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Geläuterter Waffennarr vor Gericht

Der Angeklagte besaß auch Teile eines Sturmgewehrs. Ein Wachmann der Bundeswehr hatte von 2009 bis 2014 Waffen gestohlen und verkauft.
Der Angeklagte besaß auch Teile eines Sturmgewehrs. Ein Wachmann der Bundeswehr hatte von 2009 bis 2014 Waffen gestohlen und verkauft. FOTO: dpa
Senftenberg. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Militärseelsorge hat vor Jahren fast 100 Teile von Gewehren und Pistolen gekauft. Nun musste sich der Ruhlander Sammler vor dem Amtsgericht verantworten. Jan Augustin

Auf der Anklagebank sitzt ein junger Mann (32), dunkles kurzes Haar, normale Figur mit schwarzer Anzugshose, weißem Hemd und Schlips. Und mit einem wunderlichen Hobby, das er einst pflegte: Waffen sammeln. Bei einer Hausdurchsuchung vor drei Jahren haben Polizisten bei Andreas K.* insgesamt 97 Waffen oder Teile davon gefunden. Darunter sind Sturmgewehre, Salutgewehre und Maschinenpistolen. Dass sich nun die Justiz mit seiner ehemaligen Sammelleidenschaft beschäftigen muss, tue ihm schrecklich leid. "Entschuldigen Sie die viele Arbeit", sagt Andreas K. mehrmals in der Verhandlung vor dem Senftenberger Amtsgericht.

Gekauft habe er die Waffen über das Internetportal egun.de - einem Marktplatz, wie ihn die Macher nennen, für Jäger, Schützen und Angler. Vom Erscheinungsbild ähnelt die Seite der des Auktionshauses Ebay. Nach eigenen Angaben nutzen das Angebot aktuell 828 500 Mitglieder. Vor zwei Jahren geriet das Unternehmen in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass ein Wachmann der Bundeswehr über einen längeren Zeitraum vollautomatische Waffen aus einem Bundeswehrlager in Rheine gestohlen und dann Läufe, Verschlüsse und andere Waffenteile illegal über egun.de verkauft hat.

Das Interesse am Sammeln von Waffen ist in seiner Zeit bei der Bundeswehr entstanden, sagt Andreas K. vor dem Schöffengericht um Richter Harald Rehbein. Der Ruhlander ist von 2005 bis 2007 in der Militärseelsorge in Dresden eingesetzt und organisiert dort Gottesdienste. Er sammelt Militär-Kleidung, Münzen und irgendwann eben auch Waffen, der Optik wegen, wie er beteuert. "Ich habe versucht, mich an alles zu halten, wollte nie etwas Böses oder einen Schaden machen", betont Andreas K. Auch einen kleinen Waffenschein habe er sich nachträglich besorgt. "Bis zur Hausdurchsuchung war ich davon überzeugt, dass ich nichts Verbotenes getan habe", sagt der verheiratete Ruhlander. Das teure Hobby hatte er ohnehin abgelegt - mit der Geburt seines Sohnes vor sechs Jahren. Die Sachen verschwanden damals in einem Karton im Keller - bis zur Hausdurchsuchung.

Trotz des seltsamen Hobbys, das Andreas K. einst pflegte, klingen die Aussagen für die Staatsanwaltschaft und das Gericht plausibel und glaubwürdig. Richter Harald Rehbein sagt, Andreas K. sei nicht der Typ Waffensammler, der in den Wald gehe und mit dem Gewehr rumballere. Das Verfahren stellt er daher vorläufig ein. Der Notfallsanitäter in Ausbildung soll nun in fünf Raten 1000 Euro an das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Lausitz, zahlen.

*Name geändert