Für das Traditionsunternehmen Ortrander Eisenhütte ist am Mittwoch ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das bestätigen der Direktor des zuständigen Cottbuser Amtsgerichtes, Michael Höhr, sowie der Geschäftsführer der GmbH, Bernd H. Williams-Boock. Der offiziell verlautete Grund bleibt vage. Das Unternehmen habe sich an die veränderte Marktnachfrage anpassen müssen. So ist im Frühjahr der Drei-Schicht-Betrieb auf einen Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt worden, erläutert Williams-Boock. Das habe anfangs auch gut funktioniert. „Die Produktivität konnte gesteigert werden.“ Allerdings sei es ihm nicht gelungen, die weiterhin bestehenden Verpflichtungen entsprechend zu reduzieren. „Die Kapitalseite konnte nicht angepasst werden“, sagt Williams-Boock am Donnerstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Nachdem festgestellt worden sei, dass die angestrebte „Neuordnung der Unternehmensfinanzierungen“ ohne ein gerichtliches Verfahren nicht gelingen werde, habe sich die Geschäftsführung mit der Unterstützung „erfahrener Restrukturierungsfachleute“ zu diesem Schritt entschieden. „Die Möglichkeiten des modernen Insolvenzrechtes sollen den Weg für eine langfristige Sicherung der Zukunft der Ortrander Eisenhütte GmbH über einen Insolvenzplan ebnen“, sagt Williams-Boock. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht den Dresdner Rechtsanwalt Olaf Seidel.

Geschäftsführer der Eisenhütte ist optimistisch

Der Geschäftsführer des größten Arbeitgebers in Ortrand sprüht trotzdem viel Zuversicht aus. „Die Hütte soll leben und wird leben“, sagt Williams-Boock. Es sehe derzeit so aus, dass keine Mitarbeiter gekündigt werden müssen – wenn doch, dann nur wenige, so Williams-Boock. Die Löhne, der von der Insolvenz aktuell betroffenen 234 Mitarbeiter, seien bis Ende Dezember 2019 über Insolvenzgeld abgesichert. Der Geschäftsbetrieb soll ohne Einschränkungen fortgesetzt werden. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer zähle die gesamte Belegschaft auf die Treue ihrer Kunden und Lieferanten.

Ortrands Bürgermeister Niko Gebel (CDU) blickt zwar „natürlich“ mit Sorge auf die aktuelle Situation, aber auch er zeigt sich zuversichtlich. „Ich glaube nicht daran, dass die Hütte nicht mehr produzieren wird und die Öfen ausgehen“, sagt er am Donnerstag. Als er die Nachricht erhielt, habe er sofort das Gespräch mit der Geschäftsführung gesucht und gefunden. „Die Hütte gehört zu Ortrand. Sie ist Teil der Stadt“, betont Gebel. Die Stadt werde „alles tun, was in unserer Macht liegt, um die Hütte zu unterstützen“.

Insolvenz der Ortrander Eisenhütte kommt überraschend

Die Insolvenz kommt überraschend. Das Unternehmen wuchs in den vergangenen 25 Jahren. 115 Mitarbeiter waren 1993 beschäftigt. Zuletzt haben inklusive Leiharbeiter insgesamt rund 330 Menschen im Werk gearbeitet. Seit 15 Jahren steigen die Umsatzzahlen Jahr für Jahr an, auf heute rund 50 Millionen Euro. Die Exportquote liegt bei etwa 70 Prozent. Kunden gibt es weltweit – sogar in Brasilien und Japan wird die Ortrander Qualität geschätzt. Doch der Hauptmarkt ist Europa. Mehr als 90 Prozent aller Aufträge kommen von hier. Nur ganz im Osten hat die Eisenhütte noch nicht wie gewünscht den Fuß in der Tür.

Die Ortrander Eisenhütte GmbH ist eine Gießerei, in der dünnwandige gewichtssparende Eisengussprodukte für die Automobilindustrie, den Herd- und Ofenbau sowie die Haushaltsgerätebranche hergestellt werden.

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