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| 17:35 Uhr

Großer Bahnhof für den Bahnhof

Vorsicht an der Bahnsteigkante! Das sollten Reisende auf dem Bahnhof Ruhland während des Umbaus sehr ernstnehmen. An den Gleisen 3 bis 5 werden derzeit die Bahnsteigkanten zurückgebaut. Die Strecke nach Hoyerswerda ist daher ab sofort voll gesperrt. Für Reisende in die Richtungen Cottbus, Leipzig, Dresden und Hoyerswerda ist Ruhland ein wichtiger regionaler Umsteigeknoten.
Vorsicht an der Bahnsteigkante! Das sollten Reisende auf dem Bahnhof Ruhland während des Umbaus sehr ernstnehmen. An den Gleisen 3 bis 5 werden derzeit die Bahnsteigkanten zurückgebaut. Die Strecke nach Hoyerswerda ist daher ab sofort voll gesperrt. Für Reisende in die Richtungen Cottbus, Leipzig, Dresden und Hoyerswerda ist Ruhland ein wichtiger regionaler Umsteigeknoten. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Ruhland. Das Millionenprojekt, auf das Ruhland seit 25 Jahren wartet, ist ins Rollen gekommen. Der Startschuss für den Umbau des Bahnhofes ist gefallen. Zu den 70 Millionen Euro für Brücken, Gleise und Bahnsteige legt die Stadt Ruhland noch zwei Millionen für den Bahnhofsvorplatz oben drauf. Andrea Budich

Das größte Infrastrukturvorhaben der Lausitz versteckt sich hinter weißen Plastebahnen. Auf den ersten Blick sieht es nicht nach Großbaustelle, sondern nach Kunst-Installation aus. Das Projekt "Verhüllter Bahnhof" hat zumindest schon vor dem Bau-Startschuss am gestrigen Freitag für Aufsehen bei den Zugreisenden gesorgt, die so stilvoll noch nie zu den Bahnsteigen geleitet wurden.

Für den seit Jahrzehnten vor sich hin dümpelnden Bahnhof ist es höchste Eisenbahn. Der Bahnhof samt Wild-West-Parkplatz und Pfützenlandschaft davor ist nur noch ein Schatten seiner selbst und für jeden Ankommenden die wohl schlechteste Visitenkarte für das ansonsten in alter Schönheit erblühte Elsterstädtchen. Für Ruhland ist der gestrige Baustart daher ein Paukenschlag und wird von den Bewohnern mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt.

Für den Umbau werden die Ruhlander allerdings einen langen Atem brauchen. Die Bahn kündigt neun Bauphasen an. Erst Ende 2019, also in vier Jahren, wird der schick und leistungsfähig ausgebaute Bahnhof in neuem Glanz erstrahlen.

Los geht es in einer ersten Bauphase mit Umbauarbeiten im Bereich des Gleises 1 sowie an der Oberleitung. Zeitgleich startet dieser Tage der Rückbau der Bahnsteigkanten an den Gleisen drei bis fünf. Danach erfolgt - wahrscheinlich ab 11. März - der Abriss der ersten von zwei Brücken über die Bernsdorfer Straße.

In den folgenden Jahren wird dann Schritt für Schritt die gesamte Infrastruktur im Eisenbahnknoten Ruhland modernisiert und auf elektronische Stellwerkstechnik umgerüstet. Modernisiert werden die Gleisanlagen für den Personen- und den Güterverkehr, die Eisenbahnbrücken, Signal-, Leit- und Sicherungstechnik sowie Oberleitungen. Mittelbahnsteige werden erneuert, Blindenleiteinrichtungen integriert und der Personentunnel neu gebaut. Die Bahnsteige erhalten Aufzüge und einen neuen Zugang vom Bahnhofsvorplatz.

Diese einmalige Gelegenheit lassen sich Ruhlands Stadtväter nicht entgehen. Sie sind auf den rollenden Zug aufgesprungen und investieren selbst noch einmal zwei Millionen Euro für die Neugestaltung des lädierten Bahnhofsvorplatzes. Er soll näher an den Bahnhof heranrücken, bekommt 100 geordnete Parkplätze und sechs Bushaltestellen. Baustart dafür ist im zweiten Halbjahr 2016.

Zu den Unternehmen, die auf den Bahnhofsausbau gedrängt haben, gehört die BASF Schwarzheide. "Mit dem Ausbau ist die Region ideal an die transeuropäischen Korridore und darüber hinaus bis nach Asien angebunden und schafft als internationales Logistik-Drehkreuz hervorragende Voraussetzungen für neue Ansiedlungen und industrielles Wachstum", betont Karl Heinz Tebel, Vorsitzender der BASF-Geschäftsführung. Von der IHK Cottbus wird das gute Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure aus Sachsen und Brandenburg fürs Projekt "Bahnhof Ruhland" hervorgehoben.