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| 02:49 Uhr

Gekündigte, wütende Busfahrer

Der Betriebsratsvorsitzende der Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft René Walter hat seine Kündigung schon bekommen. Auch er ist sauer.
Der Betriebsratsvorsitzende der Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft René Walter hat seine Kündigung schon bekommen. Auch er ist sauer. FOTO: privat
Senftenberg. Bis zum Sommer dürfen die Mitarbeiter der Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft die Busse im OSL-Kreis noch lenken. Dann übernimmt eine Zittauer Firma. Die Kündigungswelle rollt. Jan Augustin

Das Lenkrad für den Busverkehr im Oberspreewald-Lausitz-Kreis sowie in den Städten Senftenberg und Lübbenau übernimmt ab 1. August für die nächsten zehn Jahre die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) aus Zittau. Das ist das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung, die durch den Kreistag mit auf den Weg gebracht worden ist. Der Betreiberwechsel hat Folgen: Etwa 105 Mitarbeiter der Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft (SBN) werden gekündigt.

50 Beschäftigte hat dieses Schicksal schon ereilt, wie der SBN-Betriebsratsvorsitzende René Walter mitteilt. Im März erhalte der Rest seine Kündigung. Auch der Busfahrer aus Lübbenau hat den blauen Brief schon bekommen. Die Stimmung im Unternehmen sei miserabel. René Walter: "Wir sind tief enttäuscht von allen Kreistagabgeordneten und Volksvertretern aller politischen Parteien im Landkreis. Das Vertrauen ist weg. Die Motivation ist am Boden. Der Unmut lässt sich kaum beschreiben."

René Walter hatte immer wieder kritisiert, dass eine Arbeitnehmerübernahme-Erklärung bei einem möglichen Betreiberwechsel in der Ausschreibung nicht festgeschrieben wurde - obwohl das dem Kreis laut EU-Verordnung möglich gewesen ist. Außerdem tadelten sie, dass bei der Vergabeentscheidung allein der Preis das ausschlaggebende Kriterium war.

Schon in der Vergangenheit war die SBN öfter zwischen die Fronten der - wie es René Walter bezeichnet - "kranken Verkehrspolitik" geraten. Das einst kreiseigene Unternehmen wurde seit 2008 dreimal verkauft. Momentan gehört die SBN zu 100 Prozent der Netinera Deutschland GmbH - einem Konsortium aus der italienischen Staatsbahn FS und dem Infrastrukturinvestor Cube.

Über die Zukunft der SBN mit Sitz in Senftenberg und der Busfahrer habe es bisher nur zwei Vorgespräche mit der KVG gegeben. "Wir haben aber noch nichts Konkretes an der Hand. Das ist noch nicht so hundertprozentig befriedigend", teilt SBN-Geschäftsführer Wilfried Opitz auf Nachfrage mit. Wer und wie viele seiner Mitarbeiter übernommen werden, sei noch unklar. Fest steht, dass die Beschäftigten des neuen Anbieters mit dem Brandenburger Nahverkehrs-Tarifvertrag ausgestattet werden müssen.

Aber auch was mit den fünf Betriebshöfen und Werkstätten der SBN passiert, sei noch nicht geklärt. Mehrere Anfragen der RUNDSCHAU zu den Plänen und dem Stand der Verhandlungen blieben von der KVG-Geschäftsführung bisher unbeantwortet.

Wie schlecht die Stimmung unter den Busfahrern im Oberspreewald-Lausitz-Kreis derzeit ist, beweise auch der aktuelle hohe Krankenstand, sagt René Walter. Die Rate liege bei mehr als zehn Prozent. Einige Linien im Landkreis könnten nur noch mit Mühe und Not bedient werden. "Es sollten eigentlich die Menschen, die jahrelang trotz unterdurchschnittlicher Bezahlung und überlangen Arbeitszeiten diesen öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis gesichert haben, nicht zu Schaden kommen. Aber leider verlieren jetzt alle ihre Arbeitsplätze", sagt ein wütender René Walter. Er und seine Kollegen würden sich immer wieder die Frage stellen, wie der Kreistag "diese verheerenden Beschlüsse" fassen konnte. Die Busfahrer seien erschüttert "über die fehlende Wertschätzung unserer jahrzehntelang geleisteten Arbeit für den ÖPNV im Landkreis".