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Geldregen lässt Landprojekte wachsen

Die Kleinsten der Kita in Saalhausen brauchen unbedingt mehr Platz. Der Wunsch ist, dass der Umbau mit EU-Fördermitteln gelingt.
Die Kleinsten der Kita in Saalhausen brauchen unbedingt mehr Platz. Der Wunsch ist, dass der Umbau mit EU-Fördermitteln gelingt. FOTO: Steffen Rasche/str1
Lauchhammer. Das "Hauen" und "Stechen" kann beginnen. Denn es liegen zweieinhalb Millionen Euro Fördergeld bereit zum Investieren in den ländlichen Raum zwischen dem Amt Altdöbern im Norden, dem Amt Ruhland im Süden und Grünewalde im Westen des Leader-Gebietes "Energieregion im Lausitzer Seenland". Manfred Feller

Davon ausgenommen sind aufgrund ihrer Größe die Kernstadtgebiete von Senftenberg und Lauchhammer. Leader ist eine Initiative der Europäischen Union zur Unterstützung ländlicher Gegenden. Es geht um Daseinsvorsorge, Lebensqualität, Tourismus und regionale Wertschöpfung, wie dem Erhalt und der Schaffung von Arbeitsplätzen.

In der in Etappen unterteilten aktuellen zweiten Förderperiode zwischen 2014 und 2020 ist jetzt der vierte und voraussichtlich vorletzte Stichtag für das Einreichen von kommunalen und privaten Projekten verstrichen. Der Calauer Michael Franke, der in Lauchhammer als Regionalmanager das komplizierte Prozedere seit mehr als einem Jahrzehnt fachlich begleitet, ist erneut zufrieden mit der Resonanz: "Es sind 19 Projektanträge eingegangen.

Die gewünschten Fördermittel summieren sich auf 3,4 Millionen Euro." Dies übersteigt das Budget. Das heißt, alle Anträge werden demnächst bewertet und eine Prioritätenliste erstellt.

Diese Aufgabe erledigt der Vorstand der Aktionsgruppe. Darunter sind entsprechend der Vielfalt der Antragsteller Vertreter des Landkreises, der Kommunen, kleinerer Unternehmen, vom Tourismusverein und Privatpersonen. Festgeschrieben ist, dass zum Beispiel ein Bürgermeister nie für ein Projekt aus seinem Ort votieren darf.

Große Hoffnungen auf Fördermittel von der Europäischen Union setzt der Erzieher-Eltern-Verein der Kita "Kinderparadies" in Saalhausen. Denn, was dort geplant ist, ist die Verbesserung ländlicher In-frastruktur und Daseinsvorsorge schlechthin.

Die Kita ist längst die einzige ihrer Art in den Großrä- schener Ortsteilen.

Dort sollen, so der dringliche Wunsch, in dem Projektzeitraum 2018/19 insgesamt 241 000 Euro in die Hand genommen werden. Davon wären 180 750 Euro EU-Mittel. Die Förderquote beträgt hier stattliche 75 Prozent. Eigentümerin der Immobilie und Antragstellerin ist die Stadt Großräschen.

Die Kita hat nach Auskunft von deren Leiterin Bettina Eiselt 34 Plätze. Die befristete Sondergenehmigung erlaubt derzeit 40 Kinder. Das Haus sei ausgelastet. Mit den Investitionen soll die bauliche Basis für eine Grundkapazität von 37 Plätzen geschaffen werden. Mehr nicht! "Wir wollen ein kleiner, ländlicher Kindergarten bleiben", sagt die Chefin.

Doch die Bedingungen könnten besser sein. Die Kindertagesstätte war vor vielen Jahrzehnten ein Wohnhaus, dann eine Dorfschule und wurde in den 1960er-Jahren ein Kindergarten.

"Wir brauchen vor allem mehr Platz für die Krippe", sagt Bettina Eiselt mit Blick auf den begrüßenswerten Zuzug junger Familien besonders in Saalhausen und Wormlage. Die bis zu Dreijährigen sollen in einem Anbau einen großen Gruppenraum erhalten. "Ein Riesenproblem ist der Eingangsbereich mit dem schmalen Flur, in dem sich auch noch die Garderobe befindet", sagt die Leiterin. Dieser Bereich soll erweitert und die in Anspruch genommenen Sanitäranlagen sollen räumlich verlegt werden. Auch die Barrierefreiheit ist ein Thema. Draußen müsse nichts getan werden. Die Kinder nutzen den "sehr guten öffentlichen Spielplatz" unter schattigen Bäumen.

Schafft es die Saalhausener Kita mit anderen Projektideen auf einen der vorderen Plätze der Prioritätenliste, wartet die nächste Hürde. Als Bewilligungsbehörde prüft das Amt für ländliche Entwicklung in Luckau die Empfehlungen. Dank der fachlichen Begleitung durch das Regionalmanagement der Leader-Region sei die Erfolgsquote sehr hoch. "Wir liegen hierbei unter den Top 3 der 14 Förderregionen im Land Brandenburg", sagt Manager Michael Franke.

Wer es bis dahin geschafft hat, hat allerdings auch Berge von Papier bearbeitet. Doch am Ende winken geschenkte fünf- und sechsstellige Summen für Investitionen. Schon manch einer, vor allem private Investoren, habe in der Vergangenheit die Segel gestrichen, weil der Aufwand zu groß war und ihnen die Zeit davongelaufen ist.

Für die aktuelle Förderperiode standen insgesamt 13,8 Millionen Euro zur Verfügung. Nach der aktuellen Etappe verbleiben für die letzte Runde bis 2020 noch ungefähr 2,4 Millionen Euro.

In der Förderperiode 2007 bis 2013 flossen nicht weniger als 28,4 Millionen Euro zusätzlich in die ländliche Entwicklung südlich von Altdöbern - außer dem Amt Ortrand, das zum Fördergebiet Schradenland gehört.

Durch die kommunalen und privaten Eigenmittel für die seinerzeit bewilligten 138 Projekte betrug das gesamte Investitionsvolumen 38,6 Millionen Euro. Dahinter standen Aufträge für viele Lausitzer Firmen.

Zum Thema:
Hier einige der aktuellen Projektideen für die ländliche Entwicklung. Antragsteller sind Kommunen, Kirchgemeinden, Vereine und Privatpersonen: Lauchhammer: Umnutzung der ehemaligen Grundschule zum Ortsteilzentrum von Kleinleipisch (Gesamtkosten 774 574 Euro/Fördersatz 75 %) Großräschen: anlegen eines etwa 355 Meter langen Radweges an der Hafenkante (102 000 Euro/75 %) Schipkau: aufwerten der Ortsmitte Meuro mit Anbau für die Feuerwehr (multifunktionale Fahrzeughalle), plus Gestaltung Festplatz, Marktfläche und Aktionsfläche für die Kita (586 000 Euro/68 %) Altdöbern: Anbau eines Gemeindehauses an die Feuerwehr in Lug (316 000 Euro/75 %) SV Grünewald: barrierefreier Anbau eines Schulungs- und Versammlungsraumes an das Vereinsgebäude (53 000 Euro/75 %) Frank Forberg: Ausbau eines Drei-Seiten-Hofes in Sedlitz zum Seniorenhof (440 000 Euro/45 %) Evangelische Kirchgemeinde Hermsdorf: Innenrestaurierung der Kirche (193 131 Euro/75 %)