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Gesucht und gefunden

Es war eine bewegte Zeit, als Jesus Christus vor 2000 Jahren in Israel öffentlich in Erscheinung trat; denn zur selben Zeit trat Johannes der Täufer als Prophet und Gottesmann auf. Er rief das Volk Israel zur Umkehr und zur Taufe.

Johannes wusste: Gottes Kommen stand unmittelbar bevor. Zu ihm kamen darum Männer und Frauen, junge und alte, reiche und arme, um sich im Jordan taufen, von ihren Sünden reinwaschen zu lassen. Eine ernsthafte und große Bewegung der Lebensbereinigung erfasste das Volk. Eines Tages stand Jesus vor Johannes. Niemand wusste, wer er war, aber Johannes erkannte ihn und war erstaunt, dass er sich unter die Sünder eingereiht hatte, um sich von ihm taufen zu lassen. Deshalb sagte er zu Jesus: Ich bedarf wohl, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? Der Sohn Gottes stellte sich bewusst unter die Sünder, denn er war ja nicht gekommen, um Menschen zu richten, zu verurteilen, sondern um sie zu retten, zu heilen, zu befreien. Er distanzierte sich nicht von ihnen, vielmehr suchte er ihre Nähe. Das Predigtwort des Sonntages aus dem Johannesevangelium, Kap.1, gewährt uns einen Einblick. Es heißt: Am nächsten Tag stand Johannes abermals da und zwei seiner Jünger; und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! Jesus war nicht nur gekommen, um sich unter die Sünder einzureihen, sondern um alles Trennende zwischen uns Menschen und Gott aus der Welt zu schaffen, als das Opfer-Lamm Gottes hinwegzutragen. Ermutigt durch diese Worte, folgen die Zwei Jesus nach. Vielleicht noch ein wenig zögerlich, aber Jesus nimmt sie wahr. Er fragt sie: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi, (Meister, d.A. wo ist deine Herberge? Es entwickelt sich ein ganz gewöhnliches, menschliches Gespräch. Hier geht es nicht um große Menschheits- und Glaubensfragen. Und doch geht es bei dieser Begegnung um mehr. Es geht darum, dass der Sohn Gottes nicht weltfremd irgendwo in höheren Gefilden schwebt, sondern mitten unter uns Menschen zu finden ist. Auf der Straße des Lebens gewissermaßen. Er, Gott, ist in Jesus für uns da, ansprechbar, nah. Das ermutigt ungemein. Ich darf zu ihm kommen, wie ich bin, und er fragt nach mir. Was sucht ihr?

Das ermutigt sie, weiterzufragen. Meister, wo ist deine Herberge? Wo wohnst du, wo bist du zu Hause? Kommt und seht! Der von Gott zu uns Menschen Gekommene, teilt mit ihnen das Leben. Was für eine Offenheit? Das Erste, was Andreas, einer von den Zweien, seinem Bruder Simon Petrus mitteilen musste, war: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte. Was er gesehen hatte, hatte ihn überzeugt, konnte er nicht für sich behalten. Es grüßt Sie Pfarrer i.R. Manfred Hornich, Spremberg