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| 23:15 Uhr

Martinsumzug
Ritt für die Botschaft des Teilens in Großräschen

Emiliy Sebischka reitet als Martin mit dem legendären roten Mantel auf Pferd Titus an der Spitze des fröhlichen Lampionumzuges von der katholischen zur evangelischen Kirche Großräschen.
Emiliy Sebischka reitet als Martin mit dem legendären roten Mantel auf Pferd Titus an der Spitze des fröhlichen Lampionumzuges von der katholischen zur evangelischen Kirche Großräschen. FOTO: Steffen Rasche
Großräschen. Großräschener Kirchengemeinden feiern den Martinstag Von Kathleen Weser

Hoch zu Ross führt Anna Emily Sebischka in der Dämmerung des Martinstages in Großräschen den fröhlichen Lampionumzug von der katholischen zur evangelischen Kirche an. Titus ist mit 25 Jahren schon ein betagtes Pferd, das diese schöne Aufgabe bereits Jahre hat. Denn Mutter Daniela Sebischka hat die Liebe zum Pferd an die Tochter weitergegeben. Und das Mädchen setzt auch die Tradition fort, die sie begonnen hat - in der  Rolle des legendären Martin, der seinen warmen Mantel einst mit einem frierenden Bettler geteilt haben soll. Das Fest des heiligen Martin von Tours am 11. November hat Tradition in Großräschen. Die auf dem Schimmel sitzende Reiterin stellt mit dem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten dar. Und Titus, der seine Heimatweide in Dörrwalde hat, hat es gewöhnlich zwar stets eilig. „Bemerkenswert ist für mich immer wieder, dass er sich an der Spitze des Martinsumzuges im Schritt immer selbst zügelt. Als ob er genau wüsste, dass ihm Kinder mit kurzen Beinen folgen“, bestätigt Daniela Sebischka lachend.

Vor allem junge Familien mit Kindern und auch jung gebliebene Großeltern ziehen mit dem Nachwuchs, der stolz die leuchtenden Laternen schwingt, zum Vorplatz der evangelischen Kirche. Hier ist bereits ein wärmendes Feuer entzündet, und heißer Tee und legendäre Martinshörnchen sind vorbereitet. Die werden natürlich geteilt - dem Vorbild des heiligen Martin folgend. Die Legende um den Wert des Teilens kennen die Kinder hier sehr genau. Denn im Gottesdienst des Abends haben sie sie noch einmal eindrucksvoll erzählt bekommen. Und Annette Okoniewski stimmt auch Lieder dazu an.

Die Martinshörnchen sind lecker. „Unsere Bäckerei Weise stellt sie  nur einmal im Jahr zum Martinsfest aus einem besonderen Milchteig her“, erzählt Annette Okoniewski, die sichtliche Freude daran hat, die Mädchen und Jungen zu fordern und zu fördern. Aufgeregte kleine Leute geben am Feuer ihr profundes Wissen preis - und sie teilen auch eifrig. Die Mütter indes werden auch gern am Rande des Geschehens mit einer Handvoll der leuchtenden Laternen abgeparkt. Denn rund um das lodernde Feuer werden Lieder gesungen. Die Reiterin muss mit einem halben Martinshörnchen versorgt werden. Und auch die fingerfertig von den Strickfrauen gebastelten Martinsgänse, in deren Bauch ein Apfel versteckt ist, finden reißenden Absatz.

Der wunderschöne Abend mit der Botschaft des Teilens, den auch konfessionslose Familien immer wieder gern miterleben, hat Tradition - und wird auch im nächsten Jahr mit Sicherheit wieder gefeiert.