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Gartenstadt Marga in Gefahr

Die alten Bäume in Marga sind so einmalig wie das Gartendenkmal selbst. Doch im schönen Baumbestand verlieren immer mehr der alten Riesen den Überlebenskampf. Wenn nichts unternommen wird, geht der Charakter des Denkmals verloren. Zu diesem Schluss kommt Landschaftsarchitekt Roland Subatzus.
Die alten Bäume in Marga sind so einmalig wie das Gartendenkmal selbst. Doch im schönen Baumbestand verlieren immer mehr der alten Riesen den Überlebenskampf. Wenn nichts unternommen wird, geht der Charakter des Denkmals verloren. Zu diesem Schluss kommt Landschaftsarchitekt Roland Subatzus. FOTO: str
Brieske. Einen bedrohlich wirkenden Bericht hat Landschaftsarchitekt Roland Subatzus den Abgeordneten im jüngsten Senftenberger Bauausschuss an die Wand geworfen. Die Folie mit der tabellarischen Bestandserfassung für die nördliche Ringstraße sieht zwar auf den ersten Blick recht unspektakulär aus. Der Inhalt aber hat Sprengkraft: Null Prozent aller Bäume dort sind gesund. Jan Augustin

Mehr als die Hälfte (54 Prozent) wird von Subatzus als stark geschädigt eingeschätzt, ein Viertel sogar als sehr stark geschädigt. Aus Gründen der Verkehrssicherheit müssen deshalb jedes Jahr mehrere Bäume abgesägt werden. "Es stellt eine Gefahr dar und ist nicht ganz unbegründet, dass dort gefällt wurde", erläutert der Sachverständige. "Das Problem ist, es kann nicht nachgepflanzt werden, wenn man den Charakter der Gartenstadt, der nicht nur eine lokale, sondern auch eine internationale Bedeutung hat, erhalten will", stellt Subatzus klar. Denn um als Allee bezeichnet zu werden, braucht es gleich alte und gleich große Bäume, ansonsten ist es keine Allee. "Das Gesamtbild der Ringstraße wird zunehmend verändert. Und der Charakter der Gartenstadt geht sukzessive verloren", schlussfolgert Roland Subatzus.

Als Hauptursachen nennt der zertifizierte Baumkontrolleur die vorhandenen Standortbedingungen, die Klimaveränderung, die Baumpflege der letzten Jahrzehnte und auch die Bautätigkeit. Mit der Straßensanierung in der Gartenstadt wurde hier so massiv ins Erdreich eingegriffen wie nie zuvor. Auch wenn die Bäume damals so gut es ging geschützt worden sind, seien die Bauarbeiten für die Bäume nicht gesundheitsfördernd gewesen. Um das Gartendenkmal mit seinen teils 120 Jahre alten Bäumen zu erhalten, müsse die wertvolle historische Gehölzsubstanz alsbald restauriert werden. "Es ist höchste Zeit, etwas zu tun, damit auch unsere Kinder und Enkel die Gartenstadt genießen können", mahnt Roland Subatzus. Die Pflanze sei der wichtigste "Baustoff" des Gartendenkmals. Als Maßnahmen werden in seinem Konzept ab nächstem Jahr unter anderem die Jungbaumpflege, eine fachgerechte Kronenpflege, die Standortsanierung mit Bodenbelüftung und Düngung sowie der Austausch stark beschädigter Bäume unter Einbeziehung privater Gehölze vorgeschlagen. Nun gelte es, Fördermittel zu akquirieren, was freilich ein Problem sei.

Um 1900, als die Alleen und Solitäre in der Gartenstadt gepflanzt wurden, ist in Brieske auch kräftig experimentiert worden. Statt der klassischen Winterlinde, die mit den Standortbedingungen offensichtlich nicht gut klarkam, sind seltene Kreuzungen aus amerikanischer Linde und Krimlinde in die damals recht feuchte Marga-Erde gebracht worden. Die Veredlungsstellen sind inzwischen vielfach Schwachpunkte der Bäume. Denn sie sind auch Eingangspforten für Pilze und Fäulnis. Die Wurzeln können über die Stämme nicht mehr genug Nahrung zur Krone schaffen. Das Großgrün bildet deshalb Totholz und Sekundärkronen.

Zum Thema:
Zwischen 90 000 und 100 000 Euro setzt die Stadt Senftenberg im Jahr für die Pflege des Baumbestandes ein. In der Gartenstadt Marga zeichnet sich nun immer dringender ein erheblich höherer Bedarf ab. Denn viele der um 1900 gepflanzten alten Bäume der Alleen, in den Innenhöfen, um die Kirche und auf dem Friedhof nähern sich ihrem Lebensende. Zehn bis 30 Bäume sind jährlich Kandidaten für die Säge. Der Baumbestand umfasst verschiedene Arten, teilweise spezielle Züchtungen. Insgesamt stehen etwa 550 Bäume in Marga. Um den Charakter dieser historisch einmaligen Gartenstadt zu erhalten, hat die Stadt Senftenberg ein Konzept für adäquaten Ersatz beauftragt. Die "Erhaltungskonzeption Großbäume Gartenstadt Marga" aus dem Büro für Baumbegutachtung und Landschaftsarchitektur Subatzus & Bringmann aus Dörrwalde ist jetzt den Stadtverordneten vorgestellt worden. Neben einer Bestandserfassung und einer gartenhistorischen Untersuchung werden darin je nach Grad der Schädigung Handlungsbedarfe abgeleitet.