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| 02:48 Uhr

Gangster erfinden Abzockmasche

Der vermeintliche Vollstreckungsbescheid und ein Überweisungsformular liegen dem Brief bei.
Der vermeintliche Vollstreckungsbescheid und ein Überweisungsformular liegen dem Brief bei. FOTO: red
Senftenberg. Eine Serie neuer Forderungsschreiben des vermeintlichen Inkassobüros Exclusive Claims erreicht derzeit die Menschen in der Region Senftenberg. Die Verbraucherzentrale warnt eindringlich. Jan Augustin

Silvia Schulze* aus Senftenberg soll trotz zahlreicher Mahnungen ihre Zahlungsbereitschaft nicht unter Beweis gestellt haben. Diesen Vorwurf teilt ihr das vermeintliche Inkassobüro Exclusive Claims in einem zweiseitigen Brief mit, der Ende vergangener Woche bei ihr ins Haus flatterte. Kosten und Zinsen hätten sich erhöht, heißt es. Aufgrund der anhaltenden Zahlungsverweigerung gebe es keine andere Möglichkeit, als bei ihrer Bank eine Vorpfändung anzubringen. "Ihr Konto wird in Kürze gesperrt. Sie haben dann keine Zugriffsmöglichkeit mehr", droht der Absender. Die Maßnahme sei nur zu vermeiden, "indem Sie sofort den Betrag in Höhe von 369,87 Euro an uns überweisen".

Silvia Schulze fällt nicht auf diese Masche rein. Und das ist auch gut so, sagt Wolfgang Baumgarten von der Verbrauchzentrale Senftenberg. "Die Firma gibt es nicht. Dass es sich um Betrug handelt, erkennen Verbraucher daran, dass kein Gläubiger und auch kein Grund für die offene Forderung genannt werden", erklärt Baumgarten. Außerdem soll das Geld auf ein belgisches Konto überwiesen werden, was an der Länderkennung "BE" der Iban-Nummer zu sehen ist. Ein weiteres Indiz für Betrug ist die angegebene Handynummer. "Leider ist die Mobilbox voll", sagt eine Computerstimme bei dem Versuch, mit dem Absender - ein Martin Key - ins Gespräch zu kommen.

Baumgarten empfiehlt dringend: "Zur Polizei gehen und Strafanzeige stellen und um Himmels willen nicht bezahlen", sagt der Verbraucherschutz-Experte. Er betont, dass ein Inkassobüro zwingend von einem Gericht zugelassen sein muss. Wer das überprüfen will, kann die Firma auf der Internetseite www.rechtsdienstleistungsregister.de suchen. Die Trefferquote von Exclusive Claims: Null. Wolfgang Baumgarten ist nicht überrascht: "Die Gangster arbeiten Tag und Nacht und lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen". Die genutzten Adressen stammen vermutlich noch aus Zeiten von Gewinnspiel-Eintragungsdiensten, glaubt Baumgarten. Den Betroffenen wurde damals unterstellt, telefonisch einen Vertrag abgeschlossen zu haben.

Eine ähnliche Telefonabzocke war erst in der vergangenen Woche aus Ruhland bekannt geworden. Eheleuten war ein Gewinn von 86 000 Euro offeriert worden. Die Betrüger drängten das Paar dazu, vorher Geld als Gegenleistung in den Kosovo und nach Albanien zu überweisen. Die Ruhlander fielen darauf herein und überwiesen den geforderten Betrag. Den zuvor in Aussicht gestellten Gewinn bekamen sie nie, ihr überwiesenes Geld ist dafür verschwunden. "Man kann warnen, soviel man will, die Leute fallen darauf rein", klagt Wolfgang Baumgarten. Silvia Schulze indes hat einen kühlen Kopf bewahrt und keinen Cent gezahlt.

* Der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

Zum Thema:
Die aktuellen Fälle nehmen Verbraucherzentrale und Polizei zum Anlass, dringend davor zu warnen, als Voraussetzung für einen Gewinn im Vorfeld oder wie jetzt bei der Vorpfändungsmasche Geld auf ausländische Konten zu überweisen. Ebenso sollten niemals Gutscheincodes oder -nummern an Fremde übermittelt werden. "Einfach ein gesundes Misstrauen walten lassen", empfiehlt der Polizeibeamte Torsten Wendt. Hohe Gewinne zu erhalten, obwohl die Betroffenen nie an Auslosungen oder Gewinnspielen teilgenommen haben, ist unwahrscheinlich. Fragen zur finanziellen Situation und zu Kontodaten sollten prinzipiell unbeantwortet bleiben.