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| 18:23 Uhr

Geduld der Bürger in Lauchhammer-Nord nach harter Probe am Ende

Der Wasserverband und die Bergbausaniererin haben im Stadtteil-Nord Baustellen in Arbeit.
Der Wasserverband und die Bergbausaniererin haben im Stadtteil-Nord Baustellen in Arbeit. FOTO: Sattler/sam1
Lauchhammer. Die kleine Einwohnergemeinschaft des Stadtteils Lauchhammer-Nord hat 20 Jahre geduldig ertragen, dass die Ortsgestaltung an Kleinleipisch vollständig vorbei gegangen ist. Kathleen Weser

Von maroden Verkehrswegen, dem Sanierungsstau am Ortszentrum, der alten Schule, und meterhohem Unkraut haben die Bürger die Nase voll. Von der kommunalen Regierung weitestgehend ignoriert, hat der Verein Nordklub 1418 unterstützt durch 230 Unterschriften aus dem etwa 900-Seelen-Stadtteil einen Einwohnerantrag für eine Bürgerversammlung (siehe Hintergrund-Kasten) gestellt. Auf diesen wurde im Rathaus allerdings nicht korrekt reagiert.

Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) hat nunmehr am Donnerstagabend, und damit fast ein halbes Jahr nach dem ersten Vorstoß der Einwohner, vor Ort erklärt: Die Schwierigkeit bei Lauchhammer-Nord sei, der Stadtteil habe keinen Abgeordneten in der Ratsrunde und keine Ortsvertretung. Daher habe die Verwaltung keine Ansprechpartner gehabt und sei auf der Suche nach solchen erst im Januar fündig geworden.

Unter anderem war dies mit Felix Pölchen der Fall - der übrigens die Unterschriftenliste des Einwohnerantrages anführt und sich wie mehr als 30 Prozent der Bürger von Lauchhammer-Nord auf dieser auch akkurat mit Name und Adresse verewigt hat.

In Ermangelung von Ansprechpartnern, so Pohlenz weiter, habe er die Stadtverordnetenversammlung nicht informiert. Denn er habe den Abgeordneten ja nichts sagen können.

Das Begehren haben die Initiatoren aus der Bürgerschaft allerdings klar formuliert: In Lauchhammer-Nord werde seitens der Stadt seit vielen Jahren versäumt, für den Erhalt und eine verbesserte Infrastruktur zu sorgen. Das Ortsbild habe sich derart verschlechtert, dass dringend Handlungsbedarf bestehe. Deshalb werde um die Bürgerversammlung gebeten. Der Erhalt des Vereinshauses in der Mitte des dörflichen Stadtteiles liege den Bürgern in Lauchhammer-Nord besonders am Herzen.

Die Kritik sei angekommen "und auch nicht ganz unberechtigt", räumt der Bürgermeister ein. Roland Pohlenz schlägt vor, den Stadtteil zum Ortsteil zu machen - und damit eine legitimierte Ortsvertretung wie in Kostebrau und Grünewalde zu schaffen. Die Kommunalverfassung des Landes Brandenburg dürfte dies hergeben, sagt er mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, dass dies aber noch im Detail zu prüfen sei.

Diese unter dem Druck der Bürger in der Rathaus-Spitze geborene Idee wird als einzige Chance offeriert, für Lauchhammer-Nord Fördermittel beschaffen zu können. Der avisierte Topf: der für ländliche Entwicklung.

Bereits vor seinem Amtsantritt, so Roland Pohlenz, sei die Stadt Lauchhammer aus dem Stadtumbauprogramm geworfen worden. Das heutige Stadtoberhaupt ist zu der Zeit allerdings Abgeordneter gewesen. "Diese Entscheidung der Landesregierung haben wir ein Stück weit auch hinnehmen müssen", so der Bürgermeister weiter. Damit seien Fördermittel für die Aufwertung der Wohnquartiere ausgeblieben. Auch zum Nachteil von Lauchhammer-Nord.

Die Rückkehr in das Stadtumbauprogramm, das Mittel für die Ortsgestaltung mit sich bringt, hat Lauchhammer bisher nicht erreicht. Eine Grundvoraussetzung, ein aktuelles schlüssiges Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Insek), ist unerfüllt.

Und ein solches müsste zumindest auch die strategische Ortsentwicklung für Lauchhammer-Nord beinhalten, unabhängig von der Förderwürdigkeit aus diesem konkreten Programm.

In "vorauseilendem Gehorsam", so Hauptamtsleiter Jörg Rother, will die Stadt Lauchhammer jetzt über das Landesamt für die ländliche Entwicklung für Lauchhammer-Nord drei Projekte beantragen: die Gestaltung des Dorfangers, die Sanierung von Straßen und Gehwegen nach dem Verlegen der Regen- und Schmutzwasserleitungen und für ein Ortsteilzentrum. Gefördert werden aus dem Topf grundsätzlich allerdings nur klassische Dörfer und ländliche Ortsteile von Städten.

Zum Thema:
Mit einem Einwohnerantrag laut Kommunalverfassung des Landes Brandenburg haben die Bürger der Stadtteils Lauchhammer-Nord bereits Mitte Oktober beim Bürgermeister der Stadt Lauchhammer eine Bürgerversammlung gefordert. 230 Unterschriften sind eingereicht worden. Damit wurde der gesetzlich geforderte Nachdruck weit übertroffen. Über die Zulässigkeit hätte die Stadtverordnetenversammlung spätestens in der folgenden ordentlichen Sitzung, also am 5. Dezember 2013, entscheiden müssen. Der Ratsrunde ist der Einwohnerantrag aber nicht vorgelegt worden.