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Geschwister und andere Fremde

Geschwister und andere Fremde lautete der Titel des Gottesdienstes, mit dem unser Kirchenkreis Senftenberg-Spremberg nach Berlin eingeladen war zum – gerade beendeten – Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017. Es war eine Vorpremiere zu der "neuesten Ausgabe" unserer Format-Gottesdienste "Nachtblauer Samstag", in denen wir schon andere emotionale Themen behandelten, zum Beispiel "Liebe und andere Katastrophen".

In Senftenberg wird der Gottesdienst am 8. Juli stattfinden.

Nun also die scheinbar so vertrauten Geschwister; Geschwister sind irgendwie "immer schon da gewesen". Sie werden 'mitgebracht' als Zugabe zum eigenen Leben: aus der Klinik von den Eltern. Oder von dem neuen Freund von Mama oder aus der ersten Ehe von Papas Liebster. Andere Geschwister suchen wir uns dagegen später selbst aus und finden sie unter Gleichgesinnten oder Schicksals-Genossen.

Auch wenn wir individuell keine Geschwister haben, selbst keine sind - haben wir dennoch ein Verhältnis zu Geschwistern als Figuren, als Rollen. Wir wären vielleicht gerne Geschwister. Oder wir hatten welche, zu denen der Kontakt abbrach. Oder: wir haben welche, die uns aber innerlich fremd blieben, oder auf anstrengende Weise nah. Äußere Nähe bürgt nicht dafür, dass wir einander nah fühlen - dass wir uns verstehen. Geschwister, das sind nicht nur Personen, sondern auch Ikonen. Das sind Bilder von dem, was wir erinnern, was wir wünschen, was wir hoffen, woran wir uns reiben, worum wir bangen. Mit unseren gesellschaftlichen Strukturen ändern sich auch die Beziehungen zwischen Geschwistern und mit den Zeiten auch unsere Vorstellungen davon. Und bei allem Wunsch nach Vertrautem: Ist das nicht eigentlich ganz gut so? Als Christen sollte uns nicht ängstigen, dass unsere irdischen Vorstellungen keine Bestandsgarantie haben. Denn Ewigkeit verorten wir doch eigentlich ganz woanders.