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Großes Katzenelend in Hosena

Kater Karli und Helmchen (r.) suchen ein neues Zuhause. Aufgepäppelt werden sie in der Pflegestelle von Familie Hofmann in Annahütte. Tochter Emilie (11) hat die zwei Schmuser in ihr Herz geschlossen. Helmchen wurde krank und abgemagert am Straßenrand gefunden und ist inzwischen schon sehr zutraulich. Der aus Großräschen stammende Kater Karli hingegen ist noch sehr scheu.
Kater Karli und Helmchen (r.) suchen ein neues Zuhause. Aufgepäppelt werden sie in der Pflegestelle von Familie Hofmann in Annahütte. Tochter Emilie (11) hat die zwei Schmuser in ihr Herz geschlossen. Helmchen wurde krank und abgemagert am Straßenrand gefunden und ist inzwischen schon sehr zutraulich. Der aus Großräschen stammende Kater Karli hingegen ist noch sehr scheu. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Um mehrere Hundert wild lebende Streunerkatzen kümmert sich der Senftenberger Tierhilfe-Verein. Die Zahl der herrenlosen Katzen ist dabei ungebremst am Steigen. Schwerpunkte sind Hosena, Lauchhammer, Altdöbern und Allmosen. Allein an 24 Futterstellen werden knapp 200 Katzen in Not täglich versorgt. Andrea Budich

Zu den Katzenkindern, die vom Verein gefunden, aufgepäppelt und inzwischen in liebevolle Hände abgegeben wurden, gehört Kater Bolle. Ende November war er noch dem Tod näher als dem Leben. Nass, unterkühlt, hungrig, heiser vom Schreien und geplagt von Ungeziefer wurde er am Radweg zwischen Niemtsch und Großkoschen gefunden. Damals geschätzte sechs Wochen jung und 400 Gramm leicht. "Er hatte sich sicher nicht verlaufen, er wurde ganz klar ausgesetzt", sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Brigitte Thierbach. Unter den Fittichen seiner Pfleger blühte Bolle ziemlich schnell zu einem munteren Kerlchen auf, der mutig sein Futter verteidigte. Der herrenlose Bolle ist inzwischen vermittelt und hat ein neues Zuhause gefunden.

Darauf muss die rote Katze Rossi noch warten. Über den Jahreswechsel in unmittelbarer Nähe einer vom Tierhilfe-Verein betriebenen Futterstelle in Altdöbern ausgesetzt, hat sie Unterschlupf bei Brigitte Thierbach in Senftenberg gefunden. Schon etliche Katzenleben hinter sich, wäre die zahnlose Katze in freier Natur dem Tode geweiht gewesen. Dass Rossi kein Streuner ist, sieht Brigitte Thierbach auf den ersten Blick. "Den Besitzern ist die alte Wohnungskatze wohl zu viel geworden", mutmaßt sie.

Bolle und Rossi sind nur zwei von Hunderten Katzen in Not, die vom Verein Senftenberger Tierhilfe betreut werden. "Unsere 56 Vereinsmitglieder sind bereit zu helfen, stoßen aber immer mehr an ihre Grenzen", erklärt Margarete Böhnisch aus Kleinkoschen als zweite Stellvertreterin des Vereins. An 24 Futterstellen werden 185 Katzen versorgt und im Notfall auch tierärztlich versorgt. Zusätzlich gibt es acht Pflegestellen, in denen zeitweise mehr als 60 Tiere für ein neues, dauerhaftes Zuhause aufgepäppelt werden. 44 Katzen sind im Vorjahr mithilfe der Pfleger in gute Hände abgegeben worden. 121 Kater und Katzen sind 2016 von Vereinsmitgliedern zur Kastration zum Tierarzt gebracht worden. Dahinter steckt ein enormer finanzieller Aufwand für die Tierschützer. Monatlich müssen durchschnittlich rund 1000 Euro Tierarztkosten aufgebracht werden. Weitere Dutzende Katzen stehen noch auf der Liste.

"Wir arbeiten rein ehrenamtlich und finanzieren alles über Mitgliedsbeiträge und Spenden", sagt Brigitte Thierbach. Trotz einer im Oktober des vorigen Jahres gestellten Anfrage habe die Stadt Senftenberg keine finanzielle Unterstützung gewährt. Nachbarkommunen gleichfalls nicht. "Deshalb bin ich sehr glücklich, dass wir von 125 Spendern und deutschlandweit auch von 70 Paten finanziell unterstützt werden", betont Brigitte Thierbach. Senftenberg signalisiert für 2017 einen Zuschuss in Höhe von 250 Euro.

Besonders groß ist das Katzenelend mit derzeit 53 herrenlosen Miezen in Hosena. Dort hausen Streuner in Stallungen, auf dem Feld und in der Flur der Wiesenstraße und am Petermannsteich. Ihre Jungen bringen sie in Gärten, auf Gehöften und an der alten Post zur Welt. Um zu verhindern, dass sich das Elend weiter ausbreitet und die Streuner zu keiner Plage im Senftenberger Ortsteil werden, müssen die Tiere geimpft und kastriert werden. Allein in Hosena muss der Verein dafür 2016/17 mehr als 2000 Euro aufbringen.

Der Traum von einer kleinen Auffangstation, um in der Not schneller reagieren zu können, bleibt für die Tierschützer indes ein Traum. "Wir haben das zig Mal hoch- und runtergerechnet", sagt Brigitte Thierbach. Das Geld reicht nicht, der aktive Mitstreiterstamm gleichfalls nicht.

Ihren Einsatz gegen das Katzenelend sehen Senftenbergs Tierschützer realistisch. "Wir retten damit nicht die Welt", sagt Margarete Böhnisch. Aber jedes gerettete Tier bekommt dank des Einsatzes eine Chance auf ein besseres Leben.

Zum Thema:
Eine Kastrationspflicht für Katzen gibt es in Senftenberg nicht. Damit hat das Beispiel Luckenwalde in der Niederlausitz keine Schule gemacht. Als erste Gemeinde Brandenburgs hat Luckenwalde 2014 die Kastrationspflicht für Freigängerkatzen eingeführt. Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich gegenüber Städten und Kommunen nachdrücklich für eine Kastrationspflicht ein. Sie besteht inzwischen in fast 350 Kommunen.