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| 06:10 Uhr

Wassersportpark am Senftenberger See
Zweifel an echter Gefahr am gesperrten Badestrand Großkoschen

 Der Badestrand Großkoschen am Senftenberger See liegt auf gewachsenem Boden. Die Böschung des Alttagebaus Niemtsch ist hier abgeflacht und mit feinem Sand profiliert worden. Eine mögliche Rutschungsgefahr, mit der das Versagen des Betriebes des Wassersportparkes von Behördenseite begründet wird, wird von Bürgern deshalb stark bezweifelt .
Der Badestrand Großkoschen am Senftenberger See liegt auf gewachsenem Boden. Die Böschung des Alttagebaus Niemtsch ist hier abgeflacht und mit feinem Sand profiliert worden. Eine mögliche Rutschungsgefahr, mit der das Versagen des Betriebes des Wassersportparkes von Behördenseite begründet wird, wird von Bürgern deshalb stark bezweifelt . FOTO: Mario Hambsch
Senftenberg/Großkoschen. Der gesperrte Wassersportpark am Senftenberger See löst weiter heftige Diskussionen aus. Ehemalige Tagebau-Kumpel und Anwohner ziehen die Behörden-Warnung vor Rutschungsgefahren begründet in Zweifel. Von Kathleen Weser und Jan Augustin

Die Behörden-Posse am Senftenberger See schlägt weiter Wellen. Für unwahrscheinlich und übertrieben hält Klaus Hirsch, der als Diplom-Ingenieur im Tagebau Niemtsch gearbeitet und als See-Anwohner auch das Entstehen des Senftenberger Sees erlebt hat, die Rutschungsgefahr am Großkoschener Badestrand durch schwimmende Hüpf-Elemente.

 Klaus Hirsch lebt am Senftenberger See in Großkoschen und hat im Tagebau Niemtsch gearbeitet.
Klaus Hirsch lebt am Senftenberger See in Großkoschen und hat im Tagebau Niemtsch gearbeitet. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Der Investor des Wassersportparkes hat – nach einem Standsicherheitsgutachten ausdrücklich erlaubt – 70 tonnenschwere Beton-Anker auf dem Seegrund nahe des Ufers ausgelegt. „Danach kann doch nicht ein einzelner Gutachter dieses weitreichende Verbot auslösen“, sagt Hirsch.

Klarheit über eine mögliche Gefahr herrscht nicht

Begründet wird die Sperrung des Wassersportparkes, der seit Juli und damit bereits länger als vier Wochen in Betrieb gewesen ist, so: Über die Seile, mit denen die begehbaren Schwimmkörper mit den Beton-Ankern verbunden sind, könnten Schwingungen in die aufgeschüttete Böschung eingetragen werden. Diese wiederum könnten ein Initial erzeugen, das locker gelagerte Sande in den See fließen lassen könnten. Das hat das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) erklärt, nachdem der Sachverständige für den Senftenberger See seinen Segen für den Wassersportpark mit dieser Begründung verwehrt hatte. Klarheit über eine mögliche Gefahr herrscht nicht. Ein weiteres, für den Investor kostenpflichtiges Gutachten wird im wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren, das bei der Wasserbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz geführt wird, verlangt.

 Der größte Wassersportpark des Ostens am Großkoschener Strand des Senftenberger Sees ist gesperrt. Innerhalb von wenigen Tagen war die Tobe-Landschaft mit Trampolin, Sprungtürmen, einer Steilkurve und dem Schleudersack zum Anziehungspunkt für aktive Badegäste geworden.
Der größte Wassersportpark des Ostens am Großkoschener Strand des Senftenberger Sees ist gesperrt. Innerhalb von wenigen Tagen war die Tobe-Landschaft mit Trampolin, Sprungtürmen, einer Steilkurve und dem Schleudersack zum Anziehungspunkt für aktive Badegäste geworden. FOTO: Steffen Rasche

„Hier handelt es sich nicht um geschütteten , sondern um gewachsenen Boden, der zum Strand gestaltet worden ist“, sagt Klaus Hirsch. Die Großkoschener Böschung des Tagebaus Niemtsch besteht somit nicht aus gekipptem Erdreich, das in der Lausitz zum gefährlichen Verflüssigen neigt. „Ich habe selbst in den 50er-Jahren im Tagebau Niemtsch gearbeitet, auch auf der Abraumförderbrücke F 45. Schon lange vor dem Flutungsbeginn des Tagebaus haben wir den gewachsenen Boden mit dem angeschlossenem Bagger DS 1500 im Raum Großkoschen abgeflacht, ausgenommen war nur die Kopfböschung in der Nähe des heutigen Koschener Kanals“, sagt Klaus Hirsch. Mit Planierraupen sei die Neigung von 1:8 für das neue See-Ufer geschoben worden.

Kein Vergleich mit Rutschung bei Niemtsch

Um den Sandstrand auf 150 Meter Länge zu sichern, ist dann im Jahr 1998 eine weitere Abflachung auf 1:20 vorgenommen worden. Der entstandene Höhenunterschied zur See-Promenade wurde mit einer Betonkrainerwand (eine begrünbare Stützkonstruktion aus Betin – d.A.) gesichert. Darüberhinaus sind Drahtschotterkörbe Ringanker und verankerte Querstreben in den Boden verlegt worden.

„Ein Vergleich mit der Inselrutschung bei Niemtsch im vergangenen Jahr ist völlig abwegig. Dieser Inselbereich wurde geschüttet und ist nicht weiter bearbeitet worden“, betont er. „Ich hoffe, dass die verantwortlichen Behörden hier genaue Untersuchungen durchführen“, sagt Klaus Hirsch.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Meuro/Seengebiet des Braunkohleausschusses, Wolfgang Klepsch aus Senftenberg, bestätigt: Der Großkoschener Badestrand liegt auf gewachsenem Boden und ist lediglich mit feinem Sand abgeflacht worden. Ob diese Sandschicht ins Rutschen kommen und dadurch Badegäste gefährden könne, sei untersuchen zu lassen.

 Wolfgang Klepsch (r.) ist der Vorsitzende des Arbeitskreises des Brandenburger Braunkohleausschusses für das Sanierungsgebiet Meuro (Großräschener See) und die Lausitzer Seenkette. Die Bergbaufolgelandschaft und den Senftenberger See kennt er genau.
Wolfgang Klepsch (r.) ist der Vorsitzende des Arbeitskreises des Brandenburger Braunkohleausschusses für das Sanierungsgebiet Meuro (Großräschener See) und die Lausitzer Seenkette. Die Bergbaufolgelandschaft und den Senftenberger See kennt er genau. FOTO: Manfred Feller

Unternehmer soll unterstützt werden

Doch den Unternehmern, die im Lausitzer Seenland investierten, sei das nicht abzuverlangen. „Wenn die Bergbaufolgelandschaft weiter gut entwickelt und nutzbar gemacht werden soll, darf sich so etwas nicht wiederholen“, sagt Wolfgang  Klepsch, der lange im Kreisplanungsamt federführend genau damit beschäftigt gewesen ist.

Investor wieder optimistisch

Wassersportpark-Investor Michael Kiraly lässt die Hüpfburg-Landschaft auf dem Senftenberger See jetzt abbauen. Die Saison ist vorbei. Er sagt: „Ich bin an einer schnellen und vernünftigen Lösung des Problems interessiert und hoffe jetzt, dass alle Beteiligten zeitnah an einen Tisch finden.“ Der Seenland-Verband habe dieses Interesse auch signalisiert und sich vermittelnd eingeschalten. Das geforderte Gutachten werde erstellt. Vom wem, sei noch offen.

 Michael Kiraly lässt seinen Wassersportpark jetzt abbauen. Er schöpft neue Hoffnung. Denn auch der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) bestätigt, alle Beteiligten seien an einer schnellen und vernünftigen Lösung interessiert.
Michael Kiraly lässt seinen Wassersportpark jetzt abbauen. Er schöpft neue Hoffnung. Denn auch der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) bestätigt, alle Beteiligten seien an einer schnellen und vernünftigen Lösung interessiert. FOTO: Rasche Steffen / STEFFEN RASCHE