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| 01:03 Uhr

Glücklich mit Kindern, die nicht pflegeleicht sind

Eine glückliche Familie. Pflegesohn Matthias (r.) hat bei den Netzkers endlich seinen inneren Frieden gefunden. Mutter Marina und Bruder Jamie-Anthony geben dem Vierjährigen ein behütetes neues Zuhause.
Eine glückliche Familie. Pflegesohn Matthias (r.) hat bei den Netzkers endlich seinen inneren Frieden gefunden. Mutter Marina und Bruder Jamie-Anthony geben dem Vierjährigen ein behütetes neues Zuhause. FOTO: Foto: Steffen Rasche
Großräschen.. Wie ein Wirbelwind prescht der vierjährige Blondschopf durch den großen Garten. Mit seinem Bruder Jamie-Anthony feuert Matthias zielsicher einige Wasserbomben ab. Zwischendurch schmiegt er sich an Marina Netzker. Die 43-Jährige ist seit acht Monaten seine Mama. Der Junge hat im großen Haus der Netzkers in Großräschen ein neues Zuhause gefunden. Eines, das ihn endlich zur Ruhe kommen lässt und das ihm Geborgenheit und Sicherheit gibt. Von Andrea Budich

Bereut hat es die dreifache Mutter nie, den Jungen in ihrer Familie aufgenommen zu haben. Obwohl es gerade am Anfang alles andere als leicht war. Sie erinnert sich noch gut, wie sie mit ihrem Mann Olaf den Kleinen mit dem Auto abholte. Blass, dünn, mit dunklen Ringen unter den Augen und einem blutig aufgekratzten Hautausschlag am ganzen Körper - so stand er mit seinen großen Augen da. Konnte weder Farben noch Tiere benennen. Auf der Fahrt im Auto habe sie nur geweint, erinnert sich die Hausfrau. In den ersten Nächten konnte sie keinen Schlaf finden. Ihre Gedanken kreisten nur um das Eine: Was ist mit dem Jungen„ Was hat er erlebt“ Wie können wir ihm helfen? Dazu kamen Vorwürfe aus der Bekanntschaft: „Ihr habt doch selbst schon genug Kinder!“

Unendlich viel Zuneigung
Die Ängste waren allgegenwärtig. Verblassten erst allmählich, als Matthias sich langsam einlebte, anfing durchzuschlafen, zunahm und auch der lästige Hautausschlag immer mehr verschwand.
Acht Monate sind seitdem vergangen. Der kleine Matthias sagt längst Mama zu Marina Netzker und ist der liebste Spielgefährte von Brüderchen Jamie-Anthony. Seine beiden großen Schwestern hat er fest im Griff. „Zu sehen, wie Matthias zur Ruhe kommt und sich entwickelt, ist für mich das Wichtigste“ , sagt die Pflegemutter. Dabei hat sie längst die Erfahrung gemacht, mit dem Pflegekind mehr Arbeit zu haben als mit den eigenen. Matthias brauchte gerade am Anfang unendlich viel Zuneigung, Nestwärme und Liebe.
Aus dem Wunsch heraus, ein Kind glücklich zu machen, stellten Marina und Olaf Netzker im Oktober 2000 den Antrag, ein Pflegekind aufnehmen zu dürfen. Am Ende hat es gut zwei Jahre gedauert, bis sie den kleinen Matthias zu sich nach Hause holten. 69 Pflegekinder werden im Oberspreewald-Lausitz-Kreis betreut. Die Kinder brauchen Hilfe, weil ihre Mütter erkrankt, ihre eigenen Familien zerrüttet sind oder ihre Eltern mit Problemen nicht fertig werden.

„Er hält uns beide jung“
Die Netzkers haben alle Anfangsprobleme gut gemeistert. „Musterkinder gibt es nicht“ , sagt Marina Netzker und meint damit die eigenen ebenso wie den Pflegesohn Matthias. Mit dieser Einstellung sind Marina und Olaf Netzker bisher gut gefahren. Das Pflegekind so anzunehmen wie es ist, möchten beide als Erfahrung an alle neuen Pflegeeltern weitergeben. Trotz der Belastungen möchte Familie Netzker Matthias nicht mehr missen.
„Er hält uns beide jung. Ich komme mir lange nicht so alt vor wie einige Freundinnen, die mit über 40 allein am Abendbrottisch sitzen“ , freut sich eine rundum zufriedene Marina Netzker.

Zum Thema Kinder suchen Pflegeeltern
  Das Jugendamt des OSL-Landkreises sucht geeignete Pflegeeltern, die Kindern ein neues Zuhause auf Zeit geben wollen.
Wer einem Kind Geborgenheit und Sicherheit in der Familie geben möchte, kann alle dazu notwendigen Infos beim zuständigen Pflegekinderdienst erhalten (Telefon: 0 35 73/36 01 34 - Frau Götze; 0 35 73/36 01 18 - Frau Kubiak).
Eingeladen wird zu einer Informationsveranstaltung am 31. Juli um 17.30 Uhr in den Raum 308 des Jugendamtes Senftenberg im Windmühlenweg 1.