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| 15:07 Uhr

Streckenposten am Lausitzring
Geschwindigkeit nicht nur sehen, sondern spüren

Der Streckenwartverein "Scout" am Lausitzring hat etwa 140 ehrenamtliche Mitglieder, die die Strecke sichern, Unfälle der Rennleitung melden und den Fahrern helfen.
Der Streckenwartverein "Scout" am Lausitzring hat etwa 140 ehrenamtliche Mitglieder, die die Strecke sichern, Unfälle der Rennleitung melden und den Fahrern helfen. FOTO: SCOUT
Klettwitz. Der Sportwartverein am Lausitzring sucht neue Mitglieder, die das Adrenalin lieben und in der ersten Reihe stehen wollen. Von Josephine Japke

„Ein bisschen vernarrt muss man in den Motorsport sein, um das mitzumachen“, erklärt Mario Kirk. „Ein bisschen“ ist gut, denn die Streckenposten am Lausitzring stehen bei Wind und Wetter, sengender Hitze und strömendem Regen am Fahrbahnrand und sorgen dafür, dass alles seinen geregelten Ablauf nimmt. Alles für den Adrenalin-Kick, wenn ein Fahrzeug mit 320 km/h an ihnen vorbeirast.

Mario Kirk ist 1. Vorsitzender des Sportwartvereins „Scout“ am Lausitzring und sitzt während der Rennen in der Renn-Kontrolle. Dort behält er sämtliche Abläufe seiner Streckenposten im Blick. „Unsere Streckenwarte sichern, melden und helfen. Sichern mit Flaggen, damit der nachfolgende Verkehr weiß, was auf der Strecke passiert. Melden bei der Rennleitung, was passiert ist. Und helfen, indem sie sofort den Feuerlöscher parat haben oder Fahrzeuge aus dem Kies schieben“, sagt er und betont, dass ohne sie kein Rennen möglich wäre. „Sie haben eine große Verantwortung, denn sie sind meist die ersten Helfer bei Unfällen“, erklärt Mario Kirk.

Eine „psychische und physische Grundfitness“ ist dafür nötig. „Jeder Motorsportinteressierte über 18, der denken und laufen kann, eignet sich für die Arbeit“, betont Mario Kirk. Selbst Rentner betätigen sich als Streckenwart. Das älteste Mitglied ist bereits 76 Jahre alt und schon seit 17 Jahren dabei. Ebenso lang wie Mario Kirk.

Nur wenige Meter von ihrem Streckenposten entfernt rasen die Rennwagen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 km/h vorbei.
Nur wenige Meter von ihrem Streckenposten entfernt rasen die Rennwagen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 320 km/h vorbei. FOTO: SCOUT

Mittlerweile steht der allerdings nicht mehr am Streckenrand, sondern sitzt als 1. Vorsitzender in der Rennleitung. „In all den Jahren habe ich schon vieles erlebt“, beschreibt Mario Kirk. Zum Beispiel auch den tragischen Unfall von Alessandro Zanardi am 15. September 2001, der 13 Runden vor Schluss bei der Ausfahrt aus der Boxengasse auf die Strecke schleuderte und in Höhe des Cockpits mit 300 km/h von einem anderen Fahrer gerammt wurde. Sein Wagen wurde dabei in zwei Teile gerissen, Alessandro Zanardi erlitt schwerste Verletzungen an den Beinen. Zwei Jahre später vollendete er symbolisch das abgebrochene Rennen und absolvierte mit Beinprothesen die letzten 13 Runden in einem Rennwagen von 2001. „Das war vermutlich der emotionalste Augenblick, den ich als Streckenposten je mitgemacht habe“, beschreibt Mario Kirk.

Bei solchen Horrorunfällen macht man sich natürlich Gedanken um die Sicherheit an der Rennstrecke. „Aber Angst habe ich nicht. Respekt vor dem was auf der Strecke passiert, sollte man aber auf jeden Fall haben“, sagt Mario Kirk.

Schnelle Autos mit Geschwindigkeiten bis zu 320 km/h, die in wenigen Metern an den Streckenposten vorbeifliegen: Für Mario Kirk ist das ein Traumberuf. „Sobald ein Auto oder Motorrad vorbei rast, setzt das Adrenalin ein. Vor dem Fernseher zu sitzen, ist im Vergleich dazu einfach langweilig. Außerdem reisen wir viel rum und helfen auch bei anderen Motorsport-Veranstaltungen, wie der Formel 1 oder dem Moto GP, aus“, erklärt Mario Kirk. Es müsse sich nur jeder bewusst sein, dass die Arbeit als Streckenposten ehrenamtlich ist. Doch das ist keinesfalls ein Nachteil, ganz im Gegenteil: „Dafür muss man sich nie wieder teure Eintrittskarten kaufen und ist wirklich mittendrin, statt nur dabei“, sagt er und freut sich schon jetzt auf die DTM im Mai.

Um das ebenfalls zu erleben, sei dafür allerdings die Schulung nötig, die am 11. März von 9 bis 17 Uhr im Media-Center des Lausitzrings stattfindet. Wer Interesse hat, kann sich bis zum 1. März telefonisch unter 0151 18868522 oder unter
mario.kirk@lausitzring.de melden.

Die ausgebildeten und lizenzierten Streckenwarte nehmen auch bei der Formel 1 und dem Moto GP teil.
Die ausgebildeten und lizenzierten Streckenwarte nehmen auch bei der Formel 1 und dem Moto GP teil. FOTO: SCOUT