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Gastwirte setzen auf Lausitzer Produkte

Das Gastwirte-Seminar des Tourismusverbandes fand in diesem Jahr in der Niemtscher Mühle statt. In diesem Lokal wird vor allem auf Fisch aus dem benachbarten Senftenberger See gesetzt.
Das Gastwirte-Seminar des Tourismusverbandes fand in diesem Jahr in der Niemtscher Mühle statt. In diesem Lokal wird vor allem auf Fisch aus dem benachbarten Senftenberger See gesetzt. FOTO: T. Richter/trt1
Niemtsch. Die Gastronomen aus dem Lausitzer Seenland setzen auf Lebensmittel aus der Region. Die meisten kaufen ihre Produkte von hiesigen Erzeugern sowie auf heimischen Bauernhöfen ein. Das klappt allerdings nicht ganz reibungslos, wie das jetzige Seminar gezeigt hat. Torsten Richter

Egal, ob Fleisch, Fisch oder Gemüse: Was in der Lausitz produziert wird, kommt auch auf Lausitzer Teller. So lautet das Rezept der heimischen Gastwirte. Beispielsweise in der erst im Spätherbst 2013 wiedereröffneten Gaststätte "Dörrwalder Mühle". "Unser Fleisch beziehen wir von den Proschimer Landwirten, das Gemüse aus Burg im Spreewald und einen Teil des Fischangebotes von den Glinziger Teichen bei Cottbus", zählt Gastronom Dr.Olaf Krüger auf. Demnächst beginne die Spargelsaison. Das Gemüse werde allerdings nicht in Griechenland oder Spanien eingekauft, sondern von der Spargelbau GmbH aus Sallgast.

Auch Christoph Pech von "Partwitzer Hof" setzt auf die regionale Speisekarte. "Das Fleisch holen wir ebenfalls in Proschim, das Buchweizenmehl aus dem Spreewald." Und der Partwitzer "Nachbar-Gastronom" Jürgen Ittmann wechselt, wie er sagt, sogar viermal im Jahr die Speisekarte, um stets die Lausitzer Produkte, die gerade Saison haben, anbieten zu können.

Einen ganz besonderen Vorteil nennt Rosemarie Dobra, die Wirtin der Niemtscher Mühle, ihr Eigen. Wenn die Kundschaft frischen Fisch wünscht, brauche sie nur nach nebenan zu gehen. Denn da verkauft Fischer Gunther Sell seine selbstgefangenen Hechte, Forellen, Rotfedern und weitere Kiemenatmer, die im Senftenberger See leben. "Manchmal rufe ich einfach über den Gartenzaun, was ich brauche", sagt Rosemarie Dobra schmunzelnd.

Dass die Gastwirte aus dem Seenland auf Lausitzer Produkte setzen, verwundert nicht. "Denn die Kunden fragen uns stets danach", betont Jürgen Ittmann. Regionale Küche sei "in". Sie stehe für Ehrlichkeit, Vertrauen und das Wissen, wo Fleisch, Gemüse und Co. tatsächlich herkommen. Das wurde auch während des jüngsten Gastwirte-Seminars, das der Tourismusverband Lausitzer Seenland in der Niemtscher Mühle organisiert hatte, deutlich.

Referent André Meyer, der ein Restaurant im oberlausitzer Eibau betreibt, bringt es auf den Punkt: "Meine Region, meine Heimat, mein Geschmack".

Seine Mannschaft setze bereits seit Jahren auf möglichst viele heimische Produkte. Die Touristen würden das Angebot längst schätzen, bei den Einheimischen dauere es etwas länger. Demnächst plant der Fachmann nach eigenen Angaben sogar den Aufbau einer regionalen Schauküche.

Eine Umfrage des Nachrichtenmagazins "Focus" gibt den auf Regionalität setzenden Gastwirten Recht. Demnach würden drei Viertel der Deutschen heimische Produkte vorziehen. Und ein Drittel von ihnen sei auch bereit, dafür bis zu 20Prozent mehr zu zahlen. Doch ganz reibungslos funktioniert die Lausitzer Küche bislang nicht. Als größtes Manko sehen die Gastronomen den längst nicht immer funktionierenden Lieferservice an. "Es ist zeitlich nicht zu schaffen, dass ich mehrfach pro Woche zum Erzeuger fahre und dort einkaufe", bringt es Christoph Pech auf den Punkt. Andererseits böten besonders kleinere Höfe keinen eigenen Bringdienst an. "Wir bräuchten einen großen Lieferservice. Dieser würde die Erzeugnisse direkt an den Herstellungsorten einsammeln und anschließend von Gasthaus zu Gasthaus fahren", wünscht sich Pech.

Nach Angaben von Marcus Heberle, stellvertretender Geschäftsführer des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, gibt es ein ähnliches Konzept bereits in der Uckermark. "Dort hat der Öffentliche Personennahverkehr Kühlboxen an Bord, in denen die regionalen Produkte zu den Gaststätten transportiert werden. Ich denke, das ist eine super Idee." Vielleicht, sagt Heberle weiter, lohne sich der Gedanke, ob so etwas auch für das Lausitzer Seenland denkbar wäre.