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| 18:39 Uhr

Geldstrafe gegen Gefährtin eines Granatensammlers

Nur ein halbes Jahr nach dem Fall, der jetzt zur Hälfte in Senftenberg verhandelt wurde, hatte die Polizei in der Schipkauer Gerhart-Hauptmann-Straße einen weiteren Keller mit Weltkriegsmunition, wie Panzergranaten, ausgehoben.
Nur ein halbes Jahr nach dem Fall, der jetzt zur Hälfte in Senftenberg verhandelt wurde, hatte die Polizei in der Schipkauer Gerhart-Hauptmann-Straße einen weiteren Keller mit Weltkriegsmunition, wie Panzergranaten, ausgehoben. FOTO: Rasche/str1
Senftenberg. Mitgefangen, mitgehangen. Weil ihr verflossener Lebensgefährte Weltkriegsmunition gesucht, in ihrer Wohnung und im Keller gelagert und verkauft hat, musste sich eine junge Frau vor dem Schöffengericht Senftenberg verantworten. Auch wenn sie nicht aktiv beteiligt war, habe sie sich vorsätzlich, jedoch in einem minderschweren Fall schuldig gemacht. Die junge Frau kommt mit einer Geldstrafe davon. Manfred Feller

Die Lausitz muss für Sammler und Händler von Weltkriegsmunition ein gutes Pflaster sein. Immer wieder werden private Lager von der Polizei und Spezialkräften geräumt. Ende Juli 2013 werden auf dem Grundstück eines Mittvierzigers in Neupetershain von Spezialkräften des Landeskriminalamtes Brandenburg Sprengmittel gefunden. Zu Beginn desselben Monats durchkämmen Polizeibeamte das Anwesen eines 27-Jährigen in Meuro. Es werden mehr als fünf Tonnen Munitionsteile, auch Weltkriegsschrott und noch funktionierende Sprenggranaten gefunden.

Am 3. Januar 2011 findet die Polizei in einem Wohnblockkeller in Schipkau Panzergranaten und aufbereitete Munitionsteile aus dem Zweiten Weltkrieg. Wegen Explosionsgefahr werden zwei Hausaufgänge evakuiert.

Ganz in der Nähe war am 29. Juli 2010 ebenfalls Weltkriegsmunition in einem Keller sowie in einer Wohnung gefunden worden. Mieterin war eine heute 26-Jährige. Sie musste sich diese Woche vor Gericht verantworten, weil sie das Lagern der teilweise noch explosiven Gegenstände geduldet hatte. Der Hauptangeklagte bleibt der Schöffenverhandlung wegen angeblicher gesundheitlicher Probleme fern. Wenn er kein Attest vorlegt, ergeht ein Haftbefehl. Laut Staatsanwaltschaft ist der Mann bereits wegen ähnlicher Verstöße mehrfach vorbestraft.

Anwalt Armin Krahl aus Senftenberg beschreibt den ehemaligen Lebensgefährten seiner Mandantin als Waffennarr. Dagegen sei der jungen Hausfrau und Mutter dreier Kinder zwischen einem und sechs Jahren die Tragweite des Besitzes von Munition nicht bewusst gewesen.

Mit einem Kumpel soll der dem Prozess Ferngebliebene immer wieder auf die Suche nach Weltkriegsmunition in die Natur gegangen sein. Einmal habe die Frau die Männer begleitet. Wohin, das wisse sie nicht.

"Für mich standen die Kinder immer im Vordergrund. Über die Munition habe ich nicht nachgedacht, ob sie gefährlich ist oder verboten", erwidert sie auf die Frage von Staatsanwalt Pfeffer, ob ihr die Strafbarkeit bewusst war. Mit dem Vater zweier ihrer Kinder sei es ohnehin die Hölle gewesen. Später seien Drogen und Drohungen hinzugekommen. Nach etwa vier Jahren erfolgte 2012 die Trennung. Die Frau lebt in Sachsen.

Im Keller, wo die Munition für den Verkauf über das Internet aufbewahrt wurde, sei sie damals lange nicht gewesen. Dass sie, für die ihre Kinder so wertvoll sind, und all die anderen Mieter in dem Wohnblock auf einer tickenden Zeitbombe gelebt haben, scheint ihr gar nicht bewusst gewesen zu sein.

Ein Kriminalbeamter schildert als Zeuge vor Gericht, was da in welchem Zustand gehortet worden war. Panzergranaten, Granatpatronen, Sprenggranaten und ein ausgelöster Zünder, der wieder scharfgemacht werden könne. Die Geschosse mit Treibladung und Zünder hätten jederzeit explodieren können. Wäre alles zusammen in die Luft geflogen, hätte es in dem Haus großen Sachschaden geben können.

Wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Sprengstoffgesetz wird die junge Frau angesichts der Lebensumstände, in die sie hineingeraten war, und dank ihres Geständnisses zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Daran wird die von Hartz IV lebende Frau mit Kindern hart zu knabbern haben. Eine Haftstrafe wäre ebenfalls möglich gewesen.