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Generationswechsel bei Medizinern

Andreas Bernhardt ist seit Jahresbeginn Geschäftsführer der Medizinischen Einrichtungsgesellschaft Senftenberg.
Andreas Bernhardt ist seit Jahresbeginn Geschäftsführer der Medizinischen Einrichtungsgesellschaft Senftenberg. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Fast jeder dritte Hausarzt in Brandenburg ist 60 Jahre und älter. Bei den Fachärzten sieht es nicht viel besser aus. Auch Senftenberg und Umgebung befinden sich mitten in einem Mediziner-Generationswechsel. Das wurde bei einer öffentlichen Fraktionssitzung der Senftenberger Linken deutlich. Manfred Feller

Die ländlichen Gegenden Brandenburgs stehen vor einer großen Herausforderung: Sie brauchen junge Haus- und Fachärzte, die die älteren Kollegen ablösen. Viele von denen praktizieren - teilweise notgedrungen - noch im Rentenalter weiter.

"Das ist eine ganz schwere Aufgabe", sagt Andreas Bernhardt, Geschäftsführer der Medizinischen Einrichtungsgesellschaft (MEG) Senftenberg, zur Gewinnung von Ärzten. Er arbeitet seit 16 Jahren in der Branche, unter anderem zwischen 2000 und 2010 bei der damaligen ASB Gesundheitszentrum GmbH in Lauchhammer, und muss es wissen. "Südbrandenburg ist nicht die erste Adresse", weiß er, dass sich junge Mediziner lieber für größere Städte entscheiden, obwohl dort längst nicht alle ihr Auskommen haben.

An zwei Standorten zehn Ärzte

Die MEG als Tochterunternehmen der Stadt beschäftigt in Senftenberg an den Standorten Erxleben- und Fischreiherstraße, den ehemaligen Polikliniken, zusammen zehn Haus- beziehungsweise Fachärzte. Auch wenn es hier und da Wartezeiten und Terminschwierigkeiten gibt, liege der Versorgungsgrad über jeweils 100 Prozent. Damit sind laut der Kassenärztlichen Vereinigung Neuzulassungen nicht möglich. Während der Hausärztemangel im Raum Lauchhammer/Schwarzheide jetzt schon zutage tritt, steht Senftenberg aufgrund der Überalterung kurz davor und muss handeln. Bewerbungen kommen, so Andreas Bernhardt, vornehmlich von Medizinern aus Syrien, dem Irak und der Türkei. Doch denen mangele es an den fehlenden fachlichen Anerkennungen für Deutschland. Und von den deutschen Medizinabsolventen gehe nur jeder Dritte tatsächlich in den praktizierenden medizinischen Bereich.

Die Lösung sieht der Geschäftsführer allerdings nicht im Abwerben. Dabei denkt er an den Augenarzt in Schwarzheide, den er einst selbst hierher geholt hatte und der wegen einer besseren Bezahlung nach Finsterwalde wechselt. Dort werde der Umzug auch politisch gefeiert. Die Patienten ziehen zwangsläufig mit.

Unterschiedliche Unterstützung

Was können die Stadt und damit die Abgeordneten für bessere Rahmenbedingungen tun?, möchte Wolf-Peter Hannig, Linken-Fraktionschef im Stadtparlament Senftenberg, wissen. Andreas Bernhardt kritisiert, dass die Senftenberger Förderrichtlinie nur Ärzten hilft, die sich niederlassen wollen, jedoch nicht den angestellten Medizinern der MEG. Finsterwalde gewähre uneingeschränkt allen dieselbe Unterstützung.

Viel wichtiger als die 10 000 Euro Anschubfinanzierung, die Senftenberg gibt, sei, dass sich die Stadt zu den zwei MEG-Standorten bekennen sollte oder aber eine andere Lösung favorisiert. Weil die Richtung nicht offensiv und öffentlich kommuniziert wird, brodelt es in der Gerüchteküche. Zum Beispiel, dass die ehemalige Poliklinik in der Fischreiherstraße vielleicht in zwei Jahren schließen wird. Das würde den aufgestauten Sanierungsbedarf erklären.

Die MEG, wie Andreas Bernhardt sagt, könne mit den zwei Standorten gut leben, auch wenn ein modernes Haus wirtschaftlicher wäre. Jedoch müsste in beide investiert werden - am Krankenhaus mit der Notaufnahme endlich auch in die holprige Pflasterstraße mit der schlechten Entwässerung.

Auch Dr. med. Klaus Karich, niedergelassener Radiologe und Mieter in der Erxlebenstraße, plädiert für die beiden wohngebietsnahen "Polikliniken", in denen Ärzte und Patienten von den Synergien im Haus profitieren. Was die Umfeldbedingungen mit Schulen, Kultur und Erholung angeht, sei Senftenberg hinsichtlich der Werbung um Ärzte bestens aufgestellt. Allerdings kritisiert der Mediziner die Bedarfszahlen der Kassenärztlichen Vereinigung. Deren Kriterien entsprächen nicht den aktuellen Bedingungen, wie älter werdende Bevölkerung, Krankheitsarten und medizinischer Fortschritt.

Auch die Abgeordneten der Linken halten zwei Standorte gut für die Versorgung der Einwohner. Für einen Neubau, wie er mal gedacht war, fehle das Geld.