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Gefangenenchor sorgt für Gänsehaut-Effekt

Die prächtigen Kostüme und das eindrucksvolle Bühnenbild beim Nabucco-Open-Air haben etwa 600 Zuschauer am Hafen in den Bann gezogen. Nach einer Zugabe dankte das Publikum mit stehenden Ovationen.
Die prächtigen Kostüme und das eindrucksvolle Bühnenbild beim Nabucco-Open-Air haben etwa 600 Zuschauer am Hafen in den Bann gezogen. Nach einer Zugabe dankte das Publikum mit stehenden Ovationen. FOTO: Gabriele Philipp/gph1
Senftenberg. In italienischer Sprache wird Verdis berühmteste Oper unter freiem Himmel aufgeführt. Für jedes Opernensemble ist das eine besondere künstlerische Herausforderung. Gabriele Philipp / gph1

So auch für die Sänger und Musiker der "Festspieloper Prag", die sich aus namhaften Opernhäusern Tschechiens und einiger angrenzender Länder zu einem Ensemble zusammengefunden haben.

Hundert Mitwirkende, davon 40 Musiker und ebenso viele Sänger, Mitarbeiter der Paulis-Agentur als Veranstalter, Techniker aus Cottbus und Transportunternehmen sind am Sonnabend beteiligt, um beim Tourneeauftritt in Senftenberg die Zuhörer zu begeistern. "Es hat geklappt, 600 Leute, auch sehr junge, haben wir zu einem klassischen Konzert locken können", ist hinter den Kulissen zu hören. Man müsse Nabucco, eines der berühmtesten Opern der Musikgeschichte im dramatischen Spiel um Liebe, Hass, Verrat und Macht mit dem weltberühmten Gefangenenchor wenigstens einmal unter freiem Himmel in einer großen Inszenierung erlebt haben.

Dem Dirigenten Richard Hein, dessen Orchester in einem Zelt neben der Bühne spielt, ist die Mühe anzumerken, Musiker und Sänger auf diese Entfernung "unter einen Hut" zu bringen. Das sehr freundliche Publikum in Senftenberg hat es mit viel Beifall honoriert. Aufmerksam zuhörend, in der Pause diskutierend und neugierig auf das Folgende, gibt es am Ende einer Zugabe sogar stehende Ovationen.

Familie Jähnichen aus der Kreisstadt, die auf ihren Reisen schon auf allen Erdkontinenten Musik hören konnte, fand die Aufführung überwältigend und sprach vom Gänsehaut-Effekt beim Gefangenenchor. Besonders beeindruckt hat sie die Stimmen der Solisten.

Eine kleine Besonderheit war das Mitwirken zweier Statistinnen aus der Region, die von der LAUSITZER RUNDSCHAU ausgelost wurden, um beim von allen erwarteten Gefangenenchor auf der Bühne zu stehen. Heidrun Basto aus Brieske hatte sich aus emotionalen Gründen in Erinnerung an ihre Eltern gemeldet, die jahrzehntelang ein Abonnement im Cottbuser Theater nutzten. Anke-Maren Zinke aus Altdöbern, selbst Chorsängerin, wollte die Atmosphäre auch hinter den Kulissen erleben und einmal mit einem großen Ensemble auf der Bühne stehen. Aufgeregtheit und Lampenfieber, aber auch die Vorfreude sind ihnen anzumerken.

Bedauert haben viele der Opernbesucher indes, dass der Blick auf den Hafen und den Senftenberger See - die besondere Kulisse - durch schwarze Netzgitter versperrt war. Dafür hat aber der Wettergott trotz anderer Vorhersagen Gnade walten lassen, sodass die Zuschauer ohne Wind und Regen das zweieinhalbstündige Musikerlebnis genießen konnten.

Dr. Gudrun Andresen freute sich gemeinsam mit dem Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD), diese kulturelle Besonderheit in der Stadt miterlebt zu haben. Das sei auch der guten Zusammenarbeit zwischen dem Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) und der Paulis-Agentur zu verdanken. "So etwas müsste es trotz vieler anderer Angebote in der Kreisstadt in jedem Jahr geben", so das gemeinsame Fazit nach dem Konzert.

Durften als Statistinnen mitwirken: Heidrun Basto (r.) aus Brieske und Chorsängerin Anke-Maren Zinke aus Altdöbern.
Durften als Statistinnen mitwirken: Heidrun Basto (r.) aus Brieske und Chorsängerin Anke-Maren Zinke aus Altdöbern. FOTO: Gabriele Philipp/gph1