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Gartengrün schadet dem Wald extrem

Revierförster Thomas Sander (52) vor wild abgelagerten Gartenabfällen im Wald bei Ruhland.
Revierförster Thomas Sander (52) vor wild abgelagerten Gartenabfällen im Wald bei Ruhland. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Ruhland. Eine Unsitte greift um sich: Kleingärtner missbrauchen den Wald zunehmend als Halde für grüne Abfälle. In Ruhland steht Revierförster Thomas Sander (52) jetzt wieder vor einer wilden Unkraut- und Grünschnitt-Deponie. Und dem unschuldigen Grundstückseigentümer heften sich die Ordnungshüter an die Fersen. Kathleen Weserund Mirko Sattler

Der Schwarzheider Revierförster Thomas Sander (52) ist besorgt um den Wald. Auch in seinem etwa 7000 Hektar großen Revier, das von Arnsdorf über Ruhland und Schwarzheide bis Hörlitz und weiter nach Klettwitz reicht, fügen Kleingärtner der grünen Lunge großen Schaden zu. Grün- und Baumschnitt sowie Unkraut werden immer wieder fern der eigenen Scholle illegal im Wald abgeladen. In Ruhland haben sich die Ordnungshüter deshalb an die Fersen eines selbst unschuldigen Waldeigentümers geheftet. In dessen Wald, der unmittelbar am Waldweg von Ruhland nach Bärhaus liegt, haben Mitbürger in Höhe der Buschwiesen gleich neben der Autobahn wieder eine illegale Halde aufgetürmt. Der Grundstückseigentümer ist aufgefordert worden, den Unrat zu beräumen - und schlägt Alarm.

Das Problem wilder Gartenabfalldeponien besteht länderübergreifend hinter fast jeder Siedlung, bestätigt Wald-Experte Thomas Sander. Seit etwa sieben Jahren wird auch der Platz nahe der Autobahn immer wieder missbraucht. Die äußerst fragwürdigen Naturfreunde, die den eigenen Garten auf Kosten von privaten Waldbesitzern und auf kommunalen Flächen auch der Steuerzahler von Grünabfällen rein halten, haben schrittweise sogar einen Waldweg erweitert für den Umweltfrevel. Der Pfad, der hier vor Jahren lediglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad passierbar war, ist inzwischen so breit geworden, dass der grüne Unrat bequem per Auto mit Anhänger zum illegalen Abladen kutschiert werden kann.

"Das sind klare Verstöße gegen das Wald- und auch das Abfallgesetz, die über Kavaliersdelikte weit hinaus gehen", erklärt Thomas Sander. Mit bis zu 20 000 Euro kann die Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Der Wald nimmt durch abgelagerte Gartenabfälle großen Schaden. Darauf weist Hans-Joachim Wersin-Sielaff, der Sprecher des Brandenburger Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, eindringlich hin. Das Verrotten von Gartenabfällen störe die Nährstoffzusammensetzung im Wald empfindlich. Auf Flächen, auf denen Grünabfälle abgelagert wurden, seien schon nach kurzer Zeit oft nur noch Brennnesseln zu sehen - dies sei Folge einer massiven Nährstoffanreicherung. Insbesondere gelange Nitrat in den Waldboden.

Das Salz könne von den Waldpflanzen in großer Menge nicht aufgenommen werden, gelange in das Grundwasser und schädige die Trinkwasserfassungen. Abgelagerter Rasenschnitt führe zu Schimmel-, Gärungs- und Fäulnisprozessen - und damit letztlich zum Absterben von Organismen. "Der natürliche Nährstoffkreislauf wird gestört. Durch die Gärprozesse unter Luftabschluss kann es sogar zur Selbstentzündung und letztlich zum Waldbrand kommen", warnt Wersin-Sielaff. Zweige von Strauch- und Baumschnitten übertragen zudem Pilzkrankheiten. Und in den Gartenabfällen enthaltene Wurzeln, Zwiebeln und Knollen haben das Ausbreiten nicht heimischer Pflanzen im Wald zu Folge. Das verdrängt die heimische Flora, die wiederum von dieser abhängige Tiere vergrault und einen ungesunden Artenwandel fördert. Die inzwischen weit verbreitete Kanadische Goldrute sei ein Beweis dafür. Die wilden Grünhalden, die wegen bequemer kurzer Entsorgungswege in den Wald meist in der Nähe der Siedlungen angelegt werden, beinhalten jetzt auch unbenötigtes Fallobst. Das lockt Wildtiere an, die dann wiederum in die Wohngebiete vorrücken. Der Schrei nach dem Jäger folgt prompt. "Wir können nur aufklären und an die Vernunft der Leute appellieren", sagt der Revierförster. In allen sechs Revieren der Oberförsterei Senftenberg (Lauchhammer, Schwarzheide, Senftenberg, Hermsdorf, Guteborn und Großräschen) werden nun etwa 20 Hinweisschilder aufgestellt. Und der betroffene Waldeigentümer in Ruhland baut in der Not ein Hindernis in seinem Wald auf: Mit einem Schlagbaum will er den illegalen Entsorgern erneut Einhalt gebieten.