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| 01:37 Uhr

Großkmehler Baumriese hat 5,80 Meter Stammumfang

Die Winterlinde, die die Kinder umringen, wird auf etwa 400 Jahre geschätzt. Foto: privat
Die Winterlinde, die die Kinder umringen, wird auf etwa 400 Jahre geschätzt. Foto: privat FOTO: privat
Senftenberg. Naturdenkmale sind unsere Schätze heißt das Motto, unter dem die Mitglieder des Regionalverbandes Senftenberg des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) Naturdenkmale im Süden des Landkreises vorstellen. Rudi Kupfer hat sich in Großkmehlen die uralten Bäume angesehen.

Neun Bäume sind in Groß kmehlen als Naturdenkmal ausgewiesen. Herausragend in dieser Auflistung sind zwei Winterlinden, die ihren Standort an der Giebelseite im Hof von Richters Gaststätte haben. Wer auf dem Grundstück zur Kegelbahn geht, kommt an ihnen vorbei.

Etwa 400 Jahre alt

Viele Besucher haben diese Wunder der Natur schon bestaunt. Auf etwa 400 Jahre wird das Alter dieser Baumriesen geschätzt. Sie haben offensichtlich sogar den verheerenden Dorfbrand von 1749 überlebt.

In zwei Meter Höhe hat die hintere Linde einen Stammumfang von 5,80 Meter. In einem Kreis stellten sich elf Kinder um diesen Baum und staunten über sein Alter und die Größe. Die zweite zur Hofseite stehende Linde hat in zwei Meter Höhe einen Umfang von 4,10 Meter.

Die beiden Stämme sind mit tiefen Knubbeln, wulstartigen Auswüchsen und tiefen Spalten besetzt, aus denen an den Ästen die für Linden typischen Herzblätter das dichte Kronendach bilden. Die Größte der beiden erreicht eine Höhe von etwa zwölf Meter.

Krone wird verschnitten

Frühere Versuche, große Risse auszumauern, sind an den Stämmen noch sichtbar. Das gehört heute aber nicht mehr zu den Pflegemaßnahmen dieser Linden. Mit dem regelmäßigen fachgerechten Verschneiden der Krone soll die Sicherheit auch zukünftig gewährleistet werden.

Immer waren die Familien Richter und Hirte darauf bedacht, diese Denkmale der Natur auf ihrem Grundstück zu pflegen und zu erhalten.

Besonders anerkennenswert sind ihre Bemühungen, bei der gegenwärtig umfassenden Sanierung der Gaststätte alles zu tun, dass die Winterlinden, die Baumaßnahmen unbeschadet überstehen. Unterstützt werden sie in ihrem Anliegen vom Baubetreuer Thomas Lindemann aus Frauwalde.

Die Baurüstung musste beispielsweise um die Linden, die nur einen Abstand von etwa einem Meter von dem Gebäude haben, vorbeigeführt werden.

Damit zukünftig das Laub nicht mehr die Dachentwässerung verstopft, wurden zusätzliche Schutzvorrichtungen angebracht.

“Die Linden gehören zu unserem Grundstück. Sie prägen sein Aussehen in besonderer Weise„, stellt die 83-jährige Elfriede Richter fest. Seit 1953 ist sie auf diesem Hof und hat das ganze Jahr über Freude an diesen Bäumen. Sie liebt das zarte Grün der Blätter im Frühjahr, den süßen Blütenduft und den wohltuenden Schatten im Sommer. Das Beräumen des Laubes, ist keine unlösbare Belastung für sie. Schwiegersohn Hans-Joachim Hirte ist da immer am Ball. Selbst dem 30-jährigen Enkel Benny Hirte, der in der Gaststätte mitarbeitet und diese einmal übernehmen soll, sind die Linden ans Herz gewachsen.

Keine Umbenennung geplant

Trotz großer Verehrung kommt für Familie Hirte eine Umbenennung der Gaststätte in “Zur Linde„ nicht infrage. Aber ihren Gästen will die Chefin Gabriele Hirte gern Informationen zu diesen Naturdenkmalen geben. Sie stimmt mit dem Heimatforscher Reinhard Kißro aus Ortrand überein, diese Linden waren früher in Großkmehlen Rats- und Gerichtsplatz. Dafür wurden sie in vielen Dörfern damals gepflanzt und von der Dorfgemeinschaft verehrt.

Belege dafür, dass auf dem Grundstück in vergangener Zeit Dorfschulze, Bürgermeister und Ortsvorsteher gewirkt haben, waren unter anderem die vergitterten Fenster am Gebäude, die bis Mitte des vorigen Jahrhunderts bei Umbauarbeiten beseitigt wurden.

Belegt ist, dass am 12. Januar 1935 im Amtsblatt des damals zuständigen Regierungsbezirkes Merseburg beide Winterlinden in Großkmehlen unter Schutz gestellt wurden. Auch die benachbarte Stieleiche an der Feuerwehr gehörte dazu.

Zum Thema:
Die Serie “Naturdenkmale„ hat bereits Resonanz gefunden. Der Heimatverein in Kostebrau hat sich nach dem Auftaktbeitrag für die Erhaltung von Linden eingesetzt. Aus Ortrand ist Klaus Hauptvogel über den Zustand der Luthereiche an der Kirche besorgt. Als ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter für die Naturdenkmale in Groß kmehlen wurde Rudolf Kupfer eingesetzt, die Bürger können sich an ihn wenden.