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| 19:46 Uhr

Große Sorge um das Schloss-Inventar

Das denkmalwerte Inventar des Schlosses Lindenau ist dokumentiert und wird aktiv geschützt.
Das denkmalwerte Inventar des Schlosses Lindenau ist dokumentiert und wird aktiv geschützt. FOTO: privat
Lindenau. Die Erklärungsfrist zum gerichtlichen Vergleich für Schloss Lindenau läuft in wenigen Tagen aus. Verärgert und in Sorge beklagen Einwohner des Dorfes, dass jetzt aus dem denkmalgeschützten Herrenhaus und dem Park noch alles ausgeräumt werde, "was nicht niet- und nagelfest" sei. Kathleen Weser

Der Streit um Schloss Lindenau wird Ende des Monats September endlich entschieden: Das Kammergericht Berlin hatte im Juni im Verfahren um die Rückabwicklung des Kaufvertrages eindringlich zu einer gütlichen Einigung geraten. Denn die Gemeinde Lindenau dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit berechtigt sein, die Rückübereignung des Grundstückes zu fordern, so die Begründung.

Vor mehr als 15 Jahren hatte die Kommune das Schloss und den Park an ein von Dr. Wolfgang Hamma aus Berlin geführtes Unternehmen verkauft. Geplant hatte er, eine Seniorenresidenz zu errichten. Als die Auflage der bundeseigenen Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG), innerhalb von zehn Jahren mindestens drei Millionen Euro in das von ihr zu diesem Zweck am Schloss veräußerte Areal zu investieren, im Jahr 2009 nicht realisiert war, erstritt der staatliche Verkäufer vor Gericht 650 000 Euro vom Erwerber. Der meldete daraufhin Insolvenz an. Innerhalb dieses Verfahrens ist das Schloss-Areal dann mittelbar erneut in die Hände von Hamma veräußert worden. Und dagegen hat die Gemeinde Lindenau geklagt.

Gegen eine Zahlung von 140 000 Euro für bereits getätigte Investitionen soll das Dorf das Schloss jetzt zurückbekommen - so der Insolvenzverwalter die Gläubiger von dem Vergleich überzeugt. Die Frist läuft nun ab.

Mit Argus-Augen wird in Lindenau verfolgt, dass jetzt Leuchten aus dem Park abgebaut werden und Möbeltransporte rollen.

Die Ortrander Amtsverwaltung hat die Denkmalbehörde informiert. Das bestätigt Amtsdirektor Kersten Sickert. Und die Experten des Landkreises Oberspreewald-Lausitz haben sich letztmalig erst am Freitag vergangener Woche vor Ort begeben "und keine Auffälligkeiten festgestellt". Das teilt Kreis-Sprecherin Sarah Werner mit.

Der Denkmalwert der Ausstattung des Schlosses Lindenau ist hoch. Das erklärt Ralph Paschke, der beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum in Wünsdorf das Dezernat für Inventarisation und Dokumentation leitet. Gutachter Dieter Hübener hat das 1584 erbaute und im Laufe der Jahrhunderte viermal erweiterte barocke Schloss im Jahr 1998 genau untersucht - und Lindenau einen "besonders hohen bau- und kunstgeschichtlichen Stellenwert" bescheinigt. Auch das mit dem Denkmal Schloss eine Einheit bildende Inventar ist Kraft Gesetzes geschützt - und werde "beschützt". Unter anderem sind dies die Öfen und Kamine mit wertvollen eisernen Verkleidungen und Abdeckplatten mit szenischen Darstellungen aus der Mythologie und des Urteils König Salomons, die mit Spiegeln ausgekleideten gerahmten Wandfüllungen zwischen den Fenstern, sieben Ölgemälden unbekannter Herkunft und weitere innenarchitektonische Elemente.