jury-Mitglied Frank "Joschi" Muschick fest. Die Aufregung ist groß, und das ist völlig normal, bemerkt Kathrin Jantke. Das Goldkehlchen der Lausitz erinnert sich an ihren ersten Auftritt - als Sechsjährige am Klavier, beim Vorspielen an der Cottbuser Musikschule. Mit ihrem Eröffnungslied stärkt die Sängerin und Jurorin das Selbstbewusstsein der Talente. Sie singt für die, die gegen den Strom schwimmen, die Dinge mit anderen Augen sehen, die zwischen den Zeilen lesen können. Besondere Menschen eben - wie die, die sich dem Wettbewerb stellen. "Die Qualität ist recht ordentlich und die Vielfalt beeindruckend. Vor allem freut es mich, dass das Talentefest überhaupt fortgeführt wird", betont Rudolf Wenzel. Der langjährige Leiter des inzwischen geschlossenen Großräschener Gymnasiums hatte den Wettbewerb seinerzeit aus der Taufe gehoben. Katharina Maier, Vorsitzende des Kulturvereins, fühlt bestärkt, den Wettbewerb am Leben zu halten. Als Schülerin hatte sie einst selbst an Programmen bei städtischen Weihnachtsmärkten mitgewirkt. "Im Verein haben wir uns darüber verständigt, das Talentefest im Zwei-Jahres-Rhythmus aufleben zu lassen", sagt sie. Ungewollt sei ein Kräftemessen zwischen den einzelnen Schulen. Nicht ein einziges Mal erfahren die Zuschauer, ob der Sänger oder die Tänzerin eine Grundschule in Großrä schen oder Altdöbern besuchen. Einziger Wermutstropfen: Junge Künstler der Stadt, die an Gymnasien in der Region unterrichtet werden, verpassen die Gelegenheit eine Kostprobe ihres Könnens anzubieten. An mangelndem Talent dürfte es nicht liegen. Welche Begabung mitunter in Kindern und Jugendlichen steckt, ringt dem Publikum Respekt ab. Wie etwa bei Anna-Sophia Heine, die in der Kategorie Solotanz mit einem Dance-Mix begeistert. Was das Publikum nicht weiß: die zehnjährige Grundschülerin hat sich alles selbst angeeignet. Auch in der Familie gibt es niemanden, der der explosiven Tänzerin Ratschläge geben könnte, erzählt sie selbst.

"Ein Naturtalent mit einer bemerkenswerten Bühnenpräsenz", stellt Jury-Mitglied Michael Wein fest. Ausstrahlung und Können bescheren Anna-Sophia Heine Platz 1, obwohl sich der klassische Spitzentanz von Theres Wurzler (Platz 2) als nicht weniger sehenswert erweist. Als die großen Gewinner des Talentefestes dürfen sich die Akkordeon- und Klaviertasten fühlen. Von erfahrenen oder aufstrebenden Pianisten gestreichelt, machen die umgesetzten Töne Appetit auf das zwingend erforderliche 6. Großräschener Talentefest, in spätestens zwei Jahren.

Moderator Hannes Noack schließt den knapp zweistündigen Wettbewerb mit einem Vers des US-amerikanischen Geistlichen und Schriftstellers Henry von Dyke (1852 -1933) ab: "Nutze die Talente die Du hast. Die Wälder wären still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen."

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Zum Thema:
Gesang Gruppe: Jannis Weidner & Tim Frenzel. Gesang Solo: Sophia Subatzus. Tanz: Anna-Sophia Heine. Instrument Gruppe: Helena Hofer & Henrik-Emilian Zinke (Klavier). Instrument Solo: Madeleine Kühne (Klavier). Akrobatik: Luisa Ressel & Sophie Schulz.