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| 01:20 Uhr

Große Aufgaben und wenig Geld

Schwarzheide..  „Die Stadt Schwarzheide war immer eine aktive Stadt, und deshalb können wir mit Zuversicht in die Zukunft sehen.“  Gerd Budich, Vorsitzender der Stadtverordneten versammlung Harald Müller


Auf Neujahrsempfängen warten die Bürgermeister hin und wieder mit überraschenden Ankündigungen zur Stadtentwicklung auf. In diesem Jahr scheint das eher selten zu sein. In Schwarzheide war das ohnehin nicht möglich, weil Bürgermeister Bernd Hübner dem Ereignis am Donnerstagabend im Bürgerhaus wegen Krankheit fernbleiben musste.
Stadtverordnetenvorsteher Gerd Budich blieb es vorbehalten, seinen Part zu übernehmen. Der hochkarätig ausgebildete Gastwirt sprach Klartext. „Als Politiker sind wir in der Pflicht und können uns nicht auf leere Kassen berufen - uns nicht resigniert zurückziehen.“
Aber was will man tun in der Stadt„ Budich informiert die Neujahrsempfangsgäste, dass sich die Schwarzheider Kommunalpolitiker im fraktionsübergreifenden Konsens dafür einsetzen, die finanziellen Grundlagen der Selbstverwaltung notfalls neu einzufordern. „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, dass unsere Stadt weiterhin attraktiv für Investoren und Neuansiedler bleibt.“
Budich schob nach: „Jahrelang haben wir abgelehnt, die Einnahmeausfälle durch Steuererhöhungen auf die Bürger abzuwälzen und tun es noch immer. Aber jetzt zwingen uns Landes- und Bundespolitik dies zu tun. Dagegen werden wir - und zwar alle politischen Kräfte - gemeinsam etwas tun.“
Der Erfolg hänge davon ab, ob sich die gesamten Kommunen des Landkreises gemeinsam stark machen.
Worin sieht der erste Ehrenbürger der Stadt, Dr. Hans-Hermann Dehmel, eine Lösung dieses Problems, das eigentlich viele deutsche Kommunen haben“ „Weniger Staat, mehr Eigenverantwortung. Private Initiativen müssen entschieden gefördert werden.“ Der ehemalige Vorsitzende der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide GmbH gehörte mit dem Bürgermeister der polnischen Partnerstadt Krosno, Andrzej Chinalski, zu den Ehrengästen des Empfangs.
Im RUNDSCHAU-Gespräch verwies Dr. Dehmel auf die hohe Leistungsbereitschaft der Bürger, was sich in diesem Jahr eindrucksvoll während und nach der Flutkatastrophe zeigte. „Man muss sie nur lassen“ , so der heute in Lemförde lebende Pensinär. Er lebt vor, wie durch gegenseitige Unterstützung Menschen beruflich voran gebracht werden. Die nach ihm benannte Dehmel-Stiftung, dessen Vorsitzender er ist, vergibt Stipendien an Personen, die ihren Wohnsitz in der Lausitz haben. Hilfen gibt es u. a. auch für den Erwerb von Lern- und Arbeitsmitteln. Claudia Hein war die erste, die in den Genuss eines Stipendiums kam. Ihre Eltern dankten beim Neujahrsempfang dem Stiftungsgründer für sein Engagement. Claudia möchte in Spanien Mathematik studieren. Dr. Dehmel sicherte private Unterstützung zu.
Gut nachvollziehen konnte der ehemalige Schwarzheider BASF-Chef in einem Gespräch mit dem Unternehmer Hans-Jürgen Friedrich von der KSS Bau GmbH die Feststellung zur oft geäußerten Forderung nach mehr Kreativität. Friedrichs Erfahrung: „Man muss Kreativität im Unternehmen zum größten Teil dafür verwenden, um den Preisverfall zu kompensieren.“