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| 16:42 Uhr

Weihnachtsbraten noch quietschlebendig in Peickwitz und Biehlen
Gans glücklich im Weihnachtsmodus

Zack, zack im Gänsemarsch geht es bei Landwirt Thomas Domin in Peickwitz über die Weide. Bei ihm leben die Gänse glücklich bis zum letzten Tag.
Zack, zack im Gänsemarsch geht es bei Landwirt Thomas Domin in Peickwitz über die Weide. Bei ihm leben die Gänse glücklich bis zum letzten Tag. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Peickwitz/biehlen. 850 Weihnachtsbraten in Biehlen und 80 in Peickwitz stehen acht Wochen vor dem Fest bestens im Futter. Das Geschäft brummt: Bestellungen laufen ein bis aus Dresden und Berlin. Von Andrea Budich

Exakt acht Wochen vor dem Fest haben sie am 24. Oktober natürlich noch Schonfrist, die 80 Peickwitzer Weihnachtsbraten. Noch watscheln sie quietschvergnügt über die Wiese. Dabei ist ihr Leben kurz, 26 Wochen, dann ist Schluss. In der kurzen Zeit werden sie sich auf der Peickwitzer Gänse-Weide fünf Kilogramm anfressen. 62 Tage vor Heiligabend steht das Gänsevolk von Landwirt Thomas Domin schon jetzt bestens im Futter. Drei bis vier Kilo hat es bereits auf den Knochen.

In diesem Herbst keine Selbstverständlichkeit, denn der Dürre-Sommer hat dem Wassergeflügel  zu schaffen gemacht. „Wir mussten in den Hitzewochen den Sprenger Tag und Nacht laufen lassen“, erklärt Domin, der die Gänseaufzucht betreibt, seit es den Hofladen gibt. Ohne das zusätzliche Nass wäre auf der Weide alles verdörrt. „Die Gänse wollen frisches Grün zupfen. Das gehört zu ihrem Wohlfühl-Programm. Da mussten die Sprenger rund um die Uhr laufen“, erklärt Domin den zusätzlichen Aufwand.

Vermarktet werden die Peickwitzer Gänse direkt ab Hof - passend zur Philosophie des Landwirtschaftsbetriebes. Auch das Fleisch und die Wurst der 40 Schweine und 20 Mutterkühe plus Kälber wird direkt im kleinen Hofladen des Betriebes an die Kunden gebracht.

Dabei setzen die Peickwitzer auf Qualität. Das heißt artgerechte Haltung, langfristige Mast und absolute Frische - alles sehr nah dran am Status einer echten Öko-Gans. Dafür brauchen die Gänse Zeit und Auslauf. Den haben sie auf der Weide, die einen halben Hektar misst. Im Schatten der Baumstreifen des Agroforstprojektes zupfen die Gänse genüsslich an Blättchen und Halmen. Anders als hoch gezüchtete Intensivmastgänse, die in wenigen Wochen hochgefüttert werden. Zum Grünzeug gibt es frischen Hafer, der im Nachbardorf Hosena angebaut und geerntet wird. Alles vom eigenen Acker, zugekauft wird kein Futter.

Nur wenn sich die Gänse wie hier auf dem ausgedehnten Peickwitzer Grünland viel bewegen, bekommen sie das schöne feste Muskelfleisch und die strammen Keulen, die die Kunden so schätzen. 80 Prozent der Peickwitzer Weihnachtsgänse sind schon bestellt. Wer sich noch eine Auguste sichern will, muss schnell sein, sagt der Chef. Die ersten kommen schon zur Kirmes am 1. November unters Messer. Die Bestellungen laufen übrigens bis aus Dresden, Cottbus und Berlin im beschaulichen Peickwitz ein. „Die Großstädter haben unseren Hofladen beim Radeln im Sommerurlaub entdeckt und ordern dann bei uns auch ihren Weihnachtsbraten“, erklärt Thomas Domin. Die ersten Bestellungen werden übrigens immer schon zum Jahreswechsel in die Bücher eingetragen.

Voll im Weihnachtsmodus angekommen ist in diesen Oktobertagen auch schon die Agrargenossenschaft Elsterland-Biehlen, nur einen Steinwurf von Peickwitz entfernt. Das glückliche Gänseleben in Biehlen hat so etwas wie Kultstatus erlangt. Die gute Gänse-Adresse ist inzwischen in ganz Brandenburg bekannt. Zum Biehlener Erfolgsgeheimnis gehören viel Auslauf, frisches Gras, Heu, Weizen und die Bademöglichkeit im Binnengraben. Weil letzterer in diesem Hitze-Sommer ausgetrocknet ist, musste das Federvieh mit einem Wasserwagen Vorlieb nehmen. Die Biehlener Gänse-Bestell-Hotline läuft sich in diesen Tagen regelrecht heiß. Auf die rasant anwachsende Nachfrage musste reagiert werden. Anstatt der üblichen 700 Gänse, watscheln diesmal 850 Braten über die Wiese.