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| 15:51 Uhr

Brandheißer Alarm in Lipsa
Gnadenfrist für Lipsas Ortswehr läuft

Lipsa. Schließung des Feuerwehr-Standortes in letzter Minute am Dienstagabend unter Beifall abgewendet. Das Machtwort ist aber nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Am 25. September kommen alle Karten auf den Tisch. Von Andrea Budich

Wie stark die Feuerwehr in Lipsa verwurzelt ist, welchen Rückhalt die 26 aktiven Jungs im 200-Seelen-Heimatort haben - das war lange nicht mehr so nachdrücklich zu spüren wie am Dienstagabend zum Sitzungsbeginn des Amtsausschusses Ruhland im Gerätehaus Hermsdorf. Der Alarm bei der Feuerwehr hat die Dorfbewohner zur besten Abendbrotzeit auf die Beine gebracht. Die Ankündigung, dass die Ortswehr geschlossen werden soll, hat in Lipsa, aber auch im ganzen Amt Ruhland einen Flächenbrand ausgelöst. Einen, der für ziemlich viel Rauch sorgt. Zur alles entscheidenden Amtsausschuss-Sitzung strömen daher Menschen mit und ohne Uniform aus allen Himmelsrichtungen herbei. Im Versammlungsraum unterm Dach werden die Stühle rar.

Das Zusammenrücken ist an diesem Abend nicht nur aufgrund der räumlichen Enge zu spüren. Die Kameraden aus den unterschiedlichen Ortswehren sind eins. Der Zusammenhalt der Amtswehr drückt sich nicht zuletzt darin aus, dass die Wehren aus Jannowitz, Arnsdorf, Ruhland, Hohenbocka und Hermsdorf in Mannschaftsstärke anrücken, obwohl es einzig und allein um die Ortswehr Lipsa geht. Es brennt in der Ruhlander Amtswehr.

Der ganz große Löschangriff ist dann aber nicht nötig, weil der Aufreger-Beschluss auf Antrag des Finanzausschuss-Vorsitzenden Roland Schmidt (Bürgermeister aus Hohenbocka) von der Tagesordnung genommen wird. Die Entscheidung zum Fortbestand der Lipsaer Ortswehr wird vertagt auf den 25. September.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das ist Ortswehrführer Markus Trentzsch klar. In den anstehenden Gesprächsrunden will er mit Fakten überzeugen und damit für den Fortbestand der Lispaer Wehr eine überzeugende Grundlage schaffen. Warum seine Wehr auf Biegen und Brechen abgeschafft werden soll, kann er ohnehin nicht verstehen. Denn seine junge Mannschaft ist motiviert, hält trotz aller Querelen zur Stange und hat im letzten Jahr ausbildungstechnisch einen großen Sprung nach vorn gemacht. Fünf Kameraden haben die Truppmann-Ausbildung inzwischen abgeschlossen. Damit hat die Lipsaer Wehr insgesamt acht Truppmänner. Zwei Kameraden haben zudem die Truppführer-Ausbildung absolviert, die Abschlussprüfung dazu wird im September nachgeholt. Weitere vier Männer gehen gleichfalls ab September zur nächsten Truppmann-Ausbildung. Um noch einsatzfähiger zu werden und möglichst schnell wieder in die Ausrückordnung des Amtes zu kommen, haben sich die Lipsaer bereits für Funker-, Atemschutz- und Maschinisten-Qualifikationen für 2019 eingetragen. „Als Unterstützerwehr für die Ortswehr Hermsdorf sind wir eine schlagkräftige Truppe“, zeigt sich Markus Trentzsch überzeugt.

Die Wehr zu schließen ist für den Ortswehrführer keine Option. Denn im Notfall braucht das Dorf für den Erstangriff die eigenen Männer.  Ob seine Argumente bei den Mitgliedern des Amtsausschusses Gehör finden, wird sich im September zeigen. Für Amtsdirektor Roland Adler steht indes fest, dass es sich zwar um einen großen Einschnitt handelt, das Amt aber nicht einfach so weiter wirtschaften könne wie bisher. Fakt sei, dass die derzeit nicht einsatzbereite Lipsaer Wehr dem Amt genauso viel Geld koste, wie die einsatzbereiten Wehren in den Nachbardörfern.