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| 17:15 Uhr

Lausitzer Natur
Der Kaukasus-Import am Wegesrand ist giftig

Riesen-Bärenklau am alten Radweg zwischen der Proschimer Brücke und den Haidemühler Teichen in Richtung Bluno. Dort sind nur noch wenige Radler unterwegs.
Riesen-Bärenklau am alten Radweg zwischen der Proschimer Brücke und den Haidemühler Teichen in Richtung Bluno. Dort sind nur noch wenige Radler unterwegs. FOTO: Richter-Zippack
In der Lausitz eingewandert: Besonders Riesen-Bärenklau und Ambrosia können massive Gesundheitsschäden verursachen. Von Torsten Richter-Zippack

Am alten Radweg zwischen Proschim und Bluno gibt es eine neue Attraktion. Ganz dicht am Fahrstreifen auf dem ehemaligen Bahnkörper hart an der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen wachsen rund zwei Meter hohe Pflanzen. Die stark gefingerten Blätter und insbesondere die gewaltigen weißen Blütendolden verlangen einen gewissen Respekt ab. Es handelt sich um Exemplare des Riesen-Bärenklaus (Heracleum mantegazzianum), einem Gewächs, das ursprünglich aus den Bergen des Kaukasus kommt. Im späten 19. Jahrhundert wurde es als Zierpflanze in Europa angebaut, im 20. Jahrhundert sogar besonders gefördert. Die Imker versprachen sich wegen der reichhaltigen Blüten eine besonders gute Ernte. Allerdings haben Fachleute längst erkannt, welche Gefahren von diesem Gewächs ausgehen.

Denn der Riesen-Bärenklau ist stark giftig. Er enthält Furocumarine, kompliziert aufgebaute chemische Verbindungen, die beim Menschen massive gesundheitliche Probleme verursachen können. In Verbindung mit Sonnenlicht sind bei Hautkontakt starker Juckreiz und weitere Reizungen möglich. Nach Angaben des Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) in Frankfurt (Oder) sind sogar sehr schmerzhafte blasige Geschwüre nicht ausgeschlossen.

Kurioserweise, so ist aus dem Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen zu erfahren, sind Furocumarine auch in einer ganzen Reihe von Lebensmitteln enthalten. Dazu zählen laut Sprecher Peter Stange Mohrrüben, Pastinaken, Sellerie und Petersilie, ebenso diverse Zitruspflanzen. „Nach ersten Hinweisen könnte eine überhöhte Zufuhr von Furocumarinen über die Nahrung ferner das Hautkrebsrisiko erhöhen“, sagt Peter Stange.

Zunehmend häufiger treffen bei der Bautzener Naturschutzbehörde Meldungen über Funde von Riesen-Bärenklau ein. Aber: „Tendenzen über eine ansteigende Ausbreitung dieser Art sollte daraus noch nicht abgeleitet werden“, warnt Peter Stange. Denn die Häufigkeit der Funde könne auch auf das wachsende öffentliche Interesse und das damit verbundene erhöhte Anzeigeaufkommen zurückzuführen sein.

Im Landkreis Görlitz werden derzeit indes keine Erfassungen des Riesen-Bärenklaus durchgeführt, erklärt Sprecherin Julia Bjar. „Verantwortlich sind die jeweiligen Grundstückseigentümer und gegebenenfalls die Gemeinden.“ Darüber hinaus erfasse das Gesundheitsamt keine Fälle von allergischen Reaktionen beziehungsweise Vergiftungen durch den Riesen-Bärenklau, da es sich um keine meldepflichtigen Krankheiten handele.

Im Land Brandenburg bildet der Landkreis Märkisch-Oderland einen Schwerpunkt dieser Art. Besonders um die Orte Steinhöfel und Heinersdorf bei Frankfurt/Oder gibt es größere Vorkommen. Nach Angaben von Jens Zimmer vom Landesamt sind in diesem Jahr von seiner Behörde drei bis vier Ausnahmegenehmigungen für die chemische Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus außerhalb landwirtschaftlich genutzter Flächen gestellt worden. Das entspreche dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Problematisch werde es allerdings, wenn die Art an Wasserläufen vorkomme. Dann müsse mindestens ein Meter Abstand bei der Bekämpfung eingehalten werden. „Da geht der Gewässerschutz vor“, stellt Zimmer klar.

Keine größeren Vorkommen des kaukasischen Einwanderes gibt es nach Kenntnis der Naturschutzbehörde im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Auch Vergiftungen sind der  Behörde nicht bekannt, sagt Kreissprecher Stephan Hornak. Dafür bildet der Landkreis eine Hochburg bei den Ambrosia-Beständen. Das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) gehört ebenso wie der Riesen-Bärenklau zu den invasiven Arten, Wissenschaftler sprechen von Neophyten. Darüber hinaus kann Ambrosia, die aus Nordamerika stammt und Mitte des 19. Jahrhunderts ohne Absicht nach Europa eingeführt worden war, ebenfalls für massive gesundheitliche Probleme sorgen, beispielsweise heftige Allergien auslösen. Schwerpunkte im Kreis sind bereits seit Jahren neben Vetschau auch Lübbenau und Calau. Lausitzer Ambrosien-Hauptstadt ist indes Drebkau im benachbarten Spree-Neiße-Kreis. Bürger können größere Pflanzenbestände bei den örtlichen Ordnungsämtern melden. Inzwischen bietet die Stadt Vetschau auf ihrer Internetseite Informationen über Ambrosia an. Allerdings gibt es laut Landkreis bundesweit keine Melde- oder Beseitigungspflicht. Verantwortlich ist immer der jeweilige Grundstückseigentümer. Zur Bekämpfung werden chemische und mechanische Mittel empfohlen. Wichtig ist dabei der Gesundheitsschutz der Arbeiter.

Ganz ähnlich verhält es sich beim Riesen-Bärenklau. Die Entfernung der Pflanzen sollte darüber hinaus nur an trüben Tagen oder in der Dämmerung im Ganzkörperschutzanzug vorgenommen werden. Wenn die Gewächse blühen, ist stets eine Feinstaubmaske anzuraten, um die Inhalation von Poren zu verhindern. „Nicht blühende oberirdische Sprossabschnitte und Blätter können in die Mülltonne gegeben oder nach Trocknung kompostiert werden“, rät Peter Stange vom Landkreis Bautzen. Blühende oder fruchtene Pflanzenteile, sowohl des Riesen-Bärenklaus als auch der Ambrosia, sollten, abgeschlossen in einer Plastiktüte, grundsätzlich mit dem Hausmüll entsorgt werden. Am besten sei es, die Pflanzen im Frühjahr auszugraben, wenn sie 20 Zentimeter Höhe noch nicht überschritten haben.

Und Peter Stange sagt: „Zur konsequenten Eindämmung von Riesen-Bärenklau und Ambrosia ist die Mithilfe der Bürger unverzichtbar.“