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| 17:56 Uhr

Nach dem Sturm Friederike
Gefahr in den verwüsteten Wäldern

Auch in Schwarzheide, hier am Südrand der Pommelheide, fielen zahlreiche Kiefern dem Sturm „Friederike“ zum Opfer und sind eine Gefahr.
Auch in Schwarzheide, hier am Südrand der Pommelheide, fielen zahlreiche Kiefern dem Sturm „Friederike“ zum Opfer und sind eine Gefahr. FOTO: Richter-Zippack
Tettau/Ruhland. An der Kreisstraße zwischen Lauchhammer-West und Tettau rücken wieder die Sägen an. Die sturmgefährdeten Gehölze werden entfernt. Im Herbst war dort eine Radfahrerin von einem Baum erschlagen worden. Von Torsten Richter-Zippack

Der 12. Oktober ist als schwarzer Donnerstag in die Tettauer Ortschronik eingegangen. An jenem Donnerstag sind vier Radfahrer in einem Waldstück nördlich des Ortes von sturmbewegten Bäumen getroffen worden. Eine 75-jährige Frau kam dabei ums Leben. Bereits bis Ende 2017 sind in diesem Bereich an der Kreisstraße zwischen Tettau und Lauchhammer-West weitere gefährdete Gehölze durch die Eigentümer entfernt worden. Damit ist die Arbeit allerdings noch nicht zu Ende, sagt OSL-Kreissprecherin Theresa Pusch. „Die Waldbereiche auf beiden Seiten der Kreisstraße müssen auch weiterhin von den Besitzern auf gefährdete Bäume untersucht werden. Gefahrbäume sind zu fällen.“

Indes hat Sturm „Friederike“ am 18. Januar erneut an der Süd-Nord-Verbindung zwischen Tettau und Lauchhammer zugeschlagen. In einem Wäldchen rund 600 Meter vor dem eigentlichen Forst aus Richtung Lauchhammer stürzten mehrere Bäume auf die Straße und führten zu Unfällen. Diese Gefahr, so Theresa Pusch, sei inzwischen auch beseitigt worden. Darüber hinaus warf der Sturm auch im „Unglückswald“ wieder etliche Bäume zu Boden. Der Straßenverkehr war zwar nicht beeinträchtigt, doch musste erneut der Radweg gesperrt werden.

Der Tettauer Bürgermeister Siegmar Petrenz will sich indes mit Fachleuten exponiert vor Gebäuden stehende Gehölze genauer ansehen. „Bäume, die beim nächsten Sturm umfallen könnten, sollen gefällt werden. Die Gesundheit der Menschen besitzt oberste Priorität“, erklärt Petrenz.

„Friederike“ hat in den Wäldern des Altkreises Senftenberg ganze Arbeit geleistet: Rund 17 000 Festmeter Holz sind durch das Natur­ereignis geworfen worden, rechnet Leiter Harald Marwan von der Oberförsterei Senftenberg vor. Der Schwerpunkt liege auf den Revieren Guteborn und Hermsdorf. Allein bei Revierförsterin Ellen Zschech in Hermsdorf gingen rund 5000 Festmeter zu Boden. „Besonders die guten und sehr guten Sortimente sind betroffen“, so die Forstfrau. Dabei handele es sich fast durchweg um Kiefern. Bereits durch die beiden Herbststürme habe sie Schäden von 2000 Festmetern hinnehmen müssen. Im Bereich der Oberförsterei Senftenberg mit Sitz in Ruhland waren damals 3300 Festmeter angefallen. Davon wurden nach Angaben von Harald Marwan bereits 500 Festmeter aufgearbeitet. Zum Vergleich: Die jetzt umgestürzten Bäume bringen es pro Gehölz auf 0,25 bis zwei Festmeter.

Da noch große Sturmholzmengen auf ihre Aufarbeitung warten, mahnen die Förster die Waldbesucher zur Vorsicht. Hängende Äste könnten plötzlich herab-. und schief stehende Bäume umfallen, manchmal sogar ohne erkennbaren Grund.

Im benachbarten Sachsen wird dringend vom Betreten der sturmgeschädigten Wälder abgeraten. Die Gefahr für den Menschen besteht nach Angaben von Gernot Schweitzer, Sprecher des Landratsamtes Bautzen, auch nach dem Sturm: Geworfenes Holz stehe unter Spannung, Bäume brächen nach, hängengebliebene Äste oder Baumkronen stürzten bei Wind und Regen herunter. Erste Schätzungen nach dem Sturm „Friederike“ ergeben ein Schadensausmaß von etwa 150 000  bis 200 000 Festmetern.

Wer als Waldbesitzer jetzt das Holz aus dem Wald holen möchte, sollte sich ebenfalls vorsehen. „Die Aufarbeitung von Sturmholz ist nichts für Hobbymotorsäger“, warnt Harald Marwan. Neben der Gefahr, die von oben drohe, stehe das Holz nicht selten unter Spannung, was die ohnehin schon unfallträchtige Tätigkeit noch gefährlicher macht.

Allerdings sollten alle betroffenen Waldbesitzer möglichst zeitnah ihr Sturmholz aufarbeiten. Anderenfalls, so warnt Harald Marwan, sei es durchaus möglich, dass das Holz unter bestimmten Bedingungen geeignetes Brutmaterial für diverse Schadinsekten, beispielsweise Borkenkäfer, darstelle. Sobald im Frühjahr die Temperaturen dauerhaft ansteigen, würden die Käfer aktiv. Revierförsterin Ellen Zschech bietet Hilfe an: „Wir lassen die Waldbesitzer nicht im Stich.“

Neben den gefräßigen Insekten bereiten auch Flammen den Forstleuten große Sorgen. 2017 habe es in der Oberförsterei, die im Großen und Ganzen den Altkreis Senftenberg abdeckt, zwölf Waldbrände gegeben. Die Flammen hätten auf insgesamt gut drei Hektar Fläche gewütet. Darüber hinaus mussten die Forstarbeiter 215 Kubikmeter Müll aus den Wäldern entsorgen.

Nach Angaben des Landesforstbetriebes Brandenburg gab es im Jahr 2017 rund 140 Waldbrände. Durchschnittlich brenne es landesweit pro Jahr zwischen 200 und 300 Mal. Grund für die niedrige 2017er-Zahl bildete die häufig nasse Witterung. Eines der größten Feuer wütete Ende Mai auf einer Fläche von 200 Hektar in der Lieberoser Heide, bis letztlich ein Gewitterguss den Flammen ein Ende bereitete.