Von Andrea Budich

Einen Leuchtturm gönnt sich Großräschen nicht. Wohl aber ein imposantes acht Meter hohes Leuchtzeichen, das sich über die großen Fensterfronten zu See und Hafen öffnet. Das neue Besucherzentrum mit Tourist-Info, das zwischen den IBA-Terrassen und den neuen Hafenterrassen am  Ende der Seestraße gebaut werden soll, ist als neuer Glanzpunkt im Lausitzer Seenland schon in aller Munde, bevor der Bau richtig losgeht.

Weißer Würfel passt perfekt in die Umgebung

Für Hobby-Seefahrer, Reisegruppen, Ausflügler, Urlauber und Strandgänger soll ein Begrüßungspunkt auf einer erhöhten Plattform geschaffen werden, den es bisher am Großräschener See nicht gibt. Der weiße Würfel in Fortsetzung des Bauhaus-Stils passt in Farbe, Material und Architektur perfekt zu den weißen Häusern über dem Hafen auf der einen Seite und zu den IBA-Terrassen auf der anderen Seite. Seine volle Schönheit wird das quadratische Gebäude abends entfalten, wenn es durch die von Pfeilern gegliederten Fenster zu See und Hafen majestätisch ausstrahlt.

Schränkt das Besucherzentrum den Blick ein?

Nach dreijähriger Formsuche hat Stadtplaner Wolfgang Joswig den Arbeitsstand vor der Entwurfsplanung beim jüngsten Bauausschuss vorgestellt. Zum favorisierten prominenten Standort für das Gebäude, das von der Seeseite wie ein Turm wirkt, gab es dabei auch kritische Stimmen. „Der Seeblick ist einmalig. Der Würfel engt die Sicht ein“, bringt der Stadtverordnete Axel Rudo (Linke) einige Einwürfe aus dem Publikum auf den Punkt.

Aus Sicht von Stadtoberhaupt Thomas Zenker (SPD) ist der gewählte Standort aber konkurrenzlos. „Es bleiben noch genügend Sichtachsen frei“, versucht er eine Lanze zu brechen. Der Bürgermeister benennt auch den aus seiner Sicht wichtigsten Vorteil, der für diesen Bauplatz spricht: Das Besucherzentrum fällt an dieser Stelle sofort ins Auge. Jeder Gast fährt genau darauf zu und wird regelrecht hineingezogen.

IBA-Vater Kuhn ist für das Projekt

Für den prominenten Standort über der Hafeneinfahrt macht sich auch Ex-Bauhauschef und IBA-Vater Prof. Rolf Kuhn stark. Das Gebäude in der Mitte zwischen IBA-Terrassen und Hafen-Häusern ist für ihn ein Konzentrationspunkt. „Wenn alles offen ist mit freier Sicht, dann fehlt auch die Spannung“, begründet er. Die Sicht auf den See ist laut Kuhn trotz des Würfels noch umfassend. Wer die freie Sichtachse sucht, findet sie an anderer Stelle, beispielsweise an der Ecke an der oberen IBA-Terrasse. Zudem könne man an dem Quader noch sehr gut rechts und links vorbeischauen und auch herumlaufen. Kuhn ist sich daher sicher: „Das neue Leuchtzeichen wird den Blick eher schärfen!“ Für ihn ist es daher ein sehr gut gewählter Standort. „Ich kenne keinen besseren“, verteidigt er die Wahl von Großräschens Stadtvätern.

Kuhn zeigt sich überzeugt, dass Großräschens Hafen mit dem Neubau Struktur gegeben wird. „Der Würfelbau ist von der Architektur her eine Art Gelenk zwischen den IBA-Terrassen und der weißen Seestadt.“ Die Schönheit des neuen Besuchermagneten entsteht für Kuhn aus der klaren und einfachen Konstruktion. „Sie braucht keinen aufgesetzten Schnickschnack.“

Erste Kostenrechnung: Zwei Millionen Euro

Eine erste Kostenberechnung für den weißen Besucher-Würfel geht von Baukosten in Höhe von zwei Millionen Euro aus. Mit der fertigen Entwurfsplanung will die Stadt versuchen, passende Fördertöpfe anzuzapfen, bestätigt Bauamtsleiter Max Heyde die nächsten Schritte. Die technische Durcharbeitung des Entwurfs liegt inzwischen bereits in den Händen des Meuroer Ingenieur­büros Walter Schiementz.

Für das neue Besucherzentrum und die IBA-Terrassen macht Großräschen in doppelter Hinsicht Tempo. Installiert werden soll für das Gesamtprojekt eine Energiezentrale mit modernster Energieversorgung. „Wir werden Erdwärme und die Energie des Sees nutzen“, gibt Bürgermeister Zenker einen ersten Ausblick auf das besondere Vorhaben. Das Land Brandenburg hat dafür bereits eine großzügige Unterstützung signalisiert. Für Tiefenbohrungen und das Erstellen eines Schichten-Verzeichnisses sind Sachverständige bereits beauftragt.