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Hohenbocka Glassandtagebau
Glassandtagebau wächst um 100 Hektar

Impression vom Glassandtagebau Hohenbocka. Die Grube soll in den kommenden Jahrzehnten um fast 100 Hektar erweitert werden.
Impression vom Glassandtagebau Hohenbocka. Die Grube soll in den kommenden Jahrzehnten um fast 100 Hektar erweitert werden. FOTO: Quarzwerke GmbH
Hohenbocka. Betrieb in Hohenbocka sichert Arbeitsplätze für die nächsten vier Jahrzehnte. Von Torsten Richter-Zippack

Dass in der Lausitz Kohle in Tagebauen gefördert wird, weiß jedes Kind. Dass auch Glassand in Tagebauen abgebaut wird, ist weniger bekannt.

In Hohenbocka hat die Gewinnung des unverzichtbaren Rohstoffes für die Glasindustrie bereits vor mehr als 140 Jahren begonnen. Jetzt soll der Glassandtagebau westlich des rund 1150 zählenden Ortes erweitert werden

 Derzeit erstreckt sich das Abbaugebiet auf einer Fläche von knapp 150 Hektar. Es soll dann um fast 100 Hektar wachsen. Anders ausgedrückt: Für die Vergrößerung wird ein Areal von 140 Fußballfeldern in Anspruch genommen. Dieses Gebiet entspricht mehr als sechs Prozent des Buckschen Gemeindegebietes. Ein kleiner Teil der Erweiterung reicht in die  Stadt Senftenberg hinein.

Die reine Glassandgewinnung wird nach Angaben der Quarzwerke GmbH als Betreiberin und Investorin auf knapp 80 Hektar der Erweiterungsfläche betrieben, den Rest nehme die Halde in Anspruch. Die Wasserfläche, Bergleute sprechen vom „Gewinnungssee“, vergrößere sich von heute 45 Hektar auf später dann etwa 110 Hektar.

Die Erweiterung des Tagebaus erfolge in die westliche und nördliche Richtung. Die entsprechenden Flächen befinden sich bereits im Eigentum der Quarzwerke GmbH. Die übrigen Areale sollen angekauft werden, informiert Unternehmenssprecherin Britta Franzheim. Von der Erweiterung sei lediglich ein Weg betroffen. Vermutlich im Jahr 2030 werde der Hastweg, der durch das Betriebsgelände führt, wegfallen. Das Unternehmen wolle entweder einen Ersatzweg oder eine Verbindung über den Peickwitzer Weg anbieten.

Allerdings solle erst in acht Jahren mit der Gewinnung des Quarzsandes im Erweiterungsbereich begonnen werden. Geplant sei eine mittlere Fördermenge von rund 450 000 Tonnen pro Jahr. Somit könne der Tagebau rechnerisch über weitere 43 Jahre in Betrieb bleiben. Erst im Jahr 2067 wäre das Vorkommen erschöpft.

Gefördert werden solle der Glassand per Baggerschiff aus dem bereits bestehenden und dem sich erweiternden See. Schließlich befinde sich der größere Teil der Lagerstätte unterhalb des Grundwasserspiegels. „Ein Abpumpen des Grundwassers hätte erhebliche Auswirkungen auf das Umfeld. Außerdem wäre es nicht wirtschaftlich“, sagt Unternehmenssprecherin Franzheim weiter.

Der immer größer werdende See erreiche im nächsten halben Jahrhundert seine Endgröße. Ab etwa dem Jahr 2070, also nach dem Ende der bergbaulichen Tätigkeit, könne das Gewässer zu Naturschutzzwecken genutzt werden. Nicht weit entfernt befindet sich bereits das Naturschutzgebiet „Rohatsch“. Darüber hinaus stünde auch einem sanften Tourismus nichts im Wege, sagt Britta Franzheim.

Die Erweiterung des Tagebaus sichere nicht nur für weitere Jahrzehnte den wichtigsten Ausgangsstoff für die Glasindustrie, sondern ebenso die Arbeitsplätze des Betriebes. Am Standort Hohenbocka stehen Unternehmensangaben zufolge 20 Menschen in Lohn und Brot. Die aktuell genehmigten 3,6 Millionen Tonnen Quarzsand reichten noch rund acht Jahre.

Derzeit sind die Erweiterungspläne öffentlich für jedermann in den Amtsstuben ausgelegt, beispielsweise im Senftenberger Rathaus. Anschließend erfolge die Bewertung möglicher Einwendungen, bevor die Brandenburger Bergbehörde über den Zulassungsantrag entscheidet. „Das mag sich jetzt nach nicht viel anhören, aber so eine Erweiterung ist schon aufwendig und besteht aus vielen Aktenordnern voller Papier“, erklärt Britta Franzheim.

Der Hohenbockaer Bürgermeister Roland Schmidt bezeichnet das Vorhaben als „zweischneidiges Schwert“. „Zum einen werden viele Arbeitsplätze gesichert, zum anderen gibt es aber eine Umweltbeeinträchtigung“, erklärt das Gemeindeoberhaupt. Noch im Januar wolle er gemeinsam mit dem neuen Werkleiter Jürgen Linhart die betroffenen Flächen besichtigen. Froh ist Schmidt indes, dass durch die Grubenrweiterung die Bucksche Schweiz als Kleinod nicht tangiert werde.

Darüber hinaus wolle die Gemeinde in einer neuen Aktion gemeinsam mit dem Betrieb Jugendliche für die Ausbildung im Glassandwerk begeistern. „Eine Lehrstelle direkt vor der Haustür - besser geht es doch gar nicht“, sagt Roland Schmidt.