| 02:45 Uhr

Geburtenhoch in Storchennestern

In Biehlen wachsen Vierlinge im Storchennest heran – liebevoll umsorgt von den Altstörchen.
In Biehlen wachsen Vierlinge im Storchennest heran – liebevoll umsorgt von den Altstörchen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Das Weißstorchen-Jahr ist auf dem Höhepunkt. "In zwölf der 13 besetzten Nester sind junge Störche geschlüpft", bestätigt Werner Blaschke, der Experte für die Großvögel im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises. Kathleen Weser

"Auf einigen Horsten, wie in Großkmehlen und Hermsdorf, sind die Jungen noch relativ klein", erklärt der ehrenamtliche Storchenbetreuer weiter. Die Adebar-Eltern umsorgen den Nachwuchs aber vorbildlich. In Jannowitz und Kroppen leben indes die echten Wonneproppen. Hier sind die Storchenjungen schon fast so groß wie ihre Erzeuger. "An den schwarzen Schnäbeln und Beinen sind sie noch gut von den Altstörchen zu unterscheiden", erläutert Werner Blaschke, der profunder Kenner der heimischen Vogelwelt ist.

Mit aktuell 34 Nestjungen sei wieder ein "seit vielen Jahren unerreichtes gutes Ergebnis" für die Storchenbilanz zu erwarten. "Dazu tragen die zwei Viererbruten in Biehlen und Grünewald bei", erzählt der Storchenbetreuer weiter. Die Familien, die Blick auf die Nester haben, führen die Storchen-Statistik oft seit Jahrzehnten. Nur in Freienhufen ist in diesem Sommer ein tragischer Fall aufgetreten: Nur ein Nestjunges ist geblieben, nachdem die Eier bei Storchenkämpfen vom Nest vielen. In Saalhausen ist ein Storch einsam geblieben, der einzige im Raum Senftenberg.

Zwei bis drei Junge auf den Horsten sind ansonsten zu verzeichnen. "Das ergibt einen guten Durchschnitt von 2,6 Nestjungen", sagt Werner Blaschke. Nur mit mindestens zwei Rotstrümpfen pro Altstorchenpaar ist die Population in der Region zu erhalten.

13 besetzte Nester sind seit einigen Jahren hier üblich. Aber es gab schon viel bessere Zeiten, erläutert der Vogelkundler mit Blick auf die dokumentierte Anzahl der Brutpaare. "In den Jahren 1993 und 1994 hatten wir noch 24 Brutpaare", bestätigt er. Also fast doppelt so viele wie heute. Die Gründe kennt Werner Blaschke, der im Regionalverband Senftenberg des Naturschutzbundes Deutschlands (Nabu) aktiv ist, sehr genau: "Damals gab es noch mehr Grünland. Das ist für die Futtersuche sehr wichtig. Auch Stilllegungsflächen haben dem Storch und viele anderen Tierarten bessere Lebensbedingungen geboten." Die aktuellen großen Monokulturen seien nachteilig für das Nahrungsangebot der Weißstörche. "In der neuesten Literatur sind sich die Experten einig darüber, dass die Futtersituation während der Brutzeit der ausschlaggebende Faktor für die Anzahl der Brutpaare und deren Bruterfolg sind", erklärt Blaschke.

Das einzige Brutpaar ohne Nachwuchs sitzt in Peickwitz traurig im Nest. "Kurz nach der Ankunft hatte sich ein Altstorch ein Bein gebrochen", erzählt der ehrenamtliche Storchenvater aus Lauchhammer. Der Storch verschwand. Die neue Partnerschaft ist zu spät zu Stande gekommen. "Die innere Uhr sagt den Tieren, wann es zu spät für eine erfolgreiche Brut ist", bestätigt Werner Blaschke.

In den Nestern der Störche brüten auch regelmäßig Untermieter: Stare und Sperlinge. "Eine Besonderheit ist aus Grünewald zu berichten. Hier haben Storchenfreunde am Nestmast einen Nistkasten angebracht. Und aus dem sind inzwischen zwei junge Turmfalken ausgeflogen", erzählt Werner Blaschke weiter.

Jetzt wächst der Storchennachwuchs hoffentlich bei guten Wetterbedingungen und reichlich verfügbarer Nahrung heran. Ende August sollen sich 34 starke junge Störche aus dem Raum Senftenberg erstmals auf den Weg ins Winterquartier gen Afrika aufmachen.