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| 15:54 Uhr

Lausitzer Kippenboden ist „Boden des Jahres“
Nach dem Baggern folgt das Ackern

 Wenn der Braunkohlebergbau vorübergezogen ist, gilt es, den kargen Kippenboden – der „Boden des Jahres 2019“ – wieder zum Leben zu erwecken.
Wenn der Braunkohlebergbau vorübergezogen ist, gilt es, den kargen Kippenboden – der „Boden des Jahres 2019“ – wieder zum Leben zu erwecken. FOTO: Uwe Hegewald
Großräschen/Senftenberg. Der Nabu-Regionalverband Senftenberg setzt sich mit den Entwicklungen in der Bergbaufolgelandschaft auseinander. Von Uwe Hegewald

Tagtäglich wird er sinnbildlich mit Füßen getreten, dabei ist er doch so wichtig für das Leben auf unserer Erde: der Boden. „Eine verletzbare Ressource. Auf unserem Globus gehen täglich viele Quadratmeter fruchtbare Böden verloren. Auch in Deutschland“, mahnt Dr. Dirk Knoche vom Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaft im Haus 3 der IBA-Terrassen. Der Naturschutzbund (Nabu), Regionalverband Senftenberg, hat zu einem Kolloquium eingeladen – und das aus gutem Grund. Der Kippenboden ist zum nationalen Boden des Jahres 2019 erklärt worden. Zuvor waren es der „Alpine Felshumusboden“ (2018), der „Gartenboden“ (2017), aber auch schon der „Weinbergboden“ (2014) und das „Niedermoor“ (2012). Nun der Kippenboden, den es vor der Haustür in Größenordnungen gibt und der für so manche Herausforderung sorgt.

In der Bergbaufolgelandschaft geht es um das Heilen von Wunden, die Braunkohletagebaue in die Lausitzer Landschaft gerissen haben. „Im Lausitzer Braunkohlerevier sind 879 Quadratkilometer als Kippenböden ausgewiesen (Stand 2018), 65 Prozent davon sind inzwischen wieder nutzbar gemacht“, informiert Jörg Schlenstedt von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Mit unsanierten Kippenflächen, die die Bergbausanierer in den frühen 1990er-Jahren übernahmen, standen sie vor einer Mammutaufgabe. „Für eine Wiedernutzbarmachung beanspruchter Flächen wird eine Zeit von sieben bis 15 Jahre zugrunde gelegt, die wissenschaftlich belegt ist“, so Schlenstedt. Etwas neidisch blicken die Sanierer der LMBV auf aktive Tagebaubetreiber, die für die Wiedernutzbarmachung auf vorhandene Ressourcen zurückgreifen können. So würden von der Leag (vorher Vattenfall) geeignete Massen aus Landwirtschaftsflächen des Tagebauvorfeldes gewonnen. Sind diese ausgebracht, sind Landwirte gefragt. „Feldherren“ wie Thomas Domin, die für ihre Sache brennen.

Agroforstwirtschaft nennt sich das Zauberwort, das einen wichtigen Beitrag für den Bodenschutz leistet und von dem der Peickwitzer Landwirt überzeugt ist. Seit vier Jahren kombiniert Thomas Domin im Rahmen eines Modellprojektes Land- und Forstwirtschaft. Im Februar dieses Jahres wurden erste Pappeln geerntet – mit überdurchschnittlichen Erträgen. „Ein interessantes und verheißungsvolles Projekt, das weitergeführt werden soll“, sagt Karl-Heinz Marschka, Vorsitzender des Nabu Senftenberg. Die Naturschützer hatten sich in das von der BTU Cottbus-Senftenberg begleitete Projekt eingebracht und über einen Zeitraum von vier Jahren die Auswirkungen auf Insekten beobachtet. Dass Domin bei seinem Vortrag ein ums andere Mal ins Schwärmen verfällt, ist den Ergebnissen des Projekts zuzuschreiben: Mit dem Anlegen der Pappel-Gassen, werde der Bodenerosion entgegengewirkt, Windgeschwindigkeiten bis zu 94 Prozent gesenkt, eine Steigerung des Ackerfruchtertrages erzielt und sogar dem Gewässerschutz geholfen. „Agrarholz eignet sich als physische Barriere zu Gewässern, übernimmt Filterfunktionen und sorgt für weniger Verkrautung“, führt Domin als Beispiele an.

Nicht nachvollziehen kann der Peickwitzer Landwirt, dass das Projekt unter dem Arbeitstitel „Aufwerten“ bisher nicht in Bergbaufolgelandschaften zum Einsatz kommt. Dort stehen renommierte Betriebe vor der Aufgabe, Kippenflächen zu rekultivieren, um sie nach etwa sieben Jahren an Folgelandwirte abzugeben. „Wir sprechen hier von mehreren 100 Hektarn pro Jahr“, so Dr. Martin Schultze, Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebes Ressen-Lindchen. Aufgrund des Auftragsvolumens im Tagebau Welzow-Süd wurde mit der Agrargenossenschaft Drebkau eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, die sich fortan Arbeit und Erfolge teilt.