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| 02:55 Uhr

Große Leidenschaft für Handwerk und Holz

Seine ehemalige Schuhmacherwerkstatt nutzt Rudolf Schulze heute zum Schnitzen.
Seine ehemalige Schuhmacherwerkstatt nutzt Rudolf Schulze heute zum Schnitzen. FOTO: Christiane Klein/chk1
Ruhland. Der Geruch von Holz und Leder durchzieht die Werkstatt von Rudolf Schulze. Wo der Handwerksmeister früher Schuhwerk formte, befindet sich heute seine Schnitzstube. In wenigen Tagen sind einige seiner Arbeiten im Gutshof Ruhland zu sehen. Christiane Klein / chk1 chk1

Rudolf Schulze greift die blaue Schusterschürze vom Haken, hängt sie um und bindet die losen Enden hinterm Rücken zusammen. Routine seit mehr als einem halben Jahrhundert. Früher trug er sie, wenn er in seiner kleinen Werkstatt Schuhe anfertigte und reparierte. Heute schlüpft der Orthopädie-Schuhmachermeister zum Schnitzen in die Kluft. Mit Liebe hat er sich seine alte Werkstatt umgebaut. Die rund 100 Jahre alten Ledernähmaschinen braucht er nur noch selten. Dafür hat der Ruhlander sich eine Mansfelder, eine Schleifmaschine Baujahr 1938, in greifbare Nähe geholt und wieder hergerichtet. "Die ist so alt wie ich", erklärt Rudolf Schulze.

Mit Begeisterung schneidet der Ruhlander Eulen, Katzen, Räuchermännchen und mehr aus Holz. Die Liebe zu diesem Material hat ihn sein Leben lang begleitet. Doch richtig Zeit dafür hat er erst, seit er 2003 in den Ruhestand getreten ist. Davor hat Rudolf Schulze die Familientradition des Schuhmacherhandwerks fortgeführt. "Wir waren drei Kinder, und mein Vater hat entschieden: Der Mittlere wird Schuhmacher." Auch wenn das Holz in seinem Gewerk nicht an erster Stelle stand, so habe er seinen Beruf und vor allem das Handwerkliche geliebt.

Kätzchen aus Essigbaumholz

Jetzt geht er in seinem Hobby auf. In den kalten Wintermonaten oder wenn es im Sommer in der Mittagshitze zu heiß ist, um in den kleinen Garten zu gehen, sitzt Rudolf Schulze in seiner Werkstatt und schnitzt aus alten Weihnachtsbaumstumpen kleine Räuchermännchen, verwandelt dicke Kiefernstämme in kräftige Waldbären und formt anmutige Engel aus Lindenholz. "Am schönsten finde ich das Holz des Essigbaumes. Das glänzt golden, wenn das Sonnenlicht darauf scheint", sagt der 77-Jährige und hält zum Beweis einen kleinen, hölzernen Vogel ins Tageslicht. Zu seinen Lieblingsstücken gehört eine kleine Katze aus Essigbaumholz. "Die ist von Natur aus so wunderbar gemasert, da ist kein Klecks Farbe dran", betont der Hobbyschnitzer.

Um seinen Werken am Ende noch etwas Glanz und Widerstandsfähigkeit zu verleihen, reibt er sie mit Hand- oder Schuhcremes und Lasuren ein, bis das Holz einen leichten Schimmer bekommt.

Schulzes Katze Pi und ihre Vorgängerin haben oft Modell gestanden. "Pi ist unser Haustherapeut", sagt Rudolf Schulze und streicht liebevoll über die hölzerne schwarz-weiße Katze, die er nach Pis Vorbild gefertigt hat, während die Echte ihren Mittagsschlaf hält. Auch Kaninchen hat der Handwerksmeister schon in diversen Ausführungen geschnitzt. Die Originale hopsen im Stall umher und sind neben dem Schnitzen und dem Handball das dritte Hobby von Rudolf Schulze.

Freitags kommt der Nachwuchs

Seine Leidenschaft fürs Schnitzen teilt der Rentner mit jungen Ruhlandern. Seit vielen Jahren schon kommen jeden Freitag einige Kinder und Jugendliche zu ihm in die kleine Werkstatt und gehen gemeinsam mit scharfen, alten Schuster- und Schnitzmessern, Raspeln und Schleifpapier ans Werk. "Ich habe so viele Ideen, was ich schnitzen könnte, dass ich gar nicht hinterherkomme", sagt Rudolf Schulze. "Mehr als zwei Stunden am Tag schnitze ich nicht. Man muss die Dinge ruhig angehen - und die Sachen auch mal mit Abstand auf sich wirken lassen."

Zum Thema:
"Schnitzen aus Leidenschaft" lautet der Titel der neuen Ausstellung im Gutshof Ruhland, bei der eine Auswahl an Figuren von Rudolf Schulze präsentiert wird. Am nächsten Dienstag, 7. Juli, findet um 19 Uhr die Vernissage statt, zu der der Verein für Heimatpflege 1889 Ruhland/Oberlausitz einlädt. Der Gutshof ist jeden Sonntag von 16 bis 18 Uhr und nach Anmeldung unter Telefon 035752 30052 geöffnet. Die Ausstellung ist bis zum 9. August zu sehen. chk1