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Ehrenamt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Glücksmomente mit Schöpfkellen serviert

Viele Dinge des Alltags meistern Roswitha und Jürgen Noack gemeinsam. So engagiert sich das Paar aus Lauchhammer-Ost seit rund zwei Jahrzehnten im Seniorenclub Kostebrau aber auch bei den anfallenden Arbeiten im Reihenhaus. So etwa beim Zusammentragen von Brennholz für den Kaminofen.
Viele Dinge des Alltags meistern Roswitha und Jürgen Noack gemeinsam. So engagiert sich das Paar aus Lauchhammer-Ost seit rund zwei Jahrzehnten im Seniorenclub Kostebrau aber auch bei den anfallenden Arbeiten im Reihenhaus. So etwa beim Zusammentragen von Brennholz für den Kaminofen. FOTO: Uwe Hegewald
Lauchhammer. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Roswitha Noack (Lauchhammer/Kostebrau). Von Uwe Hegewald

Gespannt warten die Mitglieder des Seniorenclubs Kostebrau darauf, ihr teilweise aufgepepptes Clubgebäude in Augenschein zu nehmen. In den zurückliegenden Wochen wurde tüchtig gewerkelt, um für Mittwoch, 7. Februar, alles schick zu haben

 Traditionell geht es an jedem ersten Mittwoch des Monats gesellig zu. Geburtstagkinder oder Jubilare geben einen aus oder verwöhnen Gratulanten mit Kulinarischem. „Eine gute Küche ist das Fundament allen Glücks“, befand einst Georges Auguste Escoffier (1846-1935). Roswitha Noack würde das Zitat des französischen Meisterkochs mit Weltruhm sofort unterschreiben. Sie ist „Chefköchin“ im Club und aus dessen Küche nicht mehr wegzudenken. Seit rund 20 Jahren schwingt sie dort mit zuverlässigen Helferinnen die Kochlöffel, bringt sich bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen ein und sorgt so für die Bereicherung des Vereinslebens.

Am Tag des Ehrenamtes erfuhr auch ihre Biografie eine Bereicherung. „Mein Mann hatte mir kurz mitgeteilt, dass wir an einer Auszeichnungsveranstaltung in Senftenberg teilnehmen und ich mir etwas Festliches anziehen soll“, erzählt sie zurückblickend. Was Roswitha Noack nicht wusste: Nicht ihr Mann und engagierter Clubchef Jürgen sollte zur Ehrung vortreten, sondern sie selbst. „Ich war völlig von den Socken, lief puterrot an und brachte kein Wort über die Lippen. Selbst dem Landrat war mein Zittern aufgefallen“, erzählt sie. Der Hinweis, dass die geladenen Gäste nicht hingerichtet, sondern für ihr langjähriges Wirken geehrt werden, sorgte schließlich allseits für Entspannung.

Im Kostebrauer Seniorenclub besteht kein Zweifel, dass es mit Roswitha Noack bei der Auszeichnung die Richtige erwischt hat. Ihre Kochkünste gelten als legendär und heilsam, lässt gutes Essen doch bekanntlich Sorgen vergessen. Als leitende Genusshandwerkerin weiß sie Nerv und Geschmack ihrer Clubmitglieder zu treffen. „Die Soljanka ist noch handgemacht, mit Letscho, Jagdwurst und nicht aus den Resten des Mittagstisches vom Vortag“, schwärmt Ehemann Jürgen, dem ein bedeutender Part zukommt. Er steuert den Privat-Pkw, um die Zutaten, fertige Gerichte und die Chefköchin dorthin zu bringen, wo alles benötigt wird.

Erwähnenswert ist: Das seit 55 Jahren verheiratete Paar lebt in Lauchhammer-Ost und nicht in Kostebrau, wohin jedoch familiäre Bindungen bestehen. Kennengelernt haben sich die aus Tröbitz (Elbe-Elster) stammende Roswitha und Jürgen Noack (ehemals Berg­heide) auf Arbeit. Sie arbeitete als Fleischfachverkäuferin, er als Warenlieferant. „Gefunkt“ habe es am früheren Sallgaster See. „Es hat aber auch eine Weile gedauert, sie nach Feierabend zum gemeinsamen Badengehen zu überreden“, räumt Jürgen Noack mit einem Augenzwinkern ein.

Den Job als Fleischfachverkäuferin habe sie jederzeit gerne gemacht. „Bestandteil der Ausbildung war auch die Weiterverarbeitung von Fleisch – und Wurstwaren. Uns wurde schon damals vermittelt, welches Fleisch in die Pfanne darf oder besser in den Kochtopf kommt“, erzählt sie. In den klassischen Lausitzer Kartoffelsalat gehöre zum Beispiel Fleischsalat, der dem Produkt erst den richtigen Pfiff verleihe.

Speisen für einen Club zuzubereiten, gilt als ambitioniert. Bei größeren oder gemeinsamen Veranstaltungen mit den Leuten aus der Sozialhilfe-Einrichtung am Wiesengrund kann es schon mal passieren, dass 120 Portionen benötigt werden. „Ohne Unterstützung wäre das nicht zu stemmen“, stellt Roswitha Noack klar. Die Leute wüssten den Arbeitsaufwand zu schätzen und entrichten ihren Unkostenbeitrag anstandslos – wie es die reifere Generation noch gelernt hat.

Wie die Noacks sagen, gibt es aber auch Clubmitglieder, die einen erhöhten Obolus in die Kasse legen. So etwa die ehemalige Lehrerin Barbara Konczak, die dazu animiert, das Geld zur Beköstigung des ständigen Helferstabes an der Küchen-, Bauarbeiter- oder Reinigungsfront zu verwenden. Zuwendungen werden generell entgegengenommen oder Überschüsse aus Veranstaltungen an den Verein „Lebenswertes Kostebrau“ weitergeleitet. Der Grund ist im Jahr 2021 zu finden, wenn Kostebrau seine erste urkundliche Erwähnung vor 600 Jahren feiert und der ortsansässige Seniorenclub sein 30-jähriges Bestehen. Wie und in welcher Form die Feiernden von Roswitha Noack beköstigt werden, kann heute noch nicht gesagt werden. Dass sie es aber drauf hat, steht außer Frage.