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| 16:00 Uhr

Fitnessstudios im Seenland
Gesundheitstempel statt Mucki-Bude

Seit anderthalb Jahren besucht Henning Schmidtchen (53, Großräschen) den Gesundheitsbahnhof mehrmals in der Woche.
Seit anderthalb Jahren besucht Henning Schmidtchen (53, Großräschen) den Gesundheitsbahnhof mehrmals in der Woche. FOTO: Josephine Japke / LR
Großräschen. Neues Jahr - neue Vorsätze. Ganz oben auf der Liste: Sport treiben. Das Merken auch die Fitnessstudio-Betreiber rund um Senftenberg. Von Josephine Japke

Für jeden gut sichtbar stehen große, gläserne Vasen gefüllt mit kleinen, orangenen Tischtennisbällen mitten im Raum. Darauf stehen Zahlen - Fünf, 15, 25 Kilogramm - und markieren den Gewichtsverlust der Mitglieder im Gesundheitsbahnhof Großräschen. Ganz einfache Psychologie, denn die Bälle bedeuten Erfolg und Motivation zugleich.

Für Stephan Huber sind diese beiden Faktoren der Stoff, aus dem der Besuch im Fitnessstudio gemacht ist. „Es gibt zwei Arten Motivation: Wenn Menschen zum Beispiel beim Abnehmen Erfolg haben und ihre Liebsten das anerkennen und bewundern, dann bleiben sie am Ball, weil sie mehr von diesem guten Gefühl haben möchten“, erklärt er. Das Gegenstück entsteht allerdings, sobald sie in eine unangenehme Situation geraten. Wenn der Knopf an der Hose wegfliegt oder liebe Menschen sie auf ihr Gewicht ansprechen. „Daraus entstehen Scham und anschließend der Wunsch etwas zu ändern“, erklärt der Inhaber und Geschäftsführer des Gesundheitsbahnhofes.

Zur Motivation kann jeder Freizeitsportler im Großräschener Gesundheitsbahnhof seinen Namen und seinen aktuellen Gewichtsverlust auf die Tischtennisbälle schreiben und in die Vasen schmeißen.
Zur Motivation kann jeder Freizeitsportler im Großräschener Gesundheitsbahnhof seinen Namen und seinen aktuellen Gewichtsverlust auf die Tischtennisbälle schreiben und in die Vasen schmeißen. FOTO: Josephine Japke / LR

Sportliche Vorsätze und Wünsche haben vor allem in der Silvesternacht Hochkonjunktur. Erkennbar ist das auch in den steigenden Mitgliederzahlen im Januar, von denen nicht nur Stephan Huber, sondern auch Rainer Kappert berichtet. „Ab der zweiten Januar-Woche steigen die Neuanmeldungen im Fitnessstudio. Etwa 80 Prozent der Menschen bleiben tatsächlich auch das ganze Jahr über dabei“, sagt der Geschäftsführer von Sakura-Fitness in Senftenberg.

Ähnlich sieht das auch im Sano Gesundheitsstudio in Schwarzheide aus. „Ab der zweiten Januar-Hälfte, vermehrt auch im Februar, kommen Leute zu uns, bei denen Sport ganz oben auf der Liste steht“, erklärt Sano-Studioleiter Mirko Fünfstück. Ihr Hauptziel: Abnehmen – am besten ganz viel und so schnell wie möglich. Realistisch ist das allerdings nicht. „Wer mindestens zweimal in der Woche zum Sport kommt und seine Ernährung umstellt, der kann im Monat zwei Kilo abnehmen“, erklärt Stephan Huber. Wem das zu wenig ist oder zu lange dauert, der müsse sich von ihm die Frage gefallen lassen, wie lange er brauchte, um sein aktuelles Gewicht zu erreichen.

„Schlussendlich müssen wir uns alle auch fit und gesund halten, um arbeiten gehen zu können und Geld zu verdienen“, meint Stephan Huber. Immer mehr Menschen teilen seine Meinung und besuchen das Fitnessstudio. Auch für die Zukunft rechnet er mit noch mehr Sport-Anbietern und Nutzern. „Wir bewegen uns im Alltag immer weniger, weil alles nur einen Klick entfernt ist. Den Leuten wird bewusst, dass ihnen etwas fehlt, also machen sie Sport“, erklärt Stephan Huber.

Knapp elf Millionen Mitglieder haben Fitnessstudios deutschlandweit, Tendenz steigend. Zum Vergleich: Sieben Millionen sind es beim Deutschen Fußball-Bund.

Stephan Huber ist Geschäftsführer und Inhaber des Gesundheitsbahnhofes Großräschen. Er kennt jeden seiner Kunden persönlich und beobachtet ihren Werdegang.
Stephan Huber ist Geschäftsführer und Inhaber des Gesundheitsbahnhofes Großräschen. Er kennt jeden seiner Kunden persönlich und beobachtet ihren Werdegang. FOTO: Josephine Japke / LR

Auch bei Sakura steigen die Mitgliederzahlen kontinuierlich an. „Es kommen nicht nur junge Menschen zu uns, sondern auch die ältere Generation ab 50, einige sind sogar 70 oder 80 Jahre alt“, sagt Rainer Kappert. Für ihn kein Wunder, denn was bringt eine immer höhere Lebenserwartung, wenn man sich irgendwann nicht mehr bewegen kann? „Die ältere Generation will mobil alt werden. Sie wollen mit den Enkeln spielen, sich mit Freunden treffen und ihre Selbstständigkeit behalten“, erklärt er. Mirko Fünfstück ist sich ebenfalls sicher, dass sich die Wahrnehmung der Menschen ab 50 ändert: „Früher dachten sie beim Wort ‚Fitnessstudio‘ immer an die Mucki-Bude. Heute nehmen sie es eher als Gesundheitstempel wahr.“

Henning Schmidtchen ist schon seit anderthalb Jahren Mitglied im Gesundheitsbahnhof Großräschen – weil er abnehmen, sich fit und gesund halten wollte. „Meine Frau sagte, dass ich langsam mal etwas für mich, meinen Körper und meine Gesundheit tun müsse“, gibt der 53-jährige Großräschener mit einem Schmunzeln zu. Mehrmals wöchentlich geht er deshalb zum Sport und merkt, dass er stetig fitter wird. „Ich schaffe mehr, sowohl an den Geräten als auch im Leben, kann mir höhere Ziele stecken und mich steigern“, sagt Henning Schmidtchen. Auch er warf schon eine Tischtenniskugel mit seinem Gewichtsverlust in die Vase. Immer wenn ihm die Motivation ausgeht, schaut er dorthin und weiß, warum er das macht.