Nachdem am Montag in Spree-Neiße der erste mit dem Geflügelpest-Erreger H5N8 infizierte Wildvogel entdeckt wurde, ist die Vogelgrippe im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ebenfalls zum Thema geworden.

Geflügelzüchter aus Hohenbocka bleibt ruhig

Auch auf der Vereinsversammlung des Rassegeflügelzüchtervereins Hohenbocka wurde die Problematik bereits diskutiert. Gründungsmitglied und Geflügelzüchter Willy Mulka zeigt sich jedoch wenig besorgt angesichts des aktuell aufgetretenen Falls. „Jedes Jahr werden ab und zu kurz vor oder nach dem Winter tote Tiere gefunden. Früher wurden sie einfach weggeräumt. Heute wird ein großes Ding daraus gemacht“, sagt er. Züchter mit 300 Tauben oder 30 Gänsen, „die wissen was zu tun ist“. Das sei in ihrem eigenen Interesse. Um den Bestand zu schützen, müsse schnell reagiert werden. Niemand müsse ihnen vorschreiben, wie sie sich in solchen Fällen zu verhalten haben, erklärt der über 80-Jährige aufgebracht.

Viele der Maßnahmen, die im Falle eines Ausbruchs der Geflügelpest ergriffen werden, seien unnütz. „Das richtet mehr Schaden an, als dass es hilft“, meint Willy Mulka. Vor allem wenn Regionen zum Sperrbezirk erklärt werden, die gar keine Fälle zu verzeichnen haben. „In Hohenbocka gab es nicht ein Tier, das betroffen war“, beschreibt er die Situation im Jahr 2017. Dennoch wurde eine allgemeine Stallpflicht verhängt. Erst die beengte Stallung habe die Tiere krank gemacht, ist er sich sicher. Im selben Jahr errichtete er daher eine Überdachung für den Auslauf seiner Schwarzen Italiener. Deswegen lautet sein Fazit auch: „Ich nehme die Vogelgrippe nicht so ernst, weil wir sie jedes Jahr haben.“

Landwirt sieht keinen Grund zur Sorge

Thomas Domin vom Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz macht sich ebenfalls wenig Sorgen angesichts des jüngsten Fundes. „Momentan sehen wir den aufgetretenen Fall von Vogelgrippe zwar als ein Warnsignal, aber wir sind weit weg von einer Epidemie. Auch das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut warnt vor einer Panikmache“, sagt er. Viele Betriebe, die Geflügel haben, halten ihre Tiere ohnehin im Stall, sodass Kontakt zu Wildvögeln eher unwahrscheinlich ist, führt der Landwirt aus. „Betriebe wie unserer, die ihre Tiere in Freilandhaltung haben, sind aber auch auf eine eventuell drohende Stallpflicht vorbereitet“, meint er.

Damit konnte er bereits Ende 2016 und Anfang 2017 Erfahrungen sammeln. Seine Tiere mussten schon beim letzten Ausbruch der Vogelgrippe den Stall hüten. Er sieht sich daher gut vorbereitet auf einen erneuten Ernstfall. „Wir haben ausreichend Stallfläche und auch Auslauf unter Dach, um solche Situationen wie damals zu meistern“, gibt sich Thomas Domin zuversichtlich. Die Zahl der betroffenen Tiere würde sich momentan ohnehin in Grenzen halten. 50 Hühner befinden sich zurzeit auf dem Hof. „Mehr Sorgen als die Vogelgrippe bereitet uns da die Afrikanische Schweinepest, die kurz vor unserer Haustür steht“, stellt er fest.

Gefährdungslage wird als mäßig eingestuft

Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz sieht momentan noch keinen Handlungsbedarf. „Bei dem betroffenen Wildtier handelt es sich um einen Einzelfund, eine akute Bedrohung durch die Vogelgrippe wird von unseren Veterinären aktuell nicht gesehen“, teilt Pressesprecherin Sarah Werner mit. Dennoch werde den Tierhaltern empfohlen, „die geltenden Hygiene- bzw. Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten“, ergänzt sie.

Das Friedrich-Loeffler-Institut hat hingegen das Risiko eines Eintrags des Virus in Nutzgeflügelhaltungen jüngst von gering auf mäßig hochgestuft. Begründet liegt das in den sich immer weiter häufenden Vogelgrippe-Fällen in Osteuropa. Daher „ist von einer überregionalen Ausbreitungstendenz auszugehen“, stellt das Institut fest. Eine halbe Million Tiere fielen der Krankheit bzw. den ergriffenen Vorsichtsmaßnahmen schon zum Opfer.

Hintergrundinformationen zur Vogelgrippe


Die Aviäre Influenza, auch Vogelgrippe oder Geflügelpest genannt, ist eine Krankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist sie eine der Tiermedizin bekannte Infektionskrankheit. Sie befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wassergeflügel wie Enten und Gänse. Sie kann in zwei Formen auftreten: hochansteckend oder weniger ansteckend. Hochpathogene Krankheitsbilder sind bisher nur von den Subtypen H5 und H7 bekannt.

Um einen Ausbruch der Vogelgrippe zu verhindern, sollten Biosicherheitsmaßnahmen konsequent eingehalten werden. So müssen Betriebsflächen auf dem Hof und Hygieneschleusen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. In jedem Stallvorraum sollte sich eine Desinfektionsmatte befinden. Hobbyhaltern wird außerdem empfohlen, die Ein- und Ausgänge der Ställe vor unbefugtem Zutritt zu sichern. Fremde Personen sollten die Anlagen nur in Schutz- oder Einwegkleidung betreten. Händewaschen und das Desinfizieren der Schuhe sollte jederzeit möglich sein.