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| 21:13 Uhr

Bauern im Gedankenaustausch
Geschichte der Mühle und des bäuerlichen Lebens festgehalten

Volker Hoffman (l.) und Manfred Götze aus Frauwalde haben sich beim Treffen der Landwirte in der Arnsdorfer Mühle viel zu erzählen.
Volker Hoffman (l.) und Manfred Götze aus Frauwalde haben sich beim Treffen der Landwirte in der Arnsdorfer Mühle viel zu erzählen. FOTO: Renate Kupfer
Arnsdorf. Landwirte aus der Senftenberger Region, die schon im Ruhestand sind, pflegen den regen Gedankenaustausch Von Rudolf Kupfer

Volker Hoffmann (79) hat die Geschichte seiner Getreidemühle, seines Heimatdorfes Arnsdorf und der Region um Ruhland in mühevoller Kleinarbeit aufgeschrieben und sie unlängst ehemaligen Berufskollegen und Mitstreitern vorgestellt. In der früheren Arnsdorfer Mühle fand diese Begegnung von 21 Landwirten aus der Region statt, die das Rentenalter alle schon überschritten haben.

Die schweren Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, der Kampf gegen den Hunger, die anstrengende Handarbeit, bei der das gesamte Dorf gemeinsam mit den Bauern im Einsatz war, um die Ernte einzubringen und das Vieh auf den Höfen zu versorgen, sind Themen dieser geschichtlichen Aufarbeitung. Dabei geht es dem Autor um belegbare Daten aus der Region. Er hofft dabei auf Hilfe seiner Berufskollegen als Zeitzeugen.

Oft entsteht der Eindruck, so der 80-jährige Fritz Kerstan aus Saalhausen, die Geschichte in den Dörfern habe erst 1990 begonnen. Die hier im ländlichen Raum eingeleiteten Veränderungen überdecken vieles. Modernste Technik, enorme Fortschritte in der Züchtung, Konzentration und Spezialisierung haben gewaltige Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion auch in der Lausitz bewirkt. Das hat unter anderen zu einem enormen Arbeitskräfteabbau geführt. Landwirte wurden nach der Wende vorzeitig sozial abgesichert in Rente geschickt oder mit Umschulungen für andere Berufe vorbereitet.

Zu denen, die mit Erfolg die neuen Anforderungen der Marktwirtschaft gemeistert haben, gehören der 79-jährige Hubert Kanter aus Großräschen und die 82-jährige Elfriede Balzer aus Bahnsdorf. Sie haben dazu beigetragen, dass die Agrargenossenschaft Großräschen sich zu einem leistungsfähigen Unternehmen entwickelt hat.

In der Agrargenossenschaft Biehlen sorgt Rentner Volker Pissang heute noch täglich dafür, dass Eier aus der Freilandhaltung und Weihnachtsgänse zur Direktvermarktung angeboten werden. Das bereitet ihm nach wie vor große Freude. Dass die Landwirte im Rentenalter nach wie vor mit der heimischen Scholle verbunden sind, zeigt das Zusammentreffen in Arnsdorf.

Wie bewältigt die heimische Landwirtschaft die zu erwartenden großen Ertragsausfälle, die die Hitze der letzten Woche bewirkt hat? Sorgen bereitet ihnen auch, das gegenwärtig die Bodenpreise ins uferlose steigen und dass zunehmend landwirtschaftliche Produktion aus den Dörfern verschwindet.

Im nächsten Jahr wird Hildegard Thron aus Schipkau diese Runde erneut zusammenrufen. Sie hofft mit den anderen, dass Volker Hoffman sein Vorhaben „Die regionale Agrargeschichte“ zu erforschen, weiter vorangebracht hat. Unterstützung von Seiten der Anwesenden und Zeitzeugen ist erwünscht.