Firmenchefin Helga Fischer von der Spezialbohrungen GmbH aus Elsterwerda schüttelt den Kopf: „Ich verstehe die Behörden nicht mehr!“ Als im Sommer ihre Bauleute im Auftrag des WAL in Ortrand-Burkersdorf das Abwassernetz erweiterten und dafür Grundwasser in die Pulsnitz abpumpten, setzte eine Vor-Ort-Kontrolle der OSL-Wasserbehörde am 6. Juli das kurzfristige Stoppzeichen. Acht Tage später lag die fehlende Erlaubnis des Landkreises zur Grundwasserabsenkung vor. Laut WAL-Chef Dr. Roland Socher verursachte die angeordnete Zwangspause Zusatzkosten von über 10 000 Euro.
Selbst Titus Faustmann (SPD), als 2. Beigeordneter des Landrates fachlich für den Ordnungs- und Umweltbereich zuständig, rechnet vor: Der weiter gereichte Genehmigungsantrag des WAL schmorte seit Anfang Oktober 2004 verschüttet auf einem Schreibtisch im Landesumweltamt. Faustmann verweist auf die komplizierte Verwaltungsvorschrift: „Der Wasserverband selbst hat es vor dem 25. Mai diesen Jahres versäumt, auf die Dringlichkeit der Sache hinzuweisen.“ Auch wenn im Nachgang die wasserrechtliche Erlaubnis erteilt wurde, bleibt es doch beim aufgedeckten Vergehen. „Die zentrale OSL-Bußgeldstelle muss ermitteln, weil widerrechtlich die Standsicherheit von Bauwerken gefährdet oder das Freispülen von Schadstoffen in Kauf genommen wurde“ , erklärt Faustmann.
WAL-Chef Socher platzt über derart viel „Bürokratentum“ die berühmte Hutschnur. Die Gefahr für die Ortrander Bürger bestand nur theoretisch, weil die Grundwasserabsenkung „fachkompetent und ordnungsgemäߓ ausgeführt wurde. „Der Fall ist keine Ausnahme. Als Antragsteller dürfen wir erwarten, dass der Kreis nach fast einem Jahr zu Potte kommt“ , grantelt der WAL-Chef. Er dreht den Spieß um: Die schleppende Arbeitsweise der Unteren Wasserbehörde in Calau untergrabe das Ziel, mit dem teuren Kanalausbau Schmutzwasser im Südkreis umweltgerecht zu klären.