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Geständnis im Kinderporno-Fall

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Senftenberg. Ein 28-Jähriger hat zugegeben, in Senftenberg kinderpornografische Dateien erworben, besessen und vertrieben zu haben. Das Amtsgericht verurteilte ihn am Donnerstag. Jan Augustin

Das Geständnis ist klar und eindeutig, die Schuldfrage schnell geklärt. "Ich gestehe, die Handlungen durchgeführt zu haben. Ich räume das ein", sagt der Angeklagte am Donnerstag im Sitzungssaal des Senftenberger Amtsgerichtes. Für einen kurzen Moment fehlen dem jungen Mann mit Dreitagebart die Worte. Er ringt mit sich und sagt dann: "Ich kann das nicht verteidigen oder irgendwie rechtfertigen. Ich habe einen großen Fehler begangen." Nicht nur dieses Eingeständnis wird das Schöffengericht um Richter Harald Rehbein später in sein Urteil einfließen lassen. Auch die zweite Beichte des Angeklagten hat wesentlichen Anteil an der relativ milden Bestrafung. "Ich kann nicht leugnen, dass ich Kinder attraktiv finde", sagt der Angeklagte, nachdem Harald Rehbein die Frage nach dem Warum gestellt hat.

Staatsanwalt Eike Lünnemann schildert zuvor in seiner Anklageschrift die Vorwürfe, die der Angeklagte anschließend ausnahmslos einräumt. Der heute 28-Jährige soll in Senftenberg von November 2009 bis Januar 2014 pornografische Bild- und Videodateien besessen, erworben und auf einer Tauschbörse im Internet auch vertrieben haben. Die gespeicherten Dateien seien verschlüsselt auf seinem Laptop gefunden worden. Es geht um Kinderpornografie mit "knallharten Realdarstellungen", die sexuellen Missbrauch teilweise von nur sechsjährigen Jungen zeigen sollen, erläutert Lünnemann.

Der heute in Potsdam lebende, ledige Angeklagte gibt daraufhin auch zu, ein grundsätzliches Problem zu haben. Aufgefallen sei ihm seine sexuelle Neigung mit etwa zwölf Jahren. Zwei Therapien habe er später angefangen, aber beide wieder abgebrochen. Auch in Senftenberg stellt er sich vor zwei Jahren bei einem Therapeuten vor. Ende 2015 verurteilt ihn das Amtsgericht Senftenberg wegen des Überlassens von Betäubungsmitteln in zwei Fällen zu einer Strafe von sechs Monaten. Sein Studium habe er mittlerweile abgebrochen. Wegen eines längeren Krankenhausaufenthalts habe er auch nicht weiter als studentische Hilfskraft arbeiten können. So sei er auch in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Derzeit befinde er sich in einer bis Ende Juni dieses Jahres befristeten Fest anstellung, erläutert er seinen Werdegang vor Gericht.

Nach einer Stunde ist der Prozess beendet. Wegen der Verbreitung von pornografischen Schriften in 28 Fällen, dem Erwerb in 14 Fällen sowie dem Besitz in einem Fall verurteilt ihn das Gericht zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Es ist genau das von Staatsanwalt Eike Lünnemann geforderte Strafmaß. Lünnemann erkennt vor allem das vollumfängliche Geständnis an und den Versuch, sich Hilfe zu nehmen. "Das ist viel wert", sagt er. Eine Therapie sei in einem Gefängnis schlecht möglich. Strafverschärfend hätten sich jedoch das sehr junge Alter der Kinder und der lange Tatzeitraum über fast fünf Jahre ausgewirkt. Es sei nicht ein nur zufälliges, kurzes Interesse gewesen. "Das zeigt eine gewisse Prägung", betont Eike Lünnemann. Rechtsanwältin Dagmar Krause-Dommrich ist mit dem Strafmaß "voll einverstanden". Es nun herabzusetzen, sei nicht angemessen.

Die Bewährungsfrist legt Richter Harald Rehbein auf drei Jahre fest. Ein Bewährungshelfer solle dem 28-Jährigen bei der Suche nach einem Psychotherapeuten mit sexualtherapeutischer Zusatzqualifikation unterstützen. Die Therapie, die eine Vermeidungsstrategie zur Folge haben müsse, weist Rehbein an. Strafmildernd habe sich das umfassende Bekenntnis ausgewirkt und "dass der Angeklagte für sich festgestellt hat, dass er ein Problem hat", erklärt Richter Harald Rehbein.

Auf eine Berufung oder Revision haben der Verurteilte, die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft verzichtet.