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Die Kugel rollt in Schipkau
Großer Wurf fürs Kegler-Glück

Der Anbau steht, die Kugeln können wieder rollen beim Kegelsportverein Schipkau. Vor der Einweihung des neuen Sozialtraktes am 9. Dezember machen Uwe Herrmann (l.) , Annette Philipp (r.)  und Max Tietz noch klar Schiff.
Der Anbau steht, die Kugeln können wieder rollen beim Kegelsportverein Schipkau. Vor der Einweihung des neuen Sozialtraktes am 9. Dezember machen Uwe Herrmann (l.) , Annette Philipp (r.) und Max Tietz noch klar Schiff. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen
Schipkau. Gemeinsam was ins Rollen bringen – das ist seit 65 Jahren die Mission des Kegelsportvereins in Schipkau. Die für den Spielbetrieb notwendige Erweiterung stemmen die Mitglieder selbst. Von Andrea Budich

Muskelkater statt ruhige Kugel. Den haben seit dem Umbau-Start im April die 68 Mitglieder des Schipkauer Kegelsportvereins. Mit viel eigener Kraft und großem Enthusiasmus machen sie wieder einmal das, was sie neben dem Kegeln am besten Können: ihre Sportanlage und ihren Vereinssitz in Schuss  bringen.

Darin sind sie schließlich geübt. Denn ihre Sportstätte haben sie sich seit dem Gründungsjahr 1952 aus dem Nichts aufgebaut. Die letzte große Aktion liegt erst zehn Jahre zurück. Damals kostete der Umbau zur Classic-Kunststoff-Plattenbahn den Verein 50 000 Euro und vor allem viel Kraft. 1500 Stunden schufteten die Vereinsmitglieder ehrenamtlich, um ihr Domizil wettkampftauglich zu machen. Die neue 4-Bahnen-Anlage ist Bundesliga-tauglich, der Umkleide- und Sanitärbereich nicht. „Deshalb mussten wir die Sache erneut in die Hand nehmen“, erklärt der Vereinsvorsitzende Uwe Herrmann.

Genau genommen war es schon einige Jahre eine riskante Zitterpartie. Es drohte der Entzug der Bahnabnahme und damit die Einstellung des Wettkampf-Spielbetriebes. „Da mussten wir in die Gänge kommen, um weiter in der Bundesliga kegeln zu können“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Auch bei den Gastmannschaften hatte es sich schon herumgesprochen: Schipkau hat eine top Bahn, das Umfeld aber geht gar nicht. Keine Toiletten für die Gäste, nur eine kleine gemeinsame Umkleide für zwölf Spieler, eine einzige Dusche, und an einen Schiedsrichterraum als Rückzugsort war überhaupt nicht zu denken.

Eine Erweiterung des Sozialtraktes war also längst überfällig, damit die Kugel in Schipkau weiter rollen kann.

Weil der Verein den Anbau finanziell nicht allein stemmen kann, waren vier Anläufe notwendig, um an Fördermittel zu kommen. „Wir haben uns nicht abschütteln lassen und es immer wieder versucht“, sagt Uwe Herrmann. Knapp 91 000 Euro sind schließlich für das Projekt aus dem europäischen Topf ländlicher Fördermittel nach Schipkau gerollt.

Weil in sechs Wochen die ersten Heimspiele bei den Frauen und bei der zweiten Herren-Mannschaft angesetzt sind, läuft beim Sportstätten-Bau der heiße Endspurt. Uwe Herrmann trommelt fast allabendlich zu Arbeitseinsätzen zusammen. „Wir wollen fertig werden“, kommentiert er kurz.

Tagsüber schmeißen die beiden Rentner Max Tietz und Annette Philipp auf der Baustelle den Laden. „Einer muss immer nach dem Rechten sehen“, erklärt Rentner Max Tietz. Im Verein ist er der Dienstälteste. Seit 1967 hält er dem Kegelsport die Treue.

Den Umbau haben die Kegler gemeinsam ins Rollen gebracht. Die ruhige Kugel allerdings ist auch  nach der großen Einweihungsfeier, die für den 9. Dezember geplant ist, absolut nicht in Sicht.  Denn die Schipkauer Damen wollen angreifen und erneut in die Bundesliga aufsteigen. „Denn die Aufstiegsfeiern sind die schönsten“, stellt die Chefin der Frauen-Mannschaft, Anja Rietig, klar.