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Glückliches Gänseleben in Biehlen

Viel Auslauf, frisches Gras und der Binnengraben machen das Biehlener Gänseglück komplett. Gänse-Liesel Kerstin Marschka kümmert sich um das Federvieh.
Viel Auslauf, frisches Gras und der Binnengraben machen das Biehlener Gänseglück komplett. Gänse-Liesel Kerstin Marschka kümmert sich um das Federvieh. FOTO: Rasche/str1
Biehlen. Die Gänsebraten-Saison läuft im Dorf schon wieder auf Hochtouren. Denn am Binnengraben marschieren 700 Weihnachtsbraten zackig im Gänsemarsch vorbei. Andrea Budich

Biehlens Gänsevolk steht 89 Tage vor dem Fest gut im Futter. "Bei uns leben die Gänse glücklich bis zum letzten Tag", sagt Gänse-Liesel Kerstin Marschka. Sie muss es wissen. Als zarte zitronengelbe Federbällchen im Juni als 1-Tages-Gössel in Empfang genommen, päppelt sie das Biehlener Gänsevolk vom Küken bis zum Weihnachtsbraten auf.

Dreieinhalb Kilogramm haben Auguste & Co jetzt schon auf den Knochen. Vom Gewicht her ist das Dittmarsche Federvieh schon fast fertig ausgewachsen. Was aber in den kommenden Wochen noch ausreifen soll, ist die Fleischqualität. Wenig Fett und gut gewachsenes festes Fleisch mit wenig Wassereinlagerungen sind das Markenzeichen der Biehlener Gänse. "Mit viel Auslauf über den ganzen Tag und regelmäßigem Schwimmen im Binnengraben bekommen wir das noch gut hin", sagt Kerstin Marschka.

Mit ihrer Kollegin Annette Ritter kümmert sie sich darum, dass die Gänse natürlich aufwachsen können. "Wir sind kein Biobetrieb, aber die Wiesen, auf denen die Gänse tagsüber das Gras zupfen, sind nicht gedüngt. Und wir setzen keine Antibiotika ein", unterstreicht Christine Berger vom Vorstand der Agrargenossenschaft Elsterland-Biehlen, worin das Erfolgsgeheimnis liegt. Zum glücklichen Biehlener Gänseleben gehören viel Auslauf, frisches Gras, Heu, Weizen und die Bademöglichkeit im Binnengraben.

Die ersten Festtagsbraten sind inzwischen schon vorbestellt von Käufern bis aus Dresden und Berlin. Seit drei Wochen ist Christine Berger schon wieder fest im Weihnachts-Modus. Ihr Telefon bimmelt ständig und sie gibt für jede bestellte Gans ganz akurat eine Nummer aus.

Wenngleich die küchenfertige Frischgans der Favorit bleibt, steigt von Jahr zu Jahr die Nachfrage nach fix und fertig knusprig goldbraun gebratenen Gänsen samt Soße, Rotkraut und Klößen. Der Biehlener Bratservice ist ein neuer Trend, der immer mehr Liebhaber findet.

Die Gänsemast, die Anfang der 1990er-Jahre Einzug gehalten hat ins Dorf, ist für die Agrargenossenschaft inzwischen zu einem Aushängeschild geworden. Bei den Käufern sind die Biehlener Gänse einfach nur Kult. Sie belagern am traditionellen Verkaufstag schon frühmorgens das kleine Dorf. Die Autos stehen dann Stoßstange an Stoßstange, das Warten wird mit Glühwein verkürzt, zum Probeliegen holen die Hausfrauen ihre Bräter aus dem Kofferraum. Damit der Braten auch wirklich gelingt, bekommt jeder Käufer ein Beutelchen mit Beifuß zugesteckt. Gesammelt natürlich in Biehlen.

Bis es am 21. Dezember wieder so weit ist, gehört das laute Schnattern ins Dorf. Die ersten Gänse kommen freilich schon zum Martinstag unters Messer.