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| 02:44 Uhr

Gießerei Lauchhammer verewigt Oliver Kahn in Bronze

Die Bronzeplatte mit den Handabdrücken und der Unterschrift von Oliver Kahn, einst Torhüter beim FC Bayern München, schmückt den Walk of Fame der DFB-Fußballpokalhelden im Berliner Olympiastadion. Gegossen wurde die schwere Tafel in Lauchhammer.
Die Bronzeplatte mit den Handabdrücken und der Unterschrift von Oliver Kahn, einst Torhüter beim FC Bayern München, schmückt den Walk of Fame der DFB-Fußballpokalhelden im Berliner Olympiastadion. Gegossen wurde die schwere Tafel in Lauchhammer. FOTO: firo sportphoto GbR/Volkswagen
Lauchhammer. Das Geschäftsjahr 2015 ist in der 3A Kunstguss Lauchhammer GmbH nicht ganz so gut gelaufen wie 2014. Der Umsatz lag unter einer Million Euro. Diese Marke soll in diesem Jahr jedoch wieder übersprungen werden. Manfred Feller

Das anfängliche Hin und Her nach dem Eigentümerwechsel vor vier Jahren tat der 3A Kunstguss Lauchhammer GmbH nicht in jedem Fall gut. Personelle Veränderungen gingen mit Verlagerungen der Schwerpunkte bei den Geschäftsfeldern (weniger Glocke, mehr Kunstguss) einher. Inzwischen hat der Glockenguss wieder eine größere Bedeutung erlangt.

Verlorene Kunden werden zurückgeholt, neue hinzugewonnen. "Wir wissen, in welchen Bereichen wir nachlegen können", schaut Geschäftsführer Maxim Engelmann zuversichtlich auf die nächsten zwölf Monate. Der Kunstgussanteil am Geschäftsvolumen soll stabil bei etwa 50 Prozent bleiben. Der Glockenguss wurde im Vorjahr wieder auf 35 Prozent gesteigert. Die restlichen 15 Prozent steuert der Sandguss bei.

Die 3A Gunstguss GmbH zählt nur noch 17 Mitarbeiter. Gesucht werde derzeit ein Glockengießer. Ob Fachmann, Auszubildender, Umschüler oder Quereinsteiger sei egal.

Kunstguss. Eine Augenweide ist der Nachguss der "Bogenspannerin" des Bildhauers Ferdinand Lepcke (1866 bis 1909). Die 2,20 Meter große und etwa 200 Kilogramm schwere Plastik wird in einem italienischen Privatpark aufgestellt. Die wohlgeformte Bronzedame in sportlicher Pose ist für den freien Verkauf ein weiteres Mal nachgegossen worden. Das Original befindet sich im polnischen Bydgoszcz, Nachgüsse stehen unter anderem in Lepckes Geburtsstadt Coburg, in Heringsdorf auf der Insel Usedom und an der Alten Nationalgalerie in Berlin.

Auftraggeber für den Kunstguss beziehungsweise für Restaurationen von Plastiken sind neben Privatpersonen vor allem Kommunen.

Um Aufträge zu akquirieren, sucht die Lauchhammeraner Manufaktur mit jahrhundertelanger Tradition immer wieder den Kontakt zu jungen und etablierten Künstlern. So wird an den seit Jahren bestehenden Beziehungen zur Kunsthochschule Halle, Burg Giebichenstein, festgehalten. Angehende Bildhauer nutzen die Möglichkeiten, die Lauchhammer mit dem Kunstguss bietet. Im Gegenzug haben die Mentoren die Hoffnung, dass die Künstler eines Tages größere Skulpturen bei ihnen in Lauchhammer gießen lassen.

Russischer Bildhauer im Fokus

Die Lauchhammeraner schauen aber noch ein ganzes Stück weiter. "Wir haben den Moskauer Markt im Fokus und arbeiten mit dem bekannten russischen Bildhauer Dashi Namdakov zusammen", sagt Maxim Engelmann. "Er ist ein Meister der Großplastiken", schwärmt der Geschäftsführer von dessen Arbeiten. Diese bis zu elf Meter großen und sehenswerten Werke stünden mittlerweile in vielen Ländern. "Technisch gesehen können wir in Lauchhammer alle seine Plastiken herstellen", ist der 34-jährige Chef von der Handwerkskunst seiner Mitarbeiter überzeugt. Kleinere Aufträge habe die Gießerei für den namhaften, jedoch in Deutschland noch nicht so bekannten Bildhauer bereits zu dessen Zufriedenheit erfüllt.

Bis zu einem erhofften Großauftrag dürfen es gern auch kleinere Arbeiten sein. Dazu gehören das Anfertigen von kleineren Plastiken für eine Galerie in Leipzig und die ansehnliche Serie einer Gießerplastik für das Stahlwerk Riesa.

Im Rennen seien die Lauchhammeraner um zwei ganz interessante Aufträge für dieses Jahr: Einer der bekanntesten, großen Brunnen in Berlin soll restauriert werden. Dieser Auftrag war bereits im Jahre 1968 nach Lauchhammer gegangen. Gelingt dies erneut? Maxim Engelmann wirft die gesamte Kompetenz der Traditionsgießerei in das Bieterrennen.

Eisenguss für Münchener Hotel

Ein 5-Sterne-Hotel in München soll eine ganze Anzahl von Fassadenteilen aus Eisenguss erhalten. "In diesem Segment sind wir zumindest in Deutschland unschlagbar", so Engelmann. Kein Wunder: Im Gegensatz zum Bronzeguss gebe es nicht mehr viele Mitbewerber.

Glockenguss. Nicht von der Anzahl, jedoch von der Masse her sei der Glockenguss im Vorjahr besser gelaufen als 2014. Insgesamt haben 19 Glocken mit einem Gesamtgewicht von 15,5 Tonnen die Manufaktur verlassen. Allein das im November und Dezember gegossene Dreiergeläut für die Barlachstadt Güstrow bringt fünfeinhalb Tonnen auf die Waage. Darunter war mit drei Tonnen die bislang schwerste in Lauchhammer gegossene Glocke seit der Wiederaufnahme dieser Gussart im Jahr 1994.

Der Glockenguss soll weiter forciert werden. Die notwendigen Investitionen für Güsse von bis zu vier Tonnen seien erfolgt. Um potenzielle entfernte Kunden anzusprechen, wolle sich die Gießerei auch in englischer Sprache präsentieren. Etwa die Hälfte der Aufrufe im Internet komme bereits aus dem Ausland. Aufträge habe dies jedoch noch keine gebracht.

Sandguss. Gut nachgefragt sei die Gießerei Lauchhammer 2015 beim Sandguss gewesen. Dazu gehören Plaketten, Reliefs und Schriftplatten. Ein interessanter Auftrag kann im Berliner Olympiastadion betrachtet werden. Auf dem im Mai 2014 eingeweihten Walk of Fame der deutschen Fußballhelden aus 70 Jahren DFB-Pokalgeschichte liegt auch die Bronzeplatte mit den Handabdrücken und der Unterschrift von Oliver Kahn, dem legendären Bayern-Torhüter.

Es ist dies die erste Bronzetafel für die Heldenstraße, die an die Lauchhammeraner Gießerei vergeben worden war. Die betreuende Berliner Agentur im Auftrag der Volkswagen-Sportvermarktung als eine der Walk of Fame-Initiatoren zeigt sich sehr zufrieden mit der Arbeit. Auch der Pokalheld Kevin De Bruyne soll in Lauchhammer in Bronze verewigt werden. Bereits geehrte Pokalhelden sind unter anderem Arjen Robben, Günther Netzer, Frank Rost, Hans Meyer, Klaus Allofs und Carsten Jancker.