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| 01:41 Uhr

Glassand stehlen lohnt sich nicht

Während der Radtour wurde auch die Grabanlage der Familie von Götz bei Hohenbocka besucht. Foto: Torsten Richter/trt1
Während der Radtour wurde auch die Grabanlage der Familie von Götz bei Hohenbocka besucht. Foto: Torsten Richter/trt1 FOTO: Torsten Richter/trt1
Guteborn. Knapp 70 Naturfreunde sind am Wochenende der Einladung des Guteborner Quellenvereins zur Herbstradwanderung gefolgt. Sie erfuhren von Führer und Revierförster Harald Konzack, warum es keine Tannenzapfen auf dem Waldboden gibt, wo das Käuzchen wohnt und warum Glassand für den Privatgebrauch nichts taugt. Von Torsten Richter

Fast rein weiß sieht er ja aus, der Glassand, der am Weg von Guteborn nach Hohenbocka zu finden ist. Mancher würde sich gern damit den Autohänger vollladen, um den Weg in den Baumarkt zu sparen. Doch dieses Ansinnen lohnt sich nicht. "Zum einen ist es natürlich verboten, den Sand im Wald zu stehlen", erklärt Förster Harald Konzack den Radlern. "Und zum anderen taugt dieses Material nichts. Es ist einfach zu viel Dreck darin." So musste bereits im Zuge der industriellen Förderung der Sand vor der Weiterverarbeitung erst gewaschen werden.

Vor genau 100 Jahren begann im Raum Guteborn - Hohenbocka die Glassandgewinnung durch die Schönburg-Waldenburgische Herrschaft auf Schloss Guteborn. "Zunächst ganz primitiv mit Schippen auf Loren", erzählt Bernd Koppelt. Der Ur-Guteborner kennt die Sandgruben wie seine Westentasche. "Als Kinder haben wir dort immer gespielt. Ich erinnere mich noch gut an den Steinsandschacht." Den gibt es noch heute, allerdings unter Wasser. Die einstige Grube hat sich inzwischen zu einem kleinen See verwandelt.

Einer, der jahrzehntelang im Glassandabbau arbeitete, ist Rudolf Günther. Der 76-jährige Guteborner war nämlich, ebenso wie sein Vater Artur, als Betriebselektriker in dieser Branche tätig. "Ich habe in Werk I in Hosena gelernt. Heute steht dort das Züblin-Werk", erzählt Günther. Neben dem weißen Sand wurde unweit des heutigen Reiterhofes Hohenbocka Braunkohle gefördert. "Die fünf oder sechs Mann, die dort arbeiteten, wurden in der Bevölkerung als Kohlenrussen bezeichnet", erinnert er sich. Woher dieses Wort stammt, kann er jedoch nicht sagen.

Förster Konzack zeigte den erstaunten Radlern auch eines der ganz wenigen Vorkommen der Weißtanne in Brandenburg. Sie wächst gemeinsam mit mächtigen Buchen am Hohenbockaer Weinberg. Und der Forstmann räumt mit einem Vorurteil auf: "Tannenzapfen sind nie auf dem Waldboden zu finden. Sie zerfallen nämlich bereits am Ast".

Nur einen Steinwurf von den Buckschen Tannen entfernt, zeigt sich ein Käuzchen am helllichten Tag. Der eigentlich nachtaktive Vogel wohnt hoch in einer uralten Buche. Bald verschwindet er in seiner Höhle, denn mit so vielen neugierigen Gesichtern war wohl nicht zu rechnen.

Da das einstige Glassand-Abbaugebiet zwischen Guteborn und Hohenbocka so spannend ist, will der Quellenverein 2012 eine Wanderung in das dortige Naturschutzgebiet Rohatsch organisieren. Doch zunächst steht nach Angaben von Waltraud Zieschang ein kleines Jubiläum an: "Am 14. November 2006 wurde unser Verein gegründet. Das sind mittlerweile fünf Jahre." Wie gefeiert werden soll, ist noch offen, doch garantiert ist: "Es wird den Quellenverein mit Sicherheit auch in fünf Jahren noch geben."