Von Jan Augustin

An diesem Dienstag soll über die Zukunft der Starz Bordnetze GmbH in Großräschen entschieden werden. Nach RUNDSCHAU-Recherchen könnte der finanziell in Schieflage geratene Produzent von Kabelsträngen für Land- und Baumaschinen durch die Atlas-Gruppe übernommen werden. Deren Geschäftsführer Brahim Stitou bestätigt Verhandlungen seit vergangener Woche. Die Atlas GmbH, selbst Kunde von Starz, ist ein mittelständischer Baumaschinenhersteller mit Sitz in Ganderkesee bei Bremen. Doch bisher haben beide Parteien nicht zusammengefunden, erläutert Atlas-Chef Brahim Stitou. Der Deal scheitere bisher an den Vorstellungen über den Kaufpreis. Im Raum steht eine siebenstellige Summe im unteren Bereich. „So weit liegen wir nicht voneinander entfernt“, sagt Stitou. Für den nächsten Versuch, eine Einigung zu finden, endet die Frist am Dienstagnachmittag, sagt der Geschäftsführer.

Unklar ist momentan noch die Rolle der dänischen NorthCapital Holding ApS, die die Starz-Gruppe Anfang des Jahres übernommen hatte. Die Investmentfirma betreibt nach eigenen Angaben internationale Geschäfte mit Edelsteinen, Öl und Gas. Ein Geschäftsbereich sei auch der Kauf von finanziell angeschlagenen Firmen und deren Ausbau zu profitablen Unternehmen. Das war auch der Plan für die Starz-Gruppe. Jedoch hat sich seit der Übernahme nicht viel getan. Die Produktion stockt und läuft längst nicht wie gewohnt. Kunden können nicht bedient werden. Und die Lohnzahlungen für die Mitarbeiter bleiben trotz mehrmaliger Zusagen einer Tochterfirma von North­Capital bis heute weiter aus. Eine schriftliche Anfrage der Redaktion am Montag ist unbeantwortet geblieben. Ans Telefon geht auch niemand. Dafür hat sich jetzt eine Anwaltskanzlei aus dem Schweizer Cham gemeldet.

Auch Starz-Geschäftsführer Andreas Kehrel will derzeit aufgrund der laufenden Verhandlung kein Statement abgeben. Er betont aber, dass NorthCapital klar zum Ausdruck gebracht habe, „dass sie ihren Verpflichtungen nachkommen wollen“. „Das wurde mir bestätigt“, sagt Kehrel.

Atlas-Chef Brahim Stitou indes habe einen sehr guten Eindruck von der im Jahr 2012 mit dem Brandenburger Zukunftspreis ausgezeichneten Großräschener Firma. Bei einem Besuch habe er „eine tolle Mannschaft“ kennengelernt. Die Mitarbeiter seien sehr fleißig und erfahren, „obwohl sie seit längerer Zeit nicht bezahlt werden“. Mehrere Starz-Leute bestätigen das gegenüber dieser Zeitung. Mittlerweile geht es um Löhne, die seit Juli nur teilweise, zeitverzögert oder gar nicht gezahlt wurden. Vor dem Cottbuser Arbeitsgericht haben die Beschäftigten eine Klageflut ausgelöst. Anhängig sind 74 Verfahren, die teils eröffnet sind, bestätigt Arbeitsgerichtssprecher Klaus Mittelstädt. Gegenstand der Prozesse sei das Arbeitsentgelt, das nicht, verspätet oder gar nicht überwiesen wurde.

Sollte es an diesem Dienstag zu einer Einigung kommen, stehen einschneidende Veränderungen an. An den Starz-Standorten in Polen, Tunesien und China habe die Atlas-Gruppe kein Interesse. Einen Neustart von Starz plant Brahim Stitou zunächst mit einer kleinen Gruppe von 30 bis 40 Mitarbeitern. Zuletzt arbeiteten etwa 130 Menschen im Unternehmen.