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Gefahr durch Promille-Fahrer steigt

Ab 1,1 Promille beginnt das Rauschstadium. Sehfähigkeit und Reaktionsfähigkeit nehmen ab, das Gleichgewicht ist gestört.
Ab 1,1 Promille beginnt das Rauschstadium. Sehfähigkeit und Reaktionsfähigkeit nehmen ab, das Gleichgewicht ist gestört. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein berauschter Verkehrsteilnehmer in einen Unfall verwickelt ist. Dass die Situation derzeit auffällig ist, bestätigen Polizei und Suchtberater. Jan Augustin

Drogen am Steuer in Guteborn. Ohne Führerschein, aber berauscht im Graben gelandet. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 2,19 Promille. Verkehrsunfall unter dem Einfluss von Alkohol auf der B 96 bei Senftenberg. Die Nachrichten, die die Polizei in jüngster Zeit immer öfter veröffentlicht, offenbaren einen besorgniserregenden Trend: Alkohol und Drogen am Steuer nehmen zu, besonders im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Als die Brandenburger Polizei vor zwei Wochen landesweit Autofahrer auf Alkohol und Drogen kontrollierte, kamen die "Spitzenreiter" aus OSL. Ein 34-Jähriger wurde mit 1,58 Promille in Schwarzheide erwischt. In Großräschen zogen die Beamten eine 50-jährige Radfahrerin aus dem Verkehr: Die Alkoholmessung ergab einen Wert von 2,32 Promille.

Dass momentan besonders viele Verkehrsteilnehmer betrunken und berauscht auf den Straßen unterwegs sind, ist auch der Eindruck von Thomas Piskol. Der 44-jährige Suchtberater im Gesundheitsamt des Oberspreewald-Lausitz-Kreises macht das an der intern geführten Statistik fest. Diese belegt ein konstant hohes bis steigendes Niveau an Suchtberatungen. "Alkohol ist immer noch die Droge Nr. 1", sagt der Sozialpädagoge und Therapeut aus Lauchhammer. Während die älteren Klienten eher zum Alkohol neigten, nehme aber auch der Anteil an Jüngeren zu, die mit Drogenproblemen kämen. Daran sei vor allem der Konsum von Crystal Meth schuld.

Die Polizeistatistik bestätigt das Bild. Demnach gab es in Brandenburg im vergangenen Jahr 124 Verkehrsunfälle nach Drogenkonsum. 83 Menschen verletzten sich dabei, zwei starben. Im selben Jahr ereigneten sich in Brandenburg insgesamt 1149 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss mit 517 Verletzten und sieben Toten. Das teilte das Innenministerium am Montag, dem Weltdrogentag, mit.

Auffällig in den Statistiken sind zudem auch die hohen Promille-Angaben, die aktuell bei Kontrollen festgestellt werden. Werte über eins sind keine Seltenheit. Ab 1,1 Promille sprechen Suchtberater von absoluter Fahruntüchtigkeit und einem Rauschstadium. Während Sehfähigkeit und Reaktionsfähigkeit rapide abnehmen, treten zunehmend Gleichgewichts- und Sprechstörungen auf. Ab 1,6 Promille ist eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) Pflicht. Bei Werten jenseits von zwei Promille beginnt das Betäubungs- beziehungsweise Lähmungsstadium. Meistens sind das die Spiegeltrinker, weiß Suchtberater Thomas Piskol. Die Betroffenen haben eine relativ hohe Alkoholkonzentration im Blut, die für sie aber kaum spürbar ist. Um das zu ändern, müssen sie diesen Grundspiegel mit viel Alkohol erhöhen, erklärt Thomas Piskol.