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| 01:08 Uhr

Größter Eimerkettenbagger der Welt im Greifenhainer Tagebau

Greifenhain.. Mehrere Firmen der Braunkohlenindustrie sind 1935 im Senftenberger Braunkohlerevier angesiedelt. Herbert Krüger

Die Wirtschaftlichkeit steht bei der Förderung der Braunkohle und bei der Brikettierung im Vordergrund, um gegenüber anderen Brennstoffen mit höherem Heizwert (Steinkohle, Öl) wettbewerbsfähig zu bleiben. Längst war der Tiefbau durch den Tagebau verdrängt, mussten die Abbaumengen von Jahr zu Jahr gesteigert werden.
Vor dieser Situation stand auch Anfang der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts die Firma Anhaltische Kohlenwerke (Mariengrube) Senftenberg/Niederlausitz mit dem Tagebau Marie III (Senftenberger Stadtgrube), aus dem die Brikettfabriken Marie I (Reppist) und Marie II (Großräschen) beliefert wurden.
Als planmäßiger Ersatz wurde 1935 der Tagebau Greifenhain, östlich von Senftenberg, mit ersten Erdarbeiten aufgeschlossen. Damals glaubte niemand, dass er 1994 ins „Koma“ gelegt werden würde.
Gehen wir gedanklich wieder zurück ins Jahr 1936. Das Hauptaufschlussgerät, den damals größten Eimerkettenbagger der Welt, hatte die Firma Krupp konstruiert und gebaut. Der Probebetrieb des D 1400 (D - Doppeltor, 1400 - Eimerinhalt) begann 1936. Er legte unter einer Deckschicht (Abraum) von 38 Metern senkrecht gemessener Tiefe ein Braunkohlenflöz von etwa zehn bis zwölf Metern Höhe frei. Die tägliche Förderleistung betrug etwa 36 000 Kubikmeter Abraum.
Das Gerät bestand aus zwei Hauptteilen, dem Bagger und der Beladevorrichtung. Die Haupteimerleitung hatte eine Länge von 64,5 Meter. Zusätzlich besaß er eine sechs Meter lange Hochbaggerleiter zur Planierung der Arbeitsebene (Gleisanlage), die achtern angebaut war.Der Bagger stützte sich auf 16 Drehgestelle mit je acht Rädern, von denen 40 durch Elektromotoren angetrieben wurden. Die Betriebsspannung betrug 6 000 Volt Drehstrom, die erforderliche Leistung 1850 kW (2500 PS).
Der Abraum wurde über Aufgabe-, Zwischen- und Beladebänder in zwei Abraumzüge geschüttet. In einer sorgfältig durchdachten Folge von Förder- und Ladebewegungen wurde das Fördergut auf den Bändern in den Wagen der Abraumzüge gleichmäßig verteilt. Die Anordnung der Anlage, ihrer Hilfseinrichtungen und der Gleisanlage ermöglichte ununterbrochen ein rasches und betriebssicheres Arbeiten.
Sowohl das Gerüst des Baggers als auch die Beladevorrichtung waren als Portale von 17 Meter Spannweite ausgebildet. Durch die Portale fuhren die Abraumzüge. Die elektrischen Lokomotiven wurden während der Beladezeit vom Bandführer gesteuert. Hier wurde erstmalig die Zugverholung angewandt.
Der Abraum wurde im Zugbetrieb mit 75-Tonnen-E-Loks in 25-Kubikmeter-Wagen zur Verstürzung über eine Pflugkippe auf die Ilmersdorfer Hochhalde, nördlich der Straße Drebkau-Casel, transportiert.
Für die aus dem Tagebau gewonnene Rohbraunkohle wurde 1937 eine 17 Kilometer lange Normalspur Bahnanlage von Greifenhain bis zur Brikettfabrik Marie II (ab 1948 „Aufstieg“ ) Großräschen verlegt. Zuerst fuhren Dieselloks mit 60-Tonnen-Sattelboden- und 55-Tonnen-Talbod-Wagen die Kohle zur Brikettfabrik. 1938 war die Elektrifizierung der Kohlebahn abgeschlossen. Nunmehr erfolgte der Transport mit 72- bzw. 36-Tonnen-E-Loks. Später wurden weitere Brikettfabriken und Kraftwerke beliefert.Der Braunkohlenbergbau hat in der Lausitz eine lange Tradition. Für den Tagebau Greifenhain und die dort Beschäftigten wurde durch die 1994 erfolgte Stilllegung eine 60-jährige bergbauliche Tätigkeit beendet. Doch das Traditionsbewusstsein der Bergleute lebt fort. Sie werden in diesem Jahr mit Stolz und einer Portion Wehmut auf ihre jahrzehntelange Bergbautätigkeit zurückblicken.